Publiziert am: 27.02.2026

«Zentrale Vermittlungsrolle»

BEAT KNEuBÜHLER – «Die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse generiert jährlich rund 100 Millionen Franken Umsatz», sagt der Direktor von dpsuisse.

Schweizerische Gewerbezeitung: In den letzten Jahren sind viele Titel von Tages- und Wochenzeitungen vom Markt verschwunden oder zu Kopfblättern mit teilweise identischen Inhalten geworden. Wie entwickelt sich die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse?

Beat Kneubühler: Während sich die Publikumspresse stark konsolidiert und Inhalte zunehmend vereinheitlicht, zeigt sich bei der Mitgliedschafts- und Stiftungspresse ein anderes Bild. Diese Titel sind thematisch klar positioniert, eng an Organisationen und Mitglieder gebunden und weniger von Reichweiten- und Werbelogiken abhängig. Dadurch bleibt inhaltliche Vielfalt erhalten. Die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse ist kein Wachstumsmarkt, aber strukturell stabil und funktional eigenständig.

Worin liegt insbesondere die zivilgesellschaftliche Rolle der Mitgliedschafts- und Stiftungspresse in dieser Entwicklung?

Ihre zentrale Rolle liegt in der Vermittlung zwischen organisierter Zivilgesellschaft und politischem Prozess. Sie ordnet politische Entwicklungen ein, macht Auswirkungen auf konkrete Gruppen sichtbar und stärkt die Beteiligung informierter Mitglieder. In einer verbandsdemokratisch geprägten Schweiz ist diese Form der Meinungsbildung ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Systems – ergänzend zur Publikumspresse, nicht als Ersatz.

Sie vertreten den Verband der Print- und Kommunikationsindustrie. Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse? Worin liegt insbesondere die Bedeutung der gedruckten Presse?

Ökonomisch ist sie Teil einer stabilen publizistischen Wertschöpfungskette. Sie sichert kontinuierliche Produktionsvolumen, insbesondere im Periodikabereich, und ermöglicht langfristige Planbarkeit. Die gedruckte Presse spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie Vertrauen schafft, komplexe Inhalte vertieft vermittelt und Zielgruppen erreicht, die digital nur begrenzt angesprochen werden. Print und Digital wirken hier komplementär.

Welchen Stellenwert hat die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse für die Druckindustrie ganz direkt?

Für die Druckindustrie ist die Mitgliedschafts- und Stiftungspresse kein Randphänomen, sondern ein eigenständiges und wirtschaftlich relevantes Marktsegment. Diese Publikationen entstehen regelmässig, planbar und mit klar definierten Qualitätsanforderungen. Dadurch sichern sie der Branche ein stabiles Auftragsvolumen, das weitgehend unabhängig von kurzfristigen Schwankungen im Anzeigen- oder Tageszeitungsmarkt ist. Nach branchenweiten Einschätzungen werden mit der Mitgliedschafts- und Stiftungspresse in der Schweiz jährlich rund 100 Millionen Franken Umsatz generiert. Dieser Markt trägt zur wirtschaftlichen Substanz der Print- und Kommunikationsindustrie bei und stabilisiert Wertschöpfung, Beschäftigung und Investitionsfähigkeit über Konjunkturzyklen hinweg.

Würde der Bund die indirekte Förderung der Mitgliedschafts- und Stiftungspresse streichen: Was würden wir künftig vermissen?

Nicht primär einzelne Titel, sondern einen spezifischen Beitrag zur demokratischen Meinungsfindung. Wir würden weniger fachliche Einordnung aus der organisierten Zivilgesellschaft sehen, weniger Vielfalt an Perspektiven und weniger kontinuierliche Information entlang gesellschaftlicher Realitäten. Das würde den öffentlichen Diskurs insgesamt verengen.

Interview: sgz

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