Allerweltsmittel Mehrwertsteuer? Das ist kurzfristiges Denken und belastet vor allem die KMU unnötig
Vom Tool zur Schlüsseltechnologie
Flottenmanagement – Moderne Nutzfahrzeuge sind mehr als Transporter. Dank intelligenter Telematiklösungen entwickeln sie sich zu mobilen Datenplattformen, die wichtige Informationen liefern. Das eröffnet Effizienzpotenzial.
Was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsvision klang, ist heute vielerorts Realität: Transporter, die in Echtzeit Auskunft über ihren Standort, das Fahrverhalten der Nutzer oder anstehende Wartungen geben. Telematiksysteme – die digitale Vernetzung von Fahrzeugdaten, GPS und zentraler Auswertung – haben sich innerhalb kurzer Zeit zu einem mächtigen Werkzeug für den effizienten Betrieb von Nutzfahrzeugflotten und zum festen Bestandteil moderner Logistik und Flottensteuerung entwickelt. In nur wenigen Jahren ist ein Markt mit globalen Playern entstanden, dessen Umsatz sich laut Schätzungen bis 2030 auf bis zu 60 Milliarden US-Dollar vergrössern dürfte.
Die ersten Systeme kamen Ende der 1990er-Jahre auf den Markt, mussten jedoch noch manuell ausgelesen werden. Erst mit der flächendeckenden Verfügbarkeit mobiler Datenverbindungen und cloudbasierter Analyseplattformen entwickelte sich Telematik zu einem vergleichsweise handlichen und effizient integrierbaren Instrument für das Fuhrparkmanagement.
Breit gefächerte Funktionen
Ab Mitte der 2010er-Jahre etablierten sich dann erste umfassende Lösungen, mit denen sich ganze Betriebsabläufe datenbasiert optimieren lassen. Neben Herstellern wie Ford («Ford Pro») oder Mercedes («Mercedes me») treten heute auch Spezialisten wie Geotab, Webfleet (Bridgestone) oder Michelin Connected Fleet auf – mit Angeboten für kleine wie grosse Flotten. «Die in unseren Ford-Pro-Fahrzeugen integrierten Modems liefern viele wertvolle Daten», erklärt Mario Lingen, Countrymanager DACH Ford Pro Software. «Diese Fahrzeugzustands- und -bewegungsdaten sind der neue digitale Kraftstoff, um die Produktivität und die Uptime von Ford-Pro-Flottenfahrzeugen zu steigern.»
Der Funktionsumfang moderner Systeme ist breit gefächert: GPS-Ortung, Fahrstilanalysen, digitale Fahrtenbücher, Wartungsprognosen oder die effiziente Integration von Ladeinfrastruktur für Elektrotransporter zählen zum Standard. Dabei unterscheiden sich die Anbieter nicht nur in Detailfunktionen, sondern auch in Bedienbarkeit, technischer Integration und Zielgruppenausrichtung. Für Fuhrparkmanager stellt sich daher zunehmend die Frage, welches System zur eigenen Flottenstruktur passt.
Zwei Modelle fĂĽr unterschiedliche BedĂĽrfnisse
Grundsätzlich konkurrieren dabei zwei Anbietergruppen: die fahrzeugmarkengebundenen Systeme der Autohersteller und die markenübergreifenden Plattformen unabhängiger Anbieter. Erstere punkten mit tiefer technischer Integration – inklusive direktem Zugriff auf Steuergeräte, Diagnosedaten oder Fehlermeldungen. Hinzu kommt bei etablierten Herstellern ein breit aufgestelltes, lokal verfügbares und agiles Versorgungsnetzwerk mit Werktstattservices. Die Lösungen der Autohersteller bieten sich insbesondere an, wenn ein Unternehmen ausschliesslich Fahrzeuge eines Herstellers nutzt. Da die nötige Technik oft ab Werk eingebaut ist, entfällt zusätzlicher Installationsaufwand.
Unabhängige Systeme hingegen sind markenübergreifend nutzbar und lassen sich modular an unterschiedliche Fuhrparkprofile anpassen. Sie liefern umfassende Fahrdaten, unterstützen Geofencing, Fahreridentifikation und die Anbindung an betriebliche IT-Systeme. Allerdings ist häufig der Einbau zusätzlicher Hardware erforderlich, etwa über OBD-Stecker oder FMS-Schnittstellen. Zudem sind Datenschutz und Datenhoheit besonders zu beachten, da die Systeme oft cloudbasiert betrieben werden.
Hohes Effizienzpotenzial
Ein zentrales Anwendungsfeld für modernes Flottenmanagement ist die sogenannte Predictive Maintenance – also die vorausschauende Wartung. Mithilfe von Sensoren und Datenanalysen lässt sich hiermit der technische Zustand jedes Fahrzeugs laufend überwachen.
«Mithilfe von Sensoren und Datenanalysen lässt sich der technische Zustand jedes Fahrzeugs laufend überwachen.»
Bei erkennbarem Wartungsbedarf kann frühzeitig reagiert werden – bevor ein ungeplanter Ausfall den Betrieb stört. Zwar lassen sich Pannen dadurch nicht vollständig vermeiden, die Ausfallzeiten sinken im Schnitt jedoch deutlich, was sich positiv auf die Effizienz auswirkt. Ein Beispiel: Der Logistiker DHL setzt bei seinen Ford-Transportern auf die Telematiklösung des Herstellers. Laut Ford ging der Wartungsrückstand um 70 Prozent zurück. In der Folge standen die Fahrzeuge pro Monat im Schnitt sechs Stunden länger zur Verfügung und konnten rund 180 Pakete mehr pro Fahrzeug transportieren. Das rechnet sich.
Zudem lassen sich mit Telematiklösungen laut Ford nicht nur Wartungszeiten reduzieren, sondern auch Betriebskosten senken. «Eine Fahrzeugflotte, die Ford-Pro-Software effizient nutzt, kann bei Verbrennerfahrzeugen zum Beispiel durch eine optimierte Routenplanung den Treibstoffverbrauch und somit auch die CO2-Emission deutlich reduzieren», erläutert Lingen. Gleiches gelte für Elektrofahrzeuge, bei denen sich Stromverbrauch und Ladezyklen durch intelligente Softwarestrategien besser steuern lassen.
Struktureller Wandel
Telematik ist längst mehr als ein kurzfristiger Trend. Sie steht für einen strukturellen Wandel im Nutzfahrzeugbereich. Ob Vorbereitung auf autonomes Fahren, datenbasierte Versicherungsmodelle oder die Steuerung ganzer Lieferketten: Wer als Unternehmer respektive Flottenbetreiber früh in geeignete Telematiksysteme investiert und diese konsequent in seine Prozesse integriert, kann langfristig Wettbewerbsvorteile erzielen. «Die durch Telematiksysteme erhobenen Fahrzeugzustands- und -bewegungsdaten werden eine massgebliche Rolle bei autonomem Fahren und auch bei KI-gestützter Logistik spielen», sagt Lingen. Erste Anwendungsbeispiele seien bereits in der Schwerlastbranche sichtbar.
Gleichzeitig sind die Herausforderungen nicht zu unterschätzen. Immer wieder werden Datenschutzbedenken laut – etwa bei der Nachverfolgung von Fahrverläufen oder beim Umgang mit personenbezogenen Daten. Auch die Abhängigkeit von herstellerspezifischen Lösungen wird diskutiert. Hinzu kommt, dass insbesondere kleinere Unternehmen häufig vor Einstiegshürden stehen: zusätzliche Hardware, IT-Anbindung, laufende Kosten. «Eine mögliche Amortisationszeit ist individuell sehr verschieden», betont Lingen. «Aber wer Bewegungsdaten aktiv nutzt und Fahrverhalten etwa durch In-Vehicle-Coaching verbessert, kann Verbrauchs- und Verschleisskosten deutlich reduzieren – und die Produktivität der Flotte spürbar steigern.»
Mario Hommen
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