Publiziert am: 02.02.2024

Ringen mit dem Gebührenmonster

Kommissionsgebühren – Am 1. Februar 2024 haben sich die Konditionen für bargeldlose Zahlungsmethoden geändert. Die Gebühren, welche der Händler für die Abwicklung der Zahlung berappen muss, stapeln sich immer höher und belasten die Unternehmen immer stärker.

In der Schlange an der Kasse merkt so mancher plötzlich, dass im Portemonnaie kein Bargeld mehr steckt. Kein Problem: Einfach die Karte gezückt oder die App geöffnet, und schon ist die Schuld beglichen. Das bargeldlose Zahlen hat das Leben der Konsumenten zweifelsohne vereinfacht. Für Unternehmen, welche diese Zahlungsmittel akzeptieren, sind Kreditkarte und Co. jedoch nicht immer ein Segen.

Rattenschwanz der Zahlungsabwicklung

Grund für den Verdruss sind die Kommissionsgebühren. Denn während die Zahlung für den Kunden keine zusätzlichen Kosten mit sich bringt, so kommen auf Detailhändler, Gastronomen und Hoteliers durchaus weitere Kosten zu. Denn für die Abwicklung einer Zahlung sind mehrere Schritte notwendig, welche vom sogenannten Händlerbetreuer oder Acquirer initiiert werden. Dieser bringt die weiteren Schritte bei der Bank, dem kartenherausgebenden Institut usw. ins Rollen. Und kassiert im Gegenzug eine Kommissionsgebühr, welche dem Händler vom bezahlten Betrag abgeht. Der mit Abstand grösste Acquirer auf dem Schweizer Markt ist die Worldline Schweiz AG.

Es wird immer teurer

Gegen Ende des letzten Jahres flatterten den Unternehmen Briefe von Worldline ins Haus. «Anpassung der Konditionen per 1. Februar 2024» hiess es darauf – «Erhöhung» wäre treffender. Denn ein genauerer Blick auf die konkreten «Anpassungen» zeigt, dass die Gebühren – konkret die transaktionsbedingten Gebühren – überall in die Höhe klettern: Ein Zuschlag von 0,1 Prozent auf Firmenkarten hier, knapp 0,3 Prozent für Karten ausserhalb der EU dort, daneben eine Erhöhung der «Market Development and Volume Fees», und obendrauf eine Gebühr von 0,8 Prozent auf Business-to-Business-Karten. Ausserdem werden verschiedene bestehende Gebühren auf Visa Debit und/oder Debit Mastercard ausgeweitet.

«Es heisst ‹Anpassungen›. Gemeint sind ‹Erhöhungen› – immer.»

Unter dem Strich bedeutet das also höhere Gebühren. Und dies bei jeder Zahlung mit einem der betroffenen Zahlungsmitteln, und für jedes Unternehmen, welches seinen Kunden diese Bezahlmöglichkeiten anbietet.

Hinzu kommt, dass die GebĂĽhrenstrukturen sehr unĂĽbersichtlich sind. Bei einer einzelnen Zahlung kommen derart viele prozentuale und fixe GebĂĽhrenteile zusammen, dass kaum noch zu erkennen ist, wofĂĽr ĂĽberhaupt bezahlt wird.

KMU tragen die Last

Klar ist: Hauptleidtragende dieser Gebührenlast sind die KMU. Das Problem ist einerseits die Quersubventionierungsstrategie der Acquirer. Denn diese handeln vornehmlich Verträge mit grossen Firmen aus, welchen sie die Bezahlmethoden mit günstigen Konditionen schmackhaft machen. Um ihre Kosten zu decken, müssen die Acquirer jedoch andernorts mehr Geld eintreiben, und daher wesentlich höhere Kommissionen verlangen. Diese Last wird auf die KMU abgeladen, denn sie haben dem Acquirer gegenüber nicht die nötige Verhandlungsstärke, um sich gegen die hohen Gebühren zu wehren.

Es bleibt nur ein Ausweg: Der Wechsel zur Konkurrenz. Doch aufgrund der bereits erwähnten Marktmacht von Worldline ist dies einfacher gesagt als getan. Schlussendlich bleiben die KMU oft auf den hohen Gebühren sitzen und müssen die ihnen entstehenden Mehrkosten selbst berappen. Der Druck auf die oft eh schon tiefen Margen steigt.

Der Gewerbeverband wehrt sich gegen überhöhte Gebühren

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv lehnt diese Mehrbelastung der KMU zugunsten grösserer Firmen sowie der Acquirer entschieden ab. Er fordert die Reduktion der Gebührenlast, eine Vereinfachung der Gebührenstruktur und dadurch mehr Transparenz im Wettbewerb. Die derzeit bei der Wettbewerbskommission laufenden Untersuchungen zu den sogenannten Interbankengebühren sind zwar ein Anfang. Der Kampf gegen das Gebührenmonster wird jedoch noch viele weitere Anstrengungen erfordern.

Michèle Lisibach,

Ressortleiterin sgv

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