Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur muss Bedürfnisse der KMU berücksichtigen
Zuwanderung – Gewinn oder Verlust?
Die Zuwanderung ist seit Jahren ein beherrschendes Thema in der politischen Diskussion. Begriffe wie «Dichtestress» oder «Füllungskosten» sind längst keine abstrakten Formulierungen mehr, sondern Ausdruck eines real empfundenen Problems: Überlastete Infrastrukturen, steigende Wohnkosten und wachsender Druck auf Boden und Umwelt lassen sich nicht länger ignorieren. Dem gegenüber steht das Argument der Wirtschaft: Wer den Wohlstand sichern wolle, müsse die Zuwanderung in Kauf nehmen. Migration als Garant für Wachstum – so lautet das ökonomische Narrativ. Doch ist diese Erzählung belastbar?
Der US-amerikanische Ökonom George J. Borjas, Professor an der Harvard Kennedy School und einer der renommiertesten Migrationsforscher seiner Zeit, stellt diese Frage in seinem einflussreichen Papier «Immigration and Economic Growth» in den Mittelpunkt. Aufbauend auf dem klassischen Wachstumsmodell von Robert Solow untersucht er die makroökonomischen Folgen unterschiedlicher Migrationsmuster – und kommt zu ernüchternden Ergebnissen.
Ein einmaliger Zustrom an Arbeitskräften kann das Bruttoinlandsprodukt erhöhen – das steht ausser Frage. Doch für den eigentlichen Wohlstandsindikator, das Pro-Kopf-Einkommen, gilt etwas anderes: Langfristig kehrt die Wirtschaft auf ihren ursprünglichen Wachstumspfad zurück. Noch kritischer wird es bei kontinuierlicher Zuwanderung. Reicht das Humankapital der Einwanderer nicht aus, um das Kapital pro Kopf aufrechtzuerhalten, gerät das Pro-Kopf-Einkommen unter Druck.
Borjas’ zentrales Argument betrifft den sogenannten «Skill-Mix» der Zuwanderung. Entscheidend für die ökonomischen Wirkungen ist nicht das Volumen, sondern die Qualifikation der Migranten. Hochqualifizierte Zuwanderung wirkt innovationsfördernd, stärkt die Produktivität und trägt zur langfristigen Wohlstandsmehrung bei. Gering qualifizierte Migration hingegen kann zwar kurzfristige Engpässe auf dem Arbeitsmarkt lindern, birgt jedoch erhebliche Verteilungswirkungen: insbesondere zu Lasten von wenig qualifizierten Einheimischen, die durch zunehmenden Lohndruck unter Druck geraten.
Empirisch bleibt das Bild heterogen. Borjas verweist auf zahlreiche Studien mit abweichenden Ergebnissen – von positiven bis leicht negativen Effekten. Gleichwohl zeichnet sich in der Literatur ein gewisser Konsens ab: Eine selektiv ausgerichtete, qualifikationsorientierte Migrationspolitik erweist sich gesamtwirtschaftlich als deutlich vorteilhafter als eine ungesteuerte Zuwanderung, in der allein Unternehmen darüber entscheiden, wer als (billige) Arbeitskraft kommen darf.
Borjas plädiert nicht für Abschottung. Vielmehr fordert er eine nüchterne, evidenzbasierte Betrachtung der wirtschaftlichen Auswirkungen von Arbeitsmigration. Seine Analyse legt nahe, dass eine wirksame Steuerung notwendig ist – auch, weil weder der Arbeitsmarkt noch die Wirtschaft die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Migration, siehe oben, internalisieren. Ein System wie der freie Personenverkehr vermag diese Steuerungsfunktion nicht zu leisten. Will die Schweiz ihren Wohlstand sichern, wird sie nicht umhinkommen, Migrationspolitik differenziert und zielgerichtet zu gestalten. Zuwanderung nützt – aber nur unter bestimmten Bedingungen.
* Prof. Dr. Christoph Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP), Universität Luzern
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