Vor genau 30 Jahren wagte Lorenz Humbel, in seiner Brennerei Bio-Destillaten herzustellen und das Sortiment mit Bio-Produkten zu ergänzen. «Das war kein Marketing-Gag, es war eine Entscheidung aus Überzeugung und Verantwortung gegenüber der Natur und den Menschen, die unsere Produkte trinken, und natürlich auch gegenüber den künftigen Generationen, die auf gesunde Böden und sauberes Wasser angewiesen sind», erinnert er sich. Damals war Bio noch kein Trend, sondern eine Vision, die den engagierten Geschäftsführer und leidenschaftlichen Schnapsbrenner mit viel Mut und Pioniergeist vorantrieb. «Die Ziele der Bio-Landwirtschaft haben mich einfach überzeugt, und als dann ein Kirschenlieferant auf Bio umgestellt hat, habe ich die Chance gepackt und 1995 die ersten Bio-Kirschen destilliert.»
Heute – drei Jahrzehnte später –ist diese Vision Alltag in der Brennerei Humbel in Stetten. Und dennoch ist sie alles anders als selbstverständlich. Bio ist klar mit einem Mehraufwand verbunden: beim Einkauf, bei der Verarbeitung und im administrativen Teil. «Wir führen eine Extrabuchhaltung nur für Bio. Die Kontrollen sind streng, und das ist aber auch richtig so», erklärt Gloria Humbel, die für den Verkauf und die Administration zuständig ist. Die Herausforderung damals lag darin, die Kundschaft dafür zu finden. «Anfangs passten für viele Kunden Alkohol und Bio einfach nicht zusammen», sagt Lorenz Humbel.
Mehr als ein grĂĽnes Etikett
Die Destillate aus kontrolliert biologischem Anbau entstehen durch einen sorgfältigen Umgang mit der Natur, die entsprechenden Obstanlagen sind Teil eines intakten Ökosystems. «Weiter verzichten wir ganz auf den Einsatz von genetisch veränderten Produkten. Den Ökostrom liefern uns die Aargauer Elektrizitätswerke», so der Chef. Produkte mit Bio-Zertifizierung müssen strenge Richtlinien einhalten: keine Pestizide, keine genetisch veränderten Organismen und eine transparente Produktionsketten. «Für uns ist das keine Belastung, sondern ein Versprechen – an unsere Kundinnen und Kunden, an unsere Fruchtproduzenten und an die Umwelt», betont Lorenz Humbel. Und doppelt nach: «Für uns zählt, was drin ist: ehrliches Handwerk, Sorgfalt, Nachhaltigkeit und Genuss mit gutem Gewissen.» Dennoch sind noch nicht alle Produkte im Sortiment biozertifiziert. «Manchmal bekommen wir die benötigte Menge nicht in der gewünschten Qualität, oder es hat noch zu wenig Bio-Bauern, die uns Früchte in Bio-Qualität anbieten», erklärt der engagierte Schnapsbrenner. Auch wenn nicht alle Schnäpse in Bio-Qualität hergestellt sind, so steht die Aargauer Brennerei für Qualität, Nachhaltigkeit und Genuss. «Alle unsere Früchte stammen aus der Schweiz, werden mit kurzen Lieferwegen zu uns in die Brennerei gebracht und dort in einem sorgfältigen Prozess zu gutem Schnaps destilliert», betont Gloria Humbel.
Breitgefächertes Bio-Spirituosen-Sortiment
Ein Bio-Schnaps wird oft als gehaltvoller, aromatischer und vielschichtiger wahrgenommen. «Das liegt daran, dass biologisch angebautes Obst langsamer wachsen darf. Es entwickelt intensivere Aromen, tiefere Geschmacksnoten – kurz: Charakter», erklärt Brennmeister Luis Humbel. Dieser Anbau und das Bestreben, weiterhin Qualitäts- und Hochstammfrüchte anzubauen, sind mit Aufwand und teilweise finanziellen Risiken für die Fruchtproduzenten verbunden. Dank Bio konnte sich das Unternehmen, das mit seinen Bio-Obstbränden jedes Jahr am Zofinger Bio Marché vertreten ist, in Deutschland und Europa etablieren und zusammen mit Peter Riegel Weinimport die Dschinn Bio-Spirituosen-Vertriebsgesellschaft gründen. Das war ein grundlegender Schritt. «Dank dieser Zusammenarbeit können wir unsere Bio-Schnäpse und -Spirituosen nach ganz Europa liefern», freut sich Inhaber Lorenz Humbel.
CR