Publiziert am: 23.01.2026

Qualität des Berufsstandes sichern

SCHWEIZER FACHVERBAND FÜR KOSMETIK – Kosmetikerin ist für viele junge Frauen immer noch ein Traumberuf.Doch in der Schweiz kann jeder ein Kosmetikinstitut eröffnen, ohne eine eidgenössisch anerkannte Ausbildung vorweisen zu müssen. Das führt dazu, dass Absolventen der dualen Berufsbildung in der Minderheit sind.

Eine gut ausgebildete Kosmetikerin mit einem eidgenössischen Abschluss bietet meist ein breites Spektrum an Behandlungen an. Dieses geht von einer fundierten Hautanalyse über spezielle Behandlungen von Hautproblemen wie beispielsweise Akne bis zu Anti-Aging-Behandlungen. Neben der klassischen Gesichtsbehandlung und Make-up werden Augenbrauen- und Wimpernstyling sowie Haarentfernung an Körper und Gesicht, Bodyforming oder Cellulite-Behandlungen angeboten. Ein breites Angebot an Gesichts- und Körpermassagen gehört neben Lymphdrainage auch oft dazu. Maniküre und Fusspflege sowie eine fundierte Produkteberatung und Pflegeanleitung für zu Hause sind ebenfalls im Angebot. Die Kosmetikbranche ist allerdings sehr heterogen, da es praktisch keine Auflagen zur Berufsausübung gibt. «Absolventen der dualen Berufsbildung sind in der Minderheit», sagt Nicole Schmid, Geschäftsführerin des Schweizer Fachverbandes für Kosmetik SFK. Die Reglementierung gemäss V-NISSG hat zu einer weiteren Verzerrung beigetragen. «Das Angebot ist diversifiziert und der Markt wird durch einen signifikanten Unterschied in der Ausbildungsqualität der Kosmetiker/-innen geprägt», so Schmid. Die Branche leidet unter einer hohen Zahl von Quereinsteigern ohne formelle eidgenössische Grundausbildung. «Viele Personen steigen über kurze, oft private Kurse oder Schulungen in bestimmte Bereiche wie beispielsweise Wimpern-Extension, Naildesign oder apparative Kosmetik ein», stellt Schmid fest. Dieser Umstand führt zu einem Qualitätsgefälle. «Während die EFZ-/FA-/HFP-Kosmetikerinnen umfassende Kenntnisse in Anatomie, Dermatologie, Hygiene etc. besitzen, verfügen Quereinsteiger oft nur über punk-tuelles und unzureichendes Fachwissen», konkretisiert sie.

«Absolventen der dualen Berufs-bildung sind in der Minderheit.»

Der Schweizer Fachverband für Kosmetik SFK setzt sich für die Qualität in der Branche ein: «Es geht hier auch um das Image der Branche, das durch nicht qualifizierte Anbieter Schaden nimmt. Wir setzen uns dafür ein, dass die kantonalen Regulierungen qualifikationsabhängig festgelegt werden und nicht pauschal für die gesamte Branche gelten.» Kantonale Regelungen für kosmetische Behandlungen ohne Anerkennung qualifikationsbasierter Abstufungen konterkariert das duale Bildungssystem. «Dies stellt für qualifizierte Berufsleute mit eidgenössischen Abschlüssen eine ungerechtfertigte Einschränkung der Berufsausübung dar und stellt die Sinnhaftigkeit eidgenössischer Aus- und Weiterbildungen als Ganzes in Frage.» Neben diesem Aspekt steht der Konsumentenschutz im Fokus, da es sich bei den meisten Behandlungen um Eingriffe am grössten Organ des Menschen, der Haut, handelt, benötigt es dringend eine Abgrenzung durch Qualifikation.

Ein grosses Thema in der Branche ist auch das Botoxspritzen. Aber auch hier gelten strikte Richtlinien. «Kosmetiker/-innen dürfen in der Schweiz kein Botox spritzen. Dafür gibt es klare rechtliche und medizinische Gründe», erklärt Schmid. Präparate mit Botulinumtoxin (wie Botox) sind als verschärft verschreibungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Die Anwendung (Injektionen) dieser Arzneimittel darf in der Schweiz ausschliesslich von Ärzten/-innen mit Berufsausübungsbewilligung vorgenommen werden. «Wir unterstützen die Abgrenzung zwischen Medizin und Kosmetik für solche Behandlungen.»

Grund- und höhere Berufsbildung fördern

Die Aus- und Weiterbildung ist eine Kernkompetenz des SFK. Er ist Trägermitglied der Grundbildung sowie des Fachausweises und der Höheren Fachprüfung HFP im Bereich Kosmetik. «Unser Verband ist an der Gestaltung und Durchführung der Lehrgänge beziehungsweise der überbetrieblichen Kurse (üK) beteiligt», so Schmid. Zudem fungiert der SFK als Organisation der Arbeitswelt (OdA) für die Lernenden in der Deutschschweiz. «Wir fördern und gestalten die höhere Berufsbildung, unter anderem durch das Angebot des Lehrganges zur Berufsprüfung (Fachausweis).» Zudem stellt er ein vielfältiges Kursangebot in berufsrelevanten Bereichen bereit, um das Prinzip des lebenslangen Lernens zu unterstützen. Der SFK ist Anbieter des Berufsbildnerkurses für angehende Bildungsverantwortliche in den Betrieben. «Nebst den Lehrgängen, die zu einem eidgenössischen Abschluss führen, bieten wir auch nonformale Weiterbildung an», sagt Schmid und ergänzt: «Seit neuestem bieten wir einen qualitativ hochstehenden und an die aktuelle Bildungsverordnung angelehnten Quereinsteigerkurs in die Kosmetik an. Das Ziel ist es, eine gute Basis für die Nachholbildung für die Quereinsteiger/-innen, die einen qualifizierten Abschluss anstreben, zu schaffen.» Auch bietet der innovative Verband branchenrelevante Weiterbildungen wie Make-up-, Massage-, Nadelepilations-, Lash & Brow-Styling-Kurse an. Ebenso befinden sich Kurse zur Zusatzqualifikation zur onkologischen Kosmetikerin im SFK-Weiterbildungsangebot. Zudem ist der SFK Prüfungsstelle für diverse Sachkundenachweise (V-NISSG).

In der Deutschschweiz werden 50 Absolventinnen am Qualifikationsverfahren 2026 teilnehmen. Kosmetikerin ist für viele junge Frauen immer noch ein Traumberuf. «In der Kosmetikbranche beobachten wir aktuell eine zunehmende Zurückhaltung bei Lehrbetrieben, neue Fachkräfte auszubilden. Denn in der Schweiz kann jeder ein Kosmetikinstitut eröffnen, ohne eine eidgenössisch anerkannte Ausbildung vorweisen zu müssen», bedauert Schmid. Der boomende und unregulierte Markt führt zu einem starken Preisdruck, der die Margen der seriösen Institute verkleinert und die Finanzierung von Lehrstellen erschwert. «Obwohl Lernende gesamthaft betrachtet einen Nutzen für den Betrieb bringen, ist die Anfangsinvestition – Einarbeitung, Betreuung – in Kleinstbetrieben prozentual höher und das Risiko bei einem Lehrabbruch oder einer Abwanderung nach dem Abschluss schwerer zu verkraften.» Der Verband engagiert sich sehr in der Rekrutierung des Nachwuchses. Dazu Schmid: «Wir sind seit Jahren an den SwissSkills mit dem Beruf Kosmetiker/-in EFZ vertreten. Auch bieten wir den Lehrbetrieben auf unserer Website kostenlose Insertionen von Lehrstellenplätzen an.» Der SFK bietet in Zusammenarbeit mit der Organisation ‹Nationaler Zukunftstag› Schülern die Möglichkeit, im üK-Zentrum praxisnahe Einblicke in den Beruf Kosmetiker/-in EFZ zu erlangen.»

Faire Rahmenbedingungen für qualifizierte Fachpersonen

Der Schweizer Fachverband für Kosmetik ist auch auf der politischen Ebene aktiv: «Wir engagieren uns politisch vor allem, um Qualität, Anerkennung und Schutz des Berufsstandes zu sichern.» Da die Kosmetikbranche in der Schweiz im Vergleich zu anderen Berufen wenig reguliert ist (Gewerbefreiheit), sind die Anstrengungen des SFK darauf ausgerichtet, als Organisation der Arbeitswelt politisch Einfluss nehmen zu können, um höhere Standards oder Regulierungen zur Stärkung der dualen Bildung zu erlangen. Zurzeit arbeitet der SFK daran, das berufliche Ansehen der Kosmetiker/-in EFZ in der Öffentlichkeit und gegenüber den Behörden zu steigern und faire Rahmenbedingungen für qualifizierte Fachpersonen zu schaffen.

«Der boomende und unregulierte Markt führt zu einem starken Preisdruck, der die Margen der seriösen Institute verkleinert.»

Von höchster Relevanz sind die EU-Regulierungen für die Schweizer Kosmetikbranche. Obwohl die Schweiz kein EU-Mitglied ist und ihre eigenen Gesetzgebungen besitzt – hauptsächlich die Verordnung des EDI über kosmetische Mittel (VKos) –, orientiert sich diese eng an der EU-Verordnung 1223/2009. «Das bedeutet, dass stoffliche Verbote und Beschränkungen, die in der EU in Kraft treten, in der Regel automatisch oder mit sehr kurzen Verzögerungen auch in der Schweiz gelten», erklärt Schmid. Eine direkte Folge einer EU-Verordnung ist beispielsweise das Verbot von Trimethylbenzoyl Diphenylphosphine Oxide, sogenannten TPO in kosmetischen Mitteln. TPO befindet sich vorwiegend in UV-härtenden Nagelgelen und Gel-Lacken, kann aber auch in anderen Produkten vorkommen, die in der Kosmetikbranche verwendet werden.

Immer weniger qualifizierte Betriebe

Das Zukunftspotenzial hängt vom Fokus auf die Branche ab. «In den letzten Jahren konnte man einen grossen Zuwachs an Betrieben in der Branche feststellen. Dieser ist jedoch vorwiegend durch gering qualifiziertes Personal entstanden», bedauert Schmid. «Was die duale Berufsbildung angeht, kommt es darauf an, ob wir das Blatt noch wenden und Regulierungen durchsetzen können, die es ermöglichen, diesen Beruf weiterhin in der dualen Bildung anzubieten.» Da es keine Regulierungen gibt, die eine Voraussetzung zur Eröffnung von Kosmetikinstituten vorsieht, gibt es immer weniger Betriebe, die qualifiziert sind, auszubilden.Corinne Remund

www.sfkinfo.ch

DAS MACHT DER SCHWEIZER FACHVERBAND Für Kosmetik SFK

Zentraler Akteur der Kosmetikbranche

Der Schweizer Fachverband für Kosmetik SFK ist der grösste Berufsverband, der sich für den Beruf der Kosmetikerin engagiert. Entstanden ist der Fachverband in seiner jetzigen Form im Januar 2000 durch eine Fusion des 1943 gegründeten FSK und des seit 1958 bestehenden SVK. Ein zentrales Anliegen ist die kontinuierliche Qualitätssicherung der Berufsbildung und die Stärkung des Berufs Kosmetiker/-in EFZ/FA/HFP. Zudem bietet der Verband seinen Mitgliedern eine Reihe von Leistungen und Vorteilen, um sie in ihrer Berufsausübung zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem Angebote wie eine branchenspezifische AHV- und Pensionskassen-Lösung, verschiedene Versicherungsangebote, Benefits und eine jährliche kostenlose Rechtsauskunft. Zusammengefasst ist der SFK der zentrale Akteur, der sich für die fachliche Kompetenz, die Anerkennung und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Kosmetikberufs in der Schweiz einsetzt.

Qualitätssicherung und Ausbildung

Heute betreut der SFK rund 1000 Mitglieder. Die stärkste Mitgliedergruppe sind Kosmetiker/-innen, die selbstständig tätig sind. Darunter befinden sich auch Lehrbetriebe. Die meisten Institute sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden. Der SFK bietet zudem auch Kategorien von Mitgliedschaften für Unternehmen an, die eng mit der Branche verbunden sind. 2023 arbeiteten ca. 14 269 Personen in der Branche. Der Organisationsgrad ist eher moderat. Obwohl nur ein kleiner Teil der Kosmetikerinnen Mitglied beim SFK ist, hat der Verband eine zentrale und unverzichtbare Rolle bei der Qualitätssicherung, der Ausbildung und der politischen Vertretung des Berufsbildes auf nationaler Ebene. Der gesamte Schweizer Konsumentenmarkt für Kosmetika lag 2024 gemäss den Angaben des Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverbands (SKW) bei ca. 2 Milliarden Franken. Davon ist der Marktanteil von Gesichtspflegeprodukten bei 18 Prozent, von Körperpflege bei 15,6 Prozent und von dekorativer Kosmetik bei 14 Prozent. CR

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