Publiziert am: 15.08.2025

«Ort der Begegnung und der Inspiration»

In neuem Glanz – Das Schloss Aarwangen lädt dazu ein, Geschichte sinnlich und interaktiv zu erleben. Highlights wie die multimedialen Ausstellungen, thematische Escape-Rooms oder ein Kinderparadies unter dem Dach begeistern Gross und Klein. Anna Fintelmann, Leiterin des Schlosses Aarwangen, gibt einen Überblick.

Schweizerische Gewerbezeitung: Anfang Mai wurde das Schloss Aarwangen mit einem grossen Eröffnungsfest für die Bevölkerung neu eröffnet. Wie war die Eröffnung, welches Feedback bekamen Sie von der Bevölke-rung und den Besuchern?

Anna Fintelmann: Die Eröffnung war ein grosser Erfolg – über 2000 Gäste haben das neu gestaltete Schloss an diesem Tag besucht. Die Atmosphäre war festlich, neugierig und sehr herzlich. Besonders gefreut hat uns das positive Echo aus der Bevölkerung: Viele lobten die gelungene Mischung aus historischer Authentizität und moderner Ausstattung. Das Schloss wurde mit offenen Armen erstmals in Besitz genommen, nachdem es bis dahin über Jahrhunderte kein Ort gewesen war, an welchem man gern und freiwillig die Zeit verbrachte. Das historische Schloss Aarwangen wurde nach umfassender Sanierung zum modernen Erlebnisort umgestaltet.

Wie sieht das Konzept konkret aus?

Das neue Schloss Aarwangen ist ein lebendiger Ort der Vermittlung, des Spiels und des Austauschs. Unser Konzept verbindet historische Inhalte mit interaktiven und digitalen Formaten, wobei ein besonderer Fokus auf regionalen Bezügen liegt. Ziel ist es, Geschichte für alle Generationen zugänglich und erfahrbar zu machen – niederschwellig, partizipativ und mit einem klaren Bezug zur Gegenwart.

«Die Verbindung von Alt und Neu ist deutlich spürbar – nicht nur architektonisch, sondern auch im Vermittlungsansatz.»

Können Sie kurz etwas über die Ausstellungen im ersten und im zweiten Stock sagen. Was erwartet das Publikum dort?

Im ersten Stock steht die Geschichte des Schlosses im Zentrum – insbesondere seine Rolle als bernischer Verwaltungssitz und Gericht. Den zweiten Schwerpunkt legen wir auf die Wirtschaftsgeschichte des Oberaargaus. Wir zeigen, wie sich Arbeitswelten über die Jahrhunderte verändert haben – von der Landvogtei bis zur modernen Industrie- und Dienstleistungsregion. Ein extra für das Schloss choreografierter Industrieroboter ist sicher das Highlight.

Ein spannendes und erlebnis-reiches Paradies erwartet die jüngsten Schlossbesucher unter dem grossen Walmdach. Wie sieht dieses «Kinderschloss» konkret aus?

Das «Kinderschloss» ist ein zauberhafter Erlebnisraum, der speziell für Kinder konzipiert wurde. Es gibt eine fantasievolle Rätseltour, kreative Spielstationen und viel Raum zum Entdecken und Ausprobieren. Hier können Kinder selbst aktiv werden, Geschichte spielerisch erleben und das Schloss auf ihre Weise erkunden.

Die Renovationsarbeiten waren sehr aufwendig und umfangreich. Wie lange haben sie gedauert und wie sieht das Resultat aus?

Die umfassende Sanierung und der Umbau dauerten von 2022 bis 2025. Entstanden ist ein offenes, barrierefreies Schloss mit moderner Infrastruktur, das seinen historischen Charakter bewahrt hat. Die Verbindung von Alt und Neu ist deutlich spürbar – nicht nur architektonisch, sondern auch im Vermittlungsansatz.

Worauf wurde bei den Renovationsarbeiten besonderen Wert gelegt?

Im Mittelpunkt stand die denkmalgerechte Instandsetzung des historischen Bauwerks. Gleichzeitig war es uns wichtig, das Schloss für die heutige Nutzung fit zu machen – sei es durch moderne Haustechnik, digitale Infrastruktur oder barrierefreie Zugänge. Besonders viel Sorgfalt floss in die Wiederherstellung der originalen Bauelemente, die nun in neuem Glanz erstrahlen. Das «neue» Schloss Aarwangen zeigt sich in einem freundlichen eleganten Stil.

Welche Bedeutung hat das Berner Schloss kulturhistorisch fĂĽr den Kanton Bern sowie die Schweiz?

Schloss Aarwangen ist ein zentraler Erinnerungsort für die Verwaltungsgeschichte des alten Berns, aber auch für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Oberaargaus. Es steht für die Verbindung von politischer Macht, regionaler Identität und historischer Kontinuität – und ist damit ein wertvoller Beitrag zum kulturellen Gedächtnis des Kantons Bern und der Schweiz.

«Das Schloss Aarwangen steht für die Verbindung von politischer Macht, regionaler Identität und historischer Kontinuität.»

Wieso muss man das Schloss Aarwangen unbedingt besuchen?

Weil es mehr als ein Museum ist: Das Schloss Aarwangen lädt dazu ein, Geschichte sinnlich und interaktiv zu erleben. Highlights wie die multimedialen Ausstellungen, thematische Escape-Rooms – wo sonst kann man aus historischen Gefängniszellen ausbrechen? –, ein VR-Spiel so-wie das «Kinderschloss» machen den Besuch zu einem vielschichtigen Erlebnis für alle Altersgruppen. Das Schloss ist ein Ort der Begegnung, der Bildung und der Inspiration.

Wie viele Besucherinnen und Besucher erwarten Sie in der ersten Saison?

Wir rechnen mit rund 12 000 Besucherinnen und Besuchern. Besonders freut uns die Vielfalt des Publikums – von Familien, Kafi-Gästen, Geschichtsinteressierten bis hin zu Kulturliebhabern und im kommenden Schuljahr Schulklassen.

«Das Kinderschloss ist ein zauberhafter Erlebnisraum.»

Schloss Aarwangen soll auch ein Begegnungsort fĂĽr die Menschen aus der Region sein. Welche Idee steckt dahinter?

Wir verstehen das Schloss als offenen Ort für Austausch und Teilhabe. Es soll nicht nur besucht, sondern auch genutzt werden – für Veranstaltungen, Bildungsangebote, kulturelle Initiativen oder private Anlässe. Damit schaffen wir einen Raum, in dem regionale Identität gelebt und weiterentwickelt werden kann.

Welche besonderen Events sind zurzeit geplant und wie sehen die Pläne für nächstes Jahr aus?

Das Programm für die erste Saison wird demnächst veröffentlicht. Geplant sind unter anderem Themenführungen, Lesungen, kleinere Konzerte, Workshops, kulturelle Abende und spezielle Angebote für Schulen und Familien.

Was wĂĽnschen Sie sich fĂĽr das Schloss Aarwangen?

Ich wünsche mir, dass das Schloss ein Ort wird, der Menschen begeistert, inspiriert und verbindet. Ein Haus, das mit der Region lebt und in der Vergangenheit und der Zukunft in einen fruchtbaren Dialog tritt. Und ich wünsche mir, dass viele Menschen – ob aus Aarwangen oder von weiter her – diesen Ort als «ihr» Schloss erleben und in guter Erinnerung behalten.

Interview: Corinne Remund

www.schloss-aarwangen.ch

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