Publiziert am: 27.02.2026

Engagement untersteht klaren Regeln

WIEDERAUFBAU DER UKRAINE – Welche Formen des Engagements von Schweizer KMU sind möglich – und welche Nachweise braucht es, damit eine Projektidee seriös geprüft werden kann?

Der Wiederaufbau der Ukraine ist als mehrjähriger Prozess angelegt. Für Schweizer KMU stellt sich daher weniger die Frage nach einzelnen Schlagzeilen, sondern nach einem belastbaren Vorgehen: Welche Formen des Engagements sind grundsätzlich möglich – und welche Nachweise braucht es, damit eine Projektidee überhaupt seriös geprüft werden kann?

Drei Pfade des Engagements

Ein erster Schritt ist die saubere Unterscheidung zwischen drei Engagement-Pfaden:

1. Export- und Liefergeschäfte,2. projektbasierte Beteiligung über öffentlich finanzierte Programme und

3. Investitionen bzw. Marktaufbau mit lokaler Präsenz.

Je nach Pfad unterscheiden sich Risikoarchitektur, Verfahren und die Anforderungen an die Dokumentation.

Beim klassischen Export steht typischerweise die Frage der Absicherung im Vordergrund. Hier ist die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) ein zentrales Instrument: Sie ermöglicht – je nach Fall und Deckungsbedingungen – den Transfer definierter wirtschaftlicher und politischer Risiken und ist keine Zuschuss-Förderung.

Projektbasierte Programme funktionieren anders. Sie sind in der Regel kompetitiv, kriteriengebunden und an formelle Verfahren geknüpft. Entscheidend ist nicht ein allgemeines Interesse, sondern die Prüfbarkeit eines Dossiers: Rollenmodell, Umsetzungskapazität, Nachweise zur lokalen Verankerung sowie eine klare Projektlogik (Leistungsbild, Zeitplan, Risiken, Finanzierung).

Für die Ukraine-Seite ist dabei Transparenz über Bedarf und Status zentral. Das digitale System DREAM dient als Überblick über öffentliche Investitionsvorhaben und macht – entlang des Projektlebenszyklus – Zuständigkeiten und Status sichtbar.

Bei staatlich geprägten Programmen gelten zudem internationale Leitplanken. In einfachen Worten: Unterstützung darf nicht als export- oder lokalwertschöpfungsgebundene Begünstigung ausgestaltet sein. Darum werden Instrumente häufig über transparente Programmlogik, definierte Kriterien und nachvollziehbaren öffentlichen Nutzen umgesetzt – nicht als pauschale Exportsubvention.

Zweiphasige Architektur

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO beschreibt in seinen Unterlagen eine zweiphasige Architektur der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Privatsektor: In Phase 1 werden Projekte im bestehenden Rahmen mit Unternehmen umgesetzt, die bereits in der Ukraine aktiv sind. Für eine Phase 2 ist eine systematischere Zusammenarbeit vorgesehen, ausdrücklich einschliesslich Unternehmen ohne bisherige Ukraine-Aktivität; Details werden von den zuständigen Stellen kommuniziert.

Von Idee zum prĂĽfbaren Dossier

Für KMU ergibt sich daraus folgende Schlussfolgerung: Seriöse Vorbereitung bedeutet, Zuständigkeiten, Projektstatus und Nachweise früh zu klären, damit aus einer Idee ein prüfbares Dossier wird. Der Austausch mit dem Ukrainisch-Schweizerischen Wirtschaftsverband (USBA) kann dabei helfen, erste Fragen entlang der relevanten Instrumente und Verfahren zu strukturieren.

Enrique Georg Zbinden,KMU-Koordinator Schweiz–Ukraine,Ukrainisch-Schweizerischer Wirtschaftsverband (USBA)

ukraine-swiss.ch

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