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Pelz – zwischen Politik und Emotionen
SWISSFUR – Der Pelz-Fachverband setzt Massstäbe in Transparenz und Qualität. Mit FURMARK und der Förderung einheimischer Rotfuchsfelle zeigt er, dass Naturpelzprodukte möglich sind, die höchste Tierschutz- und Umweltstandards erfüllen. Angesichts der Pelzinitiative und des indirekten Gegenvorschlags engagiert sich die Branche dafür, Politik und Öffentlichkeit sachlich zu informieren.
In der Branche der Pelzfachgeschäfte weht seit langer Zeit ein eisiger Wind. «Unsere Branche steht seit Jahren unter dem Druck von Tierschützern, die einen Feldzug gegen das Naturprodukt Pelz führen», sagt René Sigrist, Verbandsmitglied von SwissFur. Diese Entwicklung ist an der Branche nicht spurlos vorbeigegangen – entsprechend rückläufig ist der Absatz von Pelzprodukten. Die Ansprüche an den Pelzhandel sind und bleiben hoch. Verbraucher erwarten, dass sich die Pelzbranche verantwortungsvoll verhält und hohe Tierschutzstandards beachtet. «Wir stellen uns den sich verändernden Anforderungen der Kundinnen und Kunden und haben die neusten Tierschutzstandards stets eingehalten», betont Sigrist. Als Branchenverband eines Landes, das Pelz importiert, hat sich SwissFur immer verantwortungsvoll verhalten. Eine verbandsinterne Deklaration wurde von SwissFur bereits im Jahre 1996 für alle Fachgeschäfte als verbindlich erklärt und vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV 2013 mit wenigen Änderungen übernommen. Die Mitarbeiter des BLV wurden durch Fachleute von SwissFur in Fell- und Materialkunde aus- und weitergebildet. «Entsprechend haben wir auch die Deklarationspflicht konsequent und einwandfrei mitgetragen.»
«Kunstpelz wird auf Erdölbasis hergestellt – das geht häufig vergessen.»
Als Branchenverband nimmt SwissFur zudem seit Jahren eine Vorreiterrolle bei Transparenz und Qualität ein, was sich auch in der Förderung von Nachhaltigkeitsstandards wie FURMARK widerspiegelt. Das internationale Zertifizierungssystem FURMARK garantiert Naturpelzprodukte, die Tierschutz- und Umweltstandards konsequent einzuhalten. Dazu Sigrist: «FURMARK ist das weltweit einzige Pelzzertifizierungssystem. Es wurde auf Initiative führender Akteure im Luxusgüterbereich initiiert und unter Einbindung verschiedener Stakeholder entwickelt.» Die EU-Kommission anerkennt FURMARK als vorbildliches Selbstregulierungsprojekt. FURMARK basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Tierwohl und steht im Einklang mit den neusten Prinzipien der globalen Tiergesundheitsorganisation WOAH. «Das FURMARK-Label deckt die gesamte Produktions- und Lieferkette ab und wird nur jenen Akteuren vergeben, die sich unangekündigten Inspektionen durch un-abhängige Gutachter unterwerfen, welche die Einhaltung der strengen Vorgaben kontrollieren», konkretisiert Sigrist, der selbst ein Pelzatelier in Willisau führt. FURMARK ist mit einem QR-Code versehen, so erhält jeder Händler und Verbraucher mit einem Klick volle Transparenz über «seinen» Pelz. «Wer bei uns im Fachhandel ein Pelzprodukt kauft, ist voll über die Herkunft und die Verarbeitung seines Pelzes informiert und kann sicher sein, dass die höchsten Tierschutzanforderungen eingehalten werden.» Mit FURMARK würde auch den Schweizer Zollbehörden die Arbeit bei Einfuhrkontrollen massiv erleichtert. «Leider will das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen dieses Zertifikat nicht anerkennen. Wir verstehen diese Haltung nicht», bedauert Sigrist.
Ein traditionsreiches Handwerk droht zu verschwinden
Rund 90 Prozent der in Schweizer Pelzateliers verarbeiteten Pelze stammen aus dem Ausland, insbesondere aus Skandinavien, den USA und Kanada. Echter Pelz ist ein Naturprodukt und in Bezug auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit mit synthetischen Alternativen kaum vergleichbar. «Wir hören in diesem Zusammenhang jedoch oft die Frage, wozu es noch echten Pelz brauche, wenn es doch Kunstpelz gebe», stellt Sigrist fest. «Kunstpelz wird auf Erdölbasis hergestellt – das geht häufig vergessen. Das steht im klaren Widerspruch zum Ziel, den CO2-Fussabdruck zu verringern», folgert er. Mit der Initiative «SwissRedFox – Mode aus Schweizer Rotfuchs» fördert der Verband zudem eine nachhaltige, einheimische Alternative, bei der die Felle geschossener Schweizer Rotfüchse modisch verarbeitet werden. «Schweizer Rotfuchsfelle werden bevorzugt zu Accessoires wie Schals, Kragen, Mützen oder Kapuzenrändern verarbeitet – sowohl naturbelassen als auch in verschiedenen Farben gefärbt. Zudem lassen sich aus einheimischen Fuchsfellen hochwertige, flauschige Decken herstellen.» Darüber hinaus engagiert sich die Pelzbranche in der Aus- und Weiterbildung. Dennoch scheint das traditionelle Kürschnerhandwerk vom Aussterben bedroht zu sein: Im vergangenen August hat lediglich eine Bekleidungsgestalterin eine entsprechende Ausbildung begonnen.
Regulierung mit Nebenwirkungen
Der Fachverband ist auch auf politischer Ebene äusserst aktiv. SwissFur setzt sich dafür ein, dass tierquälerisch erzeugter Pelz nicht mehr in die Schweiz importiert werden kann. «Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass die geplante Regulierung zu einem totalen Importverbot führt. Im parlamentarischen Prozess versuchen wir deshalb, sachgerechten Input zu liefern, um dies zu vermeiden», betont der gelernte Kürschner. Bereits per 1. Juli 2025 ist eine Verordnung in Kraft getreten, die nach einer zweijährigen Übergangsfrist ein Importverbot für «tierquälerisch» erzeugte Pelze vorsieht. Mit einem indirekten Gegenvorschlag zur Ende 2023 eingereichten Pelzinitiative möchte der Bundesrat dieses Verbot nun auf Gesetzesstufe verankern. «Wir haben uns mehrfach mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ausgetauscht und unsere Expertise angeboten, um dem Grundanliegen der Initiative Rechnung zu tragen, ohne dabei Handelsprobleme mit der EU und anderen Ländern zu provozieren», so Sigrist. SwissFur stellt jedoch fest, dass sich die Regulierung durch das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) in eine problematische Richtung entwickelt. «Die bestehende Verordnung ist dafür das beste Beispiel. Wie die darin festgelegten Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden sollen, ist für uns nicht nachvollziehbar.»
Die ursprüngliche Idee, den Import tierquälerisch erzeugter Pelze über ein Zertifizierungssystem statt über Länderlisten zu regeln, stiess zunächst auf grosses Verständnis. Auch FURMARK wurde anfangs positiv aufgenommen. In der Vernehmlassung zum Gegenvorschlag erreichte SwissFur, dass der Bundesrat von Länderlisten Abstand nahm. Die nun geplante Einführung eines staatlichen «Swiss made»-Zertifizierungssystems durch das BLV beziehungsweise das EDI erachtet SwissFur hingegen als nicht praktikabel und kontraproduktiv für eine funktionierende Regulierung des Pelzhandels.
Eine Branche unter Druck
Eine grosse Herausforderung für den Fachverband besteht in der Überzeugungsarbeit im Parlament sowie in der Versachlichung einer emotional stark aufgeladenen Debatte. «Wenige verstehen wirklich etwas davon, aber sehr viele haben dennoch eine klare Meinung», sagt Sigrist. «Das zeigte sich deutlich in der Herbstsession, als der Nationalrat äusserst emotional über die Pelzinitiative und den indirekten Gegenvorschlag debattierte.» Obwohl sich eine Mehrheit der vorberatenden Kommission nüchtern dafür aussprach, dass die Schweiz kein eigenes Zertifizierungsregime entwickeln, sondern sich an internationalen Standards orientieren solle, votierte die Mehrheit des Rates dagegen. «Zahlreiche Votanten, mit denen wir nie Kontakt hatten, machten dabei explizit Stimmung gegen FURMARK. Gegen die finanzstarke und entsprechend einflussreiche Lobby der Pelzgegner hat unsere kleine Branche einen schweren Stand», bedauert Sigrist. Aufgeben will SwissFur jedoch nicht und setzt seine Bemühungen im Ständerat fort, um die Diskussion weiter zu versachlichen.
«Gegen die finanzstarke und einflussreiche Lobby der Pelzgegner hat unsere kleine Branche einen schweren Stand.»
Die Pelzbranche sei zwar vom Aussterben bedroht, «doch wir lassen uns dadurch nicht schlechtmachen», hält Sigrist entgegen. Pelz sei ein langlebiges Naturprodukt, das aus Nachhaltigkeitsüberlegungen wieder an Bedeutung gewinne. Entsprechend nehme der Handel mit Altpelzen derzeit deutlich zu. «Wir sind der Meinung, dass Konsumentinnen und Konsumenten die Wahl haben sollten, wie und womit sie sich kleiden.» Voraussetzung dafür sei eine vollständige Transparenz über die Herkunft der Produkte, um informierte Kaufentscheidungen zu ermöglichen. «Genau das stellt FURMARK sicher und gewährleistet, dass die höchsten internationalen Anforderungen an das Tierwohl eingehalten werden.»
Corinne Remund
DAS MACHT SWISSFUR
Ja zu Pelz – natürlichmit Verantwortung
Die Handwerksbetriebe der Kürschner schlossen sich 1927 zum Verband Schweizerischer Pelzindustrie zusammen, um sich gemeinsam zu organisieren. Seit den 1990er-Jahren trägt der Verband den heutigen Namen SwissFur – Schweizer Pelz-Fachverband. Zu den Dienstleistungen des Fachverbandes gehören die handwerkliche und fachliche Unterstützung der Mitglieder sowie die Aufklärung und Information rund um die Fellproduktion. Zudem betreibt der Verband die eigene AHV- und Familienausgleichskasse EXFOUR. Ein zentrales Anliegen ist die transparente Information der Öffentlichkeit über Pelzgewinnung und Pelzverarbeitung.
SwissFur vertritt seine Mitglieder nach aussen und engagiert sich auch auf politischer Ebene. Er pflegt den Austausch mit verwandten Verbänden und Organisationen und bietet seinen Mitgliedern ein breit gefächertes Netzwerk. International setzt sich der Verband dafür ein, dass Gesetze, Verordnungen und fachliche Standards eine tier‑, umwelt- und menschengerechte Produktion des Rohstoffes Pelz gewährleisten. SwissFur ist Mitglied der International Fur Federation (IFF) mit Sitz in London.
Ein Kernthema des Verbandes ist die Aus- und Weiterbildung. So fördert SwissFur den Beruf Bekleidungsgestalter/in mit der Fachrichtung «Kürschnerei» und «Pelznähen». Die Mitglieder sind alle KMU – Pelzfachgeschäfte mit Kürschnerateliers. Insgesamt sind in der Branche rund 100 Personen beschäftigt. CR
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