Das Weltwirtschaftsforum in Davos bot auch in diesem Jahr wenig Anlass zu wirtschaftlichem Optimismus. Statt Aufbruch dominierten geopolitische Risiken die Diskussionen: imperiale Gebietsansprüche, das zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen Europa und den USA, Zölle und die zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft. Dabei rückten der Krieg in der Ukraine und die Situation im Nahen Osten beinahe in den Hintergrund. Einigkeit herrschte in einem Punkt: Die geopolitische Unsicherheit ist gekommen, um auf unbestimmte Zeit zu bleiben.
Was auf den Davoser Podien diskutiert wurde, spüren die Unternehmen längst im Alltag. Sanktionen, Export- und Investitionskontrollen, sich rasch ändernde Zölle und daraus resultierend die Anpassung der Lieferketten sind keine Ausnahme mehr, sondern Teil eines neuen wirtschaftlichen Normalzustands.
«Ein konsequenter Abbau von Büro-kratie würde die Unternehmen unmittelbar entlasten.»
FĂĽr die exportorientierte Schweizer Wirtschaft bedeutet dies vor allem eines: sinkende Planungssicherheit.
Planungssicherheit als wichtige Grundlage der Wirtschaft
Unternehmen sind auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Standortentscheide, Investitionen, Innovationsprojekte oder die Erschliessung neuer Märkte setzen stabile Spielregeln voraus. Genau diese Verlässlichkeit geht zunehmend verloren. Handelsabkommen werden infrage gestellt, multilaterale Institutionen geschwächt, politische Entscheide folgen immer häufiger sicherheits- oder innenpolitischen Überlegungen statt langfristiger wirtschaftlicher Rationalität.
Besonders stark betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen. Während Grosskonzerne geopolitische Risiken dank globaler Präsenz und breiter Diversifikation teilweise abfedern können, fehlt KMU häufig die notwendige Flexibilität. Sie sind stärker von einzelnen Absatzmärkten, Lieferanten oder Produktionsstandorten abhängig. Bricht ein Markt weg oder ändern sich die regulatorischen Rahmenbedingungen abrupt, sind Alternativen oft nur mit erheblichem Aufwand realisierbar.
SpĂĽrbare Folgen fĂĽr Investitionen und Innovation
Die fehlende Planungssicherheit hat konkrete wirtschaftliche Konsequenzen. Investitionen werden zurückgestellt oder ganz aufgegeben. Innovationsprojekte verlieren an Dynamik, weil Risiken kaum mehr kalkulierbar sind. Viele Unternehmen bauen vorsorglich höhere Lagerbestände auf, um Lieferunterbrüche abzufedern – was Kapital bindet und die Kosten erhöht. Der Umbau von Lieferketten ist komplex, kostenintensiv und zeitaufwendig – und gerade für KMU eine grosse Herausforderung. Gleichzeitig wächst der administrative Aufwand durch neue Meldepflichten und Compliance-Vorgaben. Die Wettbewerbsfähigkeit gerät unter Druck.
Gerade weil die Schweiz die geopolitischen Entwicklungen nicht beeinflussen kann, muss sie dort ansetzen, wo sie ĂĽber Handlungsspielraum verfĂĽgt: bei den eigenen Rahmenbedingungen. Ein konsequenter Abbau von BĂĽrokratie, eine zurĂĽckhaltendere Regulierung und schnellere Bewilligungsverfahren wĂĽrden die Unternehmen unmittelbar entlasten. Interne Reformen sind keine ideologische Forderung, sondern eine notwendige wirtschaftspolitische Antwort auf externe Unsicherheiten.
Planungssicherheit ist Standortpolitik
Planungssicherheit entsteht nicht nur durch Aussenpolitik, sondern vor allem durch Reformbereitschaft im Inland. Wer den Wirtschaftsstandort stärken will, muss den Unternehmen wieder mehr Handlungsspielraum geben. Mehrere Parlamentarier reichten deshalb in den letzten Monaten Vorstösse ein, die der Schweizerische Gewerbeverband sgv initiiert hat und die in früheren und in der nächsten Ausgabe der Schweizerischen Gewerbezeitung sgz vorgestellt werden.
Patrick DĂĽmmler,
Ressortleiter sgv