Publiziert am: 20.10.2023

Nuklearforschung soll möglich bleiben

KERNKRAFT – Gemäss einer neuen Umfrage betont eine deutliche Mehrheit die Notwendigkeit der Kernkraftwerke für die Stromversorgung.

Die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur Kernenergie bleibt insgesamt zustimmend. Nach einer neuen Umfrage betont eine deutliche Mehrheit die Notwendigkeit der Kernkraftwerke für die Stromversorgung, hat Vertrauen in die Sicherheit der Werke und spricht sich für die geltenden unbefristeten Laufzeiten der Anlagen sowie für die weitere Nuklearforschung aus. Das geht aus der Studie «Kernenergie Schweiz» des Sozial- und Marktforschungsinstituts Demoscope im Auftrag des Nuklearforums Schweiz hervor.

An der repräsentativen Umfrage haben mehr als 2200 Personen aus der gesamten Schweiz teilgenommen. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) sind der Ansicht, dass die Schweiz neben erneuerbaren Energien weiterhin auch Kernenergie zur Stromerzeugung einsetzen sollte, 38 Prozent lehnen dies ab. 37 Prozent der Befragten beurteilen danach Kernkraftwerke insgesamt sehr bzw. eher positiv. Dem gegenüber stehen 42 Prozent, welche Kernkraftwerke eher negativ oder sehr negativ beurteilen. Signifikant mehr Männer und jüngere Altersgruppen sind in ihrer Auffassung positiver.

74 Prozent halten Kernkraftwerke fĂĽr sicher

Fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) sind eher damit einverstanden, dass die bestehenden Kraftwerke so lange betrieben werden sollen, wie sie sicher sind. Ebenso viele Personen (74 Prozent) halten die bestehenden Kernkraftwerke in der Schweiz fĂĽr sehr sicher oder eher sicher.

«eine Mehrheit zeigt sich eher skeptisch, dass die Kernenergie durch erneuerbare Energien ersetzt werden kann.»

68 Prozent der Befragten befürworten die Aussage, dass die bestehenden Kernkraftwerke notwendig für die Stromversorgung der Schweiz sind. Ungefähr ausgeglichen sind die Meinungen beim Thema der Lösbarkeit der Lagerung radioaktiver Abfälle – 43 Prozent sind eher damit einverstanden, dass diese lösbar sei, 41 Prozent sind anderer Ansicht.

Keine klare Auffassung bei Klimafreundlichkeit

Was denkt die Bevölkerung über das Neubauverbot? Bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen finden es 35 Prozent der Befragten richtig, dass der Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz per Gesetz grundsätzlich verboten ist. Auf der anderen Seite sind 23 Prozent der Meinung, dass das Verbot über den Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz grundsätzlich aufgehoben werden sollte.

Grössere Zustimmung finden andere Optionen: 42 Prozent der Befragten halten es für richtig, dass im Falle von technologischen Fortschritten der Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz wieder in Betracht gezogen werden sollte. Ausserdem meinen 40 Prozent, dass die Bevölkerung die Möglichkeit haben sollte, im Einzelfall zu entscheiden, ob ein neues Kernkraftwerk gebaut werden soll oder nicht.

Im Zusammenhang mit der Frage der Klima- bzw. Umweltfreundlichkeit der Kernenergie gibt es keine klare Auffassung der Befragten: 54 Prozent sind eher der Ansicht, die Produktion von Strom aus Kernkraftwerken verursache wenig CO2 und sei daher klimafreundlich, 31 Prozent sind damit eher nicht einverstanden. Andererseits sind 52 Prozent der Befragten der Meinung, das Strom aus Kernenergie eher umweltschädlich sei. 38 Prozent finden, er sei eher umweltfreundlich.

Deutliches Ja zur Nuklearforschung

Eher skeptisch zeigt sich eine Mehrheit bei der Frage, ob die Kernenergie in der Schweiz durch die Förderung erneuerbarer Energien und Sparmassnahmen ersetzt werden kann. 56 Prozent glauben nicht daran, 37 Prozent sind gegenteiliger Auffassung. Gleichzeitig bejahen 44 Prozent die Frage, ob sie daran glauben, dass die Energiewende gelingt, das heisst, dass die Schweiz auch ohne eigene Kernkraftwerke längerfristig genügend klimafreundlichen Strom hat. 42 Prozent sind der Ansicht, die Energiewende gelinge nicht.

Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten glauben, dass die Schweizer Bevölkerung und auch die Wirtschaft in den letzten Jahren von der Kernenergie profitiert hat und geben dafür vor allem die Versorgungssicherheit und tiefere Strompreise an.

Ein klares Meinungsbild gibt es bei der Frage nach der Forschung: 79 Prozent denken, dass nukleare Forschung und Ausbildung in der Schweiz weiterhin möglich sein sollen; zehn Prozent sind gegenteiliger Ansicht. «Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass die Bevölkerung den Mehrwert der Kernenergie für die Schweiz anerkennt. Vor diesem Hintergrund dürfte die öffentliche nukleare Diskussion anhalten», kommentiert Hans-Ulrich Bigler, Präsident des Nuklearforums Schweiz, die Studienergebnisse.

Demoscope hat insgesamt 2239 Personen in einer disproportionalen Stichprobe, quotiert nach Geschlecht und Alter, mit repräsentativer Verteilung in den Sprachgebieten online befragt.pd/sgz

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