Die Mehrwertsteuer: Sie gilt derzeit als goldene Gans für alles und jeden. Für die AHV 21, für die 13. AHV-Rente, für die Finanzierung der Armee ... Die goldene Gans Mehrwertsteuer mutiert gerade zur eierlegenden Wollmilchsau. Die vorgeschlagene Belastung der wirtschaftlichen Nachfrage durch eine stark erhöhte Mehrwertsteuer führt jedoch zu kolossalen Kosten, die – einmal mehr – ignoriert werden.
Druck auf Löhne und Stellen
Dies gilt nicht nur für die Schweiz. Eine aktuelle Studie der Freien Universität Berlin für 27 europäische Länder zeigt, dass eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes um einen Prozentpunkt zu einem Rückgang der durchschnittlichen Nominallöhne um 2,8 Prozent führt, da die Umsätze und Gewinne der Unternehmen sinken. Die Beschäftigung geht um 1,4 Prozent zurück, während die Arbeitsproduktivität um 1,2 Prozent sinkt. Junge Arbeitnehmer im Alter von15 bis 24 Jahren sind am heftigsten betroffen, ebenso die KMU. Sie bekommen die stärksten Auswirkungen zu spüren.
Weniger BĂĽrokratie? Von wegen ...
Zur Erinnerung: Die Behörden haben wiederholt versucht, die Mehrwertsteuer einzuführen. Die Entwürfe von 1977, 1979 und 1991 wurden vom Volk und den Kantonen abgelehnt. Schliesslich wurde sie bei der Volksabstimmung vom 28. November 1993 angenommen und 1995 mit einem Satz von 6,5 Prozent (reduziert um 2 Prozent) eingeführt, wodurch die Warenumsatzsteuer (WUSt) ersetzt wurde.
Was die WUSt unter dem Vorwand der Verwaltungsvereinfachung ersetzen sollte, ist heute nichts weniger als ein bürokratisches Monster, das, wie bereits erwähnt, nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleibt. Die Mehrwertsteuer ist zu einem Hebel geworden, um immer mehr Abgaben zur Finanzierung neuer Staatsausgaben zu rechtfertigen.
Aber das ist noch nicht alles: Durch die zunehmende Komplexität hat sich das Instrument auch zu einer Art versteckter Industriepolitik entwickelt; zu einem Mittel, um bestimmte Sektoren durch Ausnahmen oder Erleichterungen zu begünstigen. Paradoxerweise ist der Saldosteuersatz, der vielen KMU das Leben erleichtert, eine Art Rückkehr zur Umsatzsteuer. Man fragt sich, woher die administrative Vereinfachung der Mehrwertsteuer kommen sollte. Wie dem auch sei, der sgv hat sich regelmässig für einen einfachen Einheitssteuersatz für alle ausgesprochen. Vergeblich!
Die Kleinen leiden am stärksten
Der Staat sieht in der Mehrwertsteuer das ideale Instrument: Kaum sichtbar in den Preisen, trifft sie alle Bürger ohne erkennbaren Widerstand. Das Ergebnis? Die Mehrwertsteuer machte im Jahr 2025 31,4 Prozent der Bundeseinnahmen aus, was 27,6 Milliarden Franken entspricht. Einmal mehr tragen laut der Studie der Freien Universität Berlin die kleinsten Unternehmen überproportional die Last der Mehrwertsteuererhöhungen. Sie, die schon heute unter der Überregulierung durch die Bürokraten zu ersticken drohen. Wie der französische Ökonom Frédéric Bastiat schrieb: «Der Staat, das ist diese grosse Fiktion, dank der jeder versucht, auf Kosten aller anderen zu leben.» Der sgv fordert von den politischen Entscheidungsträgern, die negativen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhungen besser zu berücksichtigen. Man kann sich das Leben auch zu einfach machen.
Mikael Huber, Ressortleiter sgv