
Genuss mit gutem Gewissen
30 Jahre BIO-DESTILLATE – Der Familienbetrieb hat sich mit Bio-Obstbränden und dem Import von Bio-Spirituosen sowohl in der Schweiz als auch in Europa erfolgreich in einer Nische positioniert.
BRENNEREI HUMBEL – Seit über 100 Jahren wird im Familienbetrieb in Stetten Schnaps gebrannt. Bald übernimmt die vierte Generation. Das KMU hat sich mit der Lancierung sortenreiner Kirschbrände einen Namen gemacht. Mit der Wertschätzung für alte Kirschsorten von Hochstammbäumen wurde wesentlich zur Erhaltung dieses Schweizer Kulturgutes beigetragen.
Seit mehr als 100 Jahren wird im aargauischen Stetten bei der Familie Humbel Schnaps gebrannt. Der Grundstein zum heutigen Unternehmen legte Max Humbel 1918. Was damals begann, hat sich zu einer modernen Brennerei entwickelt, die sich dem Motto «Im Einklang mit der Natur» verschrieben hat. Sie setzt seit 1995 auf Schweizer Bio-Obst und Bio-Importspirituosen (vgl. Nebenartikel). «Wir verarbeiten zu 100 Prozent Schweizer Früchte, unterstützen Hochstamm-Obst, und alles, was vom Ausland kommt, ist biozertifiziert. Wir handeln verantwortungsvoll gegenüber Mensch, Tier und Natur», betont Gloria Humbel. Zusammen mit ihrem Bruder Luis ist sie 2016 in den Familienbetrieb eingestiegen. Die Geschwister unterstützen ihren Vater Lorenz Humbel, der das KMU als leidenschaftlicher Kirschbrenner in der dritten Generation führt. Die gelernte Innenarchitektin sammelte zusätzlich Erfahrung als Bar- und Servicemitarbeiterin und ist für den Bereich Verkauf tätig ist. Ihr Bruder stieg als gelernter Automechaniker ebenso auf dem zweiten Bildungsweg in den Familienbetrieb ein, wo er als Brennmeister wirkt. «Es ist ein sehr abwechslungsreicher und intensiver Beruf. Es ist ein ehrliches, bodenständiges Handwerk, in dem man mit guter Arbeit und viel Know-how grossartige Produkte erschaffen kann.» Luis Humbel hat seine Ausbildung zum Brennmeister in Deutschland absolviert. «Mein dort erlerntes Wissen kombiniere ich mit den mehr als 100-jährigen Traditionen und Rezepturen unserer Brennerei.»
In der Hochsaison arbeiten insgesamt im Sommer und vor Weihnachten rund 20 Personen mit kleineren und grösseren Pensen mit. Jedes Jahr werden zwischen 250 und 450 Tonnen Früchte zu Schnaps verarbeitet. Dazu Gloria Humbel: «Wir brennen im Jahr zwischen 10 000 und 30 000 Litern reinen Alkohol.» Kirschen aus der Region Nordwestschweiz machen den grössten Teil aus. Aber auch Pflaumen, Äpfel, Birnen, Quitten, Trauben und Holunder werden zu hochwertigen Spirituosen verarbeitet. Das Obst stammt zu 100 Prozent von Schweizer Landwirten und ein Teil sogar von den Biobauern aus der Region. «Die Qualität des Obstes ist entscheidender Faktor für die Qualität des Schnäpse. Aus schlechten Früchten kann man keinen guten Schnaps brennen», erklärt Luis Humbel. Und seine Schwester ergänzt: «Wir benötigen reife Früchte ohne Schmutz, Blätter und Stiele im Fass – nur so entstehen richtig gute Brände. Dies bedingt eine gute Kommunikation mit unseren Lieferanten.» Während die Fruchtbrände eher rückläufig sind, sind Quitten und William sehr gefragt. Dazu Gloria Humbel: «Im Trend liegen auch unser Aargauer Rüeblibrand und der Pflaumen- respektive der Löhrpflaumen- und der Mirabellenbrand.»
Das Obst wird bis zu dreimal pro Woche frisch angeliefert. Die Früchte werden auf ihre Qualität kontrolliert, eingemaischt, angesäuert und mit Hefe versehen. «Wir lagern die Maische drei bis vier Wochen, damit sich der Alkohol bildet», so Luis Humbel. Anschliessend wird sie in den Brennhafen gegeben. Dort dauert es rund viereinhalb Stunden, bis der Alkohol aus der Maische herausdestilliert wurde. Zu diesem Zeitpunkt weist der Alkohol rund 80 Volumenprozent auf und wird eingelagert bis zum Zeitpunkt, an dem er in die Flaschen abgefüllt werden soll. Vor dem Abfüllen wird der Schnaps mit Wasser auf die gewünschte Trinkstärke verdünnt, und die Trübstoffe werden herausgefiltert. «Jede Frucht und jeder Rohstoff bringt ganz unterschiedliche Anforderungen mit sich», weiss der junge Brennmeister.
Hauptgeschäftszweig der Aargauer Schnapsspezialisten ist die Gewerbebrennerei. Die Lohnbrennerei ist ein Nebengeschäftszweig. «Wir brennen für unsere Lohnbrennereikunden zwischen 400 und 700 Litern reinen Alkohol pro Jahr.» Zum Sortiment der Brennerei Humbel gehören klassische Schweizer Destillate, sortenreine Fruchtbrände, Spezialitätenbrände, Hochstamm- und Bio-Obstbrände, aber auch selbst hergestellte Bio-Spirituosen und selbst gebrannte Bio-Fairtrade-Rums sowie diverse importierte Bio-Spirituosen, Liköre und Bitters.
Die Familie Humbel lebt das Handwerk des Kirschbrennens mit viel Leidenschaft, Fingerspitzengefühl für die Natur sowie Sorgfalt und Präzision. Traditionen, Rezepte und Know-how werden über Generation weitergegeben. Dazu gehört immer auch eine kräftige Prise Innovation. Dank guten Partnerschaften und vielen kreativen Köpfen entstehen immer wieder neue, genussvolle Kreationen. Eine Pionierleistung und Spezialität des Unternehmens sind die Bio-Destillate. Ein weiteres Standbein sind die Schweizer-Spirituosen-Sommelierkurse, die die Brennerei Humbel zusammen mit Gastro Suisse anbietet. «Wir sind stolz darauf, Teil dieses spannenden Kurses zu sein. Mit unserer langjährigen Erfahrung und unserer Leidenschaft für exzellente Brände unterstützen wird die Ausbildung zukünftiger Spirituosensommeliers und teilen unser Wissen über Herstellung, Qualität und die Kunst des Veredelns», freut sich Lorenz Humbel.
Die Schweizer Brennereibranche befindet sich im Wandel, dies bringt auch verschiedene Herausforderungen mit sich. «Die grösste Hürde ist die Wertschätzung unserer Preise, die eng mit der Qualität und der Herkunft unserer Rohstoffe verbunden sind», erklärt Lorenz Humbel. «Wir verarbeiten für unsere Fruchtbrände ausschliesslich Schweizer Früchte, häufig in Bio-Qualität oder von Hochstammbäumen – das hat seinen Preis.» Und seine Tochter doppelt nach: «In einem Markt, der stark von Mengen- und Preisdruck geprägt ist, braucht es viel Aufklärungsarbeit, um das Bewusstsein für diese Wertschöpfungskette zu stärken. Schweizer Qualität hat ihren Wert – und genau diesen möchten wir sichtbar und erlebbar machen.»
Das Bewusstsein für regionale Produkte, Handwerk und Nachhaltigkeit wächst allerdings. Traditionelle Brennereien mit klarem Qualitätsversprechen und innovativen Ideen haben gute Chancen. «Gleichzeitig braucht es aber auch politische Unterstützung, um die Schweizer Brennereien zu erhalten und Chancengleichheit gegenüber der internationalen Konkurrenz zu schaffen», gibt die Familie Humbel zu bedenken. Sie will ihre Brennerei zukunftsfähig weiterentwickeln. Dazu gehört eine noch stärkere Ausrichtung auf Bio- und Hochstamm-Obst, innovative Projekte und einen Ausbau ihres Angebots. «Unser Ziel ist es, die Schweizer Brennkultur mit Innovationsgeist in die nächste Generation zu führen – authentisch, nachhaltig und qualitätsbewusst.»
Corinne Remund
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