«Zentrale Vermittlungsrolle»
BEAT KNEuBÜHLER – «Die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse generiert jährlich rund 100 Millionen Franken Umsatz», sagt der Direktor von dpsuisse.
INDIREKTE MEDIENFÖRDERUNG – Die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse leistet einen nachweisbaren Beitrag zur demokratischen Meinungsfindung in der Schweiz. Sie stärkt Informationsvielfalt, Transparenz und politische Teilhabe und ist damit
demokratiepolitisch relevant, wie eine Studie belegt.
Im Rahmen des Entlastungspakets 2027 wird derzeit diskutiert, die indirekte Medienförderung für die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse (MSP) vollständig zu streichen. Seitens Bund wird dabei unter anderem argumentiert, dieser Medientyp weise eine ungenügende demokratische Relevanz auf. Eine neue Studie von BSS Volkswirtschaftliche Beratung im Auftrag von dpsuisse kommt zu einer anderen Einschätzung.
Die Studie untersucht systematisch, welchen Beitrag Publikationen von Verbänden, Stiftungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zur demokratischen Meinungsfindung in der Schweiz leisten. Grundlage bilden eine Literaturanalyse, Fachgespräche mit Wissenschaft und Praxis, ein internationaler Vergleich sowie zwei vertiefende Fallstudien. Im Fokus steht nicht die publizistische Ausrichtung einzelner Titel, sondern deren strukturelle Funktion im demokratischen Prozess.
Die Analyse zeigt, dass die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse in der Schweiz eine eigenständige Rolle einnimmt. Sie ergänzt die Publikumspresse durch fachlich vertiefte, kontextualisierte Berichterstattung und greift Themen auf, die in allgemeinen Medien oft nur am Rand oder verkürzt behandelt werden. Gerade in einem politischen System, das stark auf Verbände, Organisationen und Milizstrukturen abgestützt ist, erfüllen diese Publikationen eine wichtige Orientierungsfunktion für Mitglieder und Interessierte.
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Wirkungsweise der MSP. Ihre demokratische Wirkung entfaltet sich nicht primär über Reichweite im klassischen Sinn, sondern über engagierte Mitglieder. Diese nutzen die Inhalte als Wissens- und Argumentationsgrundlage und tragen sie in berufliche, gesellschaftliche und politische Netzwerke weiter. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von einer indirekten, aber wirksamen Multiplikatorenfunktion, welche die öffentliche Meinungsbildung mitprägt.
Der Bericht hält zudem fest, dass gedruckte Publikationen weiterhin eine relevante Rolle spielen. Sie erreichen Zielgruppen, die digital nur eingeschränkt angesprochen werden, ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit komplexen Themen und geniessen ein vergleichsweise hohes Vertrauen.
«Die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse ergänzt die Publikumspresse.»
Print und digitale Kanäle werden dabei nicht als Gegensätze verstanden, sondern als sich ergänzende Formate mit unterschiedlichen Stärken.
Auch im internationalen Vergleich zeigt sich, dass vergleichbare Demokratien Mitgliedschafts- und organisationsnahe Medien gezielt unterstützen, um Informationsvielfalt und zivilgesellschaftliche Teilhabe zu sichern. Die Schweizer Praxis der indirekten Förderung über vergünstigte Zustelltarife wird im Bericht als systemkonform eingeordnet, da sie die Verbreitung unterstützt, ohne in redaktionelle Inhalte einzugreifen.
Zusammenfassend kommt die Studie zum Schluss, dass die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse einen nachweisbaren Beitrag zur demokratischen Meinungsfindung in der Schweiz leistet. Sie stärkt Informationsvielfalt, Transparenz und politische Teilhabe und ist damit demokratiepolitisch relevant. Der Bericht widerspricht damit explizit der Annahme, dieser Medientyp erfülle keine oder nur eine untergeordnete demokratische Funktion, und liefert eine sachlich fundierte Grundlage für die laufende politische Debatte.
Beat KneubĂĽhler, Direktor dpsuisse
dpsuisse.ch
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