Publiziert am: 27.02.2026

Lebensqualität und Integration

HÖRSYSTEMAKUSTIK SCHWEIZ – Die Branchenplattform für gutes Hören sorgt dafür, dass Menschen mit Hörverlust auch in Zukunft gut hören und verstehen. Sie fördert die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte und setzt sich auf politischer Ebene für die Fortführung des liberalisierten und erfolgreichen Systems der Hörsystemversorgung ein.

Der Welttag des Hörens findet jährlich am 3. März statt, initiiert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er zielt darauf ab, weltweit das Bewusstsein für die Prävention von Hörverlust, die Bedeutung eines guten Gehörs und die Notwendigkeit regelmässiger Hörtests zu schärfen. Dieses Jahr steht er unter dem Motto «Klingt nach Leben! Das Leben mit allen Sinnen geniessen – heute und in Zukunft!». Der Tag unterstreicht die zentrale Bedeutung guten Hörens für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe – ein Kernanliegen von Hörsystemakustik Schweiz. «Hörminderungen betreffen in der Schweiz Hunderttausende – ein erheblicher Teil davon ist noch nicht professionell versorgt, was nicht nur individuelle Einschränkungen, sondern auch wirtschaftliche Folgen hat», sagt Jürg Depierraz, Geschäftsführer Hörsystemakustik Schweiz. «Professionelle Hörsystemversorgung kann diese Auswirkungen erheblich reduzieren und trägt dazu bei, Alltagskompetenz, soziale Integration und die Gesundheit zu fördern.» In der Schweiz werden pro Jahr zwischen 80 000 und 100 000 Hörsysteme verkauft. Landesweit gibt es über 500 Hörsystemakustik-Fachgeschäfte – ihre Anzahl ist seit Jahren weitgehend konstant.

«Hörminderungen betreffen in der Schweiz Hunderttausende – ein Teil davon ist noch nicht professionell versorgt.»

Laut dem World Report on Hearing der WHO vom März 2021 leben weltweit rund 1,5 Milliarden Menschen mit einem Hörverlust, der ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Die WHO geht davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,5 Milliarden Menschen ansteigen wird. «Hörsysteme steigern die Lebensqualität, indem sie Isolation, Missverständnisse und den Stress des angestrengten Zuhörens reduzieren», weiss Depierraz. Eine frühzeitige Versorgung erleichtert die Gewöhnung, hält das Gehirn aktiv und verbessert Konzentration sowie Sprachverständnis. Auch bei fortgeschrittener Schwerhörigkeit ermöglichen moderne Hörsysteme in Kombination mit gezieltem Hörtraining deutliche Verbesserungen. Zusätzliches Zubehör kann den Alltag weiter erleichtern und dazu beitragen, möglichen Spätfolgen wie kognitivem Abbau, sozialer Isolation, Depression oder Demenz vorzubeugen.

Technologie auf hohem Level

Die Hörgeräteversorgung ist in der Schweiz klar geregelt: Hörsystemversorgungen werden über feste Pauschalen durch die AHV oder IV vergütet. Im Bereich der Unfall- und Militärversicherung – dies betrifft lediglich drei bis fünf Prozent aller Fälle – gilt weiterhin ein Tarifvertrag. «Kundinnen und Kunden erhalten einen fixen Pauschalbetrag, unabhängig von den effektiven Kosten der Hörsystemversorgung. Im Rahmen der AHV beträgt die Pauschale 630 Franken für ein Hörgerät und 1237.50 Franken für zwei Hörgeräte», so Depierraz. Bei der IV beläuft sich die Pauschale auf 840 Franken für eine monaurale Versorgung und 1650 Franken für eine binaurale Versorgung. Die Digitalisierung der Hörsysteme ist heute Standard und hat wesentlich zur Entstigmatisierung beigetragen. Dazu Depierraz: «Modernste Systeme sind kleiner und deutlich leistungsfähiger geworden. Durch die Digitalisierung hat sich die Zufriedenheit der Betroffenen entscheidend verbessert.» Mit den heutigen Geräten sind individuelle, bedürfnisgerechte Anpassungen möglich. Das persönliche Hören und Empfinden kann dank präziser Programmierungen wesentlich besser berücksichtigt werden. Der nächste Technologieschritt ist bereits in vollem Gange: Der Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglicht es Hörsystemen, sich in akustisch anspruchsvollen Situationen noch schneller anzupassen und aus diesen zu lernen. «Dies ist ein weiterer entscheidender Schritt, um das Hören und vor allem das Verstehen für Menschen mit Hörverlust weiter zu verbessern und den Tragekomfort zusätzlich zu erhöhen», so Depierraz.

Hochqualifizierte Fachkräfte

von morgen

Die Kernkompetenz des engagierten Verbandes liegt in der Aus- und Weiterbildung. Seit 2016 kann der Beruf Hörsystemakustiker/in EFZ erlernt werden. «Es handelt sich dabei um eine dreijährige berufliche Grundbildung. Die Lernenden besuchen die Berufsfachschule im ersten Lehrjahr an zwei Tagen pro Woche, im zweiten und dritten Lehrjahr jeweils an einem Tag», erklärt Depierraz.

«Modernste Hörsysteme sind kleiner und deutlich leistungsfähiger geworden.»

Bestehen die Absolventinnen und Absolventen nach drei Jahren das Qualifikationsverfahren (QV), erhalten sie das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Hörsystemakustiker/in. Damit sind sie den Hörakustik-Gesellinnen und -Gesellen in Deutschland und Österreich gleichgestellt. «Wir waren massgeblich an der Einführung dieser beruflichen Grundbildung beteiligt.»

Zudem wurde vor vier Jahren die Berufsprüfung im Bereich der höheren Berufsbildung an die aktuellen Anforderungen angepasst. Für EFZ-Absolventinnen und -Absolventen bietet sich als nächster Schritt die Berufsprüfung zum Hörsystemspezialisten bzw. zur Hörsystemspezialistin an. Diese Weiterbildung ist mit der deutschen Meisterausbildung vergleichbar. Dies zeigt sich auch in der Einstufung im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR): Der Hörsystemspezialist bzw. die Hörsystemspezialistin mit eidgenössischem Fachausweis ist auf Stufe 6 angesiedelt – derselben Stufe wie die Meistertitel in Deutschland und Österreich. «Jährlich absolvieren rund 20 Lernende in der Deutschschweiz und der Romandie ihre Ausbildung sowie etwa 15 Fachpersonen die Berufsprüfung», freut sich der Geschäftsführer. Bei den Lehrbetrieben besteht weiterhin Potenzial: «Könnten wir zusätzliche Betriebe für die Ausbildung gewinnen, würde sich dies direkt in steigenden Lernendenzahlen widerspiegeln. Die Grundbildung ist ausgesprochen vielseitig und verbindet Kommunikation und Verkauf, Technik sowie soziale Kompetenzen.»

Engagiert auf politischer Ebene

Seit 2011 verfügt die Schweiz europaweit über den am stärksten liberalisierten Markt für Hörsysteme und Hörsystemversorgungen. Kundinnen und Kunden können frei entscheiden, wo und wie sie ein Hörsystem erwerben und anpassen lassen. Die Qualität der Hörsystemversorgungen in der Schweiz ist entsprechend hoch. Dies ist einerseits auf das hohe Ausbildungsniveau der hervorragend qualifizierten Fachkräfte zurückzuführen, andererseits auf das 2011 eingeführte Pauschalsystem, das zu einem echten Empowerment der Betroffenen geführt hat. Auf politischer Ebene setzt sich der Verband dafür ein, dass dieses liberalisierte und erfolgreiche System fortgeführt wird. Gleichzeitig engagiert er sich gegen rein formalistische Rahmenbedingungen, die in der Praxis keinen Mehrwert schaffen. Ein aktuelles Beispiel ist die vom Bundesamt für Metrologie (METAS) angestrebte Verschärfung der Audiometrieverordnung.

Die Versorgung mit und Anpassung von Hörsystemen ist eine sehr persönliche Angelegenheit. «Kundinnen und Kunden möchten in der Regel von der Hörsystemakustikerin oder dem Hörsystemakustiker ihres Vertrauens betreut werden.» Dies setzt Online-Käufen natürliche Grenzen; die Nachfrage ist entsprechend gering. Gleichzeitig werden die Entwicklungen der kommenden Jahre – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie im Hinblick auf ein verändertes Konsumverhalten künftiger Zielgruppen – Einfluss nehmen und das Feld voraussichtlich erweitern.

Die demografische Entwicklung unterstreicht das Zukunftspotenzial der Branche: Schweizerinnen und Schweizer möchten und sollen bis ins hohe Alter aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben – dazu ist gutes Hören und Verstehen unerlässlich. Die Nachfrage nach qualifizierter Hörsystemakustik wird daher auch künftig hoch bleiben.

Corinne Remund

www.hörsystemakustik.ch

Hörsystemakustik SchweizVernetzt, kompetent, zukunftsorientiertAus- und Weiterbildung als Kernkompetenz

Stark vernetzt für mehr Hörqualität

Vor rund 30 Jahren spalteten sich die grösseren Retailgeschäfte der Hörsystemakustik vom damaligen Branchenverband ab, da insbesondere die Mitsprachemöglichkeiten und die Dynamik mit den Marktentwicklungen nicht mehr Schritt halten konnten. Nach zwei Namenswechseln entstand daraus die heutige Branchenplattform Hörsystemakustik Schweiz.

Heute vereint Hörsystemakustik Schweiz weit über 300 Fachgeschäfte für Hörsystemakustik – darunter nahezu alle Filialisten der Branche – aus sämtlichen Sprachregionen der Schweiz. Rund zwei Drittel des Marktes sind in der Branchenplattform organisiert. Entsprechend versteht sie sich als wichtigstes Sprachrohr der Branche.

Vernetzt, kompetent, zukunftsorientiert

Der Verband mit Sitz in Bern positioniert sich als zentrale Anlaufstelle für Hörsystemakustikerinnen und Hörsystemakustiker sowie deren Betriebe. Er betreibt das Informationszentrum für gutes Hören unter www.hörqualität.ch. Präsident der Branchenplattform ist Christian Rutishauser (Amplifon AG, Baar), der seit mehreren Jahren auch Mitglied der Schweizerischen Gewerbekammer ist. Hörsystemakustik Schweiz führt zudem das Sekretariat der Parlamentarischen Gruppe «Gutes Hören». Deren Präsident ist Thomas de Courten (SVP, BL). Darüber hinaus stellt die Branchenplattform die Präsidentin des Bildungsvereins der Branche, des Vereins Bildung Hörsystemakustik VBHA (www.vbha.ch). Sie ist ausserdem Besitzerin der einzigen Schule für Hörsystemakustik in der Schweiz, der akademie hörenschweiz ahs (www.ahs.ch).

Aus- und Weiterbildung als Kernkompetenz

In einem dynamischen Marktumfeld, das von technologischen Innovationen, demografischem Wandel und hohen Erwartungen an die Dienstleistungsqualität geprägt ist, unterstützt Hörsystemakustik Schweiz ihre Mitglieder umfassend. Der Verband setzt sich für eine kontinuierliche und qualitativ hochstehende Aus- und Weiterbildung aller in der Branche tätigen Fachpersonen ein – ganz nach dem Motto «Beste Dienstleistungsqualität für mehr Hörqualität». Zudem verfügt Hörsystemakustik Schweiz über ein ausgezeichnetes Netzwerk zu anderen Verbänden, Organisationen sowie zu Behörden und politischen Entscheidungsträgern. CR

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