Publiziert am: 27.03.2026

Die Elektromobilität gibt weiter Vollgas

Neuheiten 2026 – Die Autoindustrie steht weiter unter Strom – das zumindest lassen die vielen Neuheiten vermuten, die dieses Jahr auf den Markt kommen. Nur einzelne davon erhalten auch einen Verbrennungsmotor.

Die Automobilindustrie durchlebt eine schwierige Phase. Nach dem aufwendigen Wandel zur Elektromobilität, welche von der Politik vorgegeben wurde und Investitionen in Milliardenhöhe erforderte, müssen viele Hersteller nun wieder zurückkrebsen. Die batterieelektrischen Modelle verkaufen sich deutlich weniger gut als erhofft. Weil sich in den USA, dem grössten Automarkt der Welt, die politischen Vorgaben geändert haben und auch die EU das ursprünglich für 2035 geplante Verbrenner-Verbot wieder aufgeweicht hat, schwenken die Automarken vermehrt wieder auf Modelle mit Benzinmotor um. Zudem steht für die Autohersteller ein weiterer grosser Wandel an: Die Umstellung auf das Software-Defined Vehicle (SDV), welche die Entwicklung komplett neuer Plattformen erfordert, wird weitere hohe Investitionen verschlingen.

In diesem Kontext wirken die Autoneuheiten 2026 etwas verloren. Es kommen nach wie vor mehrheitlich rein elektrische Modelle auf den Markt – allesamt Entwicklungen der letzten Jahre. Ob diese neuerliche Flut an neuen Stromern den kriselnden deutschen Herstellern zu neuem Aufschwung verhelfen wird, muss sich zeigen. Und auch für die neuen Marken aus China, die hierzulande in erster Linie rein elektrische Modelle verkaufen, dürfte die politisch unbeständige Lage das Geschäft erschweren.

Von klein bis gross

Die Kunden dürfen sich im laufenden Jahr dennoch auf zahlreiche spannende Neuheiten freuen. Mit dem A390 lanciert Alpine ihren ersten Elektro-Crossover: ein Fastback-SUV mit bis zu drei Elektromotoren, der in zwei Motorvarianten (295 kW/400 PS oder 345 kW/470 PS) angeboten wird. Beide Versionen haben einen 89‑kWh-Akku verbaut, der für maximal 557 Normkilometer reicht. Geladen wird mit 150 oder 190 kW. Dank Torque-Vectoring und sportlicher Abstimmung soll der Allradler typische Alpine-Fahrdynamik bieten. Innen gibt es ein Google-basiertes Infotainment und hochwertige Materialien. Die Preise starten bei 64 500 Franken.

Die chinesische Marke BYD bringt mit dem Atto 3 Evo eine rundherum aufgepeppte Version des kompakten SUV, der nun auf einer 800‑Volt-Architektur basiert. Der Akku wurde auf 75 kWh vergrössert, womit WLTP-Reichweiten von bis zu 510 Kilometer möglich werden. Geladen wird mit immerhin 220 kW. Die Preise starten bei 43 990 Franken. Edeltochter Denza, die in diesem Jahr neu in der Schweiz an den Start geht, will mit dem luxuriösen Shooting-Brake Z9 GT die Hochpreisfraktion aus Deutschland herausfordern. Das Modell kombiniert in der reinen Elektroversion drei E‑Motoren mit einer Systemleistung von 710 kW/965 PS. Parallel dazu gibt es den fast 5,2 Meter langen Chinesen auch als Plug‑in-Hybrid. Preise sind noch nicht bekannt.

Hyundai bringt mit Ioniq 3 einen weiteren Stromer auf den Markt. Bilder der Serienversion wurden noch nicht veröffentlicht und auch genaue technische Daten sind noch nicht bekannt. Der kompakte SUV soll aber auf einer 400‑Volt-Architektur aufbauen und technisch eng verwandt mit dem Kia EV3 sein. Erwartet werden Leistungen um 150 kW/204 PS, Batteriegrössen von 58,3 bis 81,4 kWh und Normreichweiten bis etwa 600 Kilometer.

Von billig bis teuer

Nicht viel konkreter ist der Ausblick auf die neuen Modelle des chinesischen Herstellers Leapmotor. Mit dem B03X bringt die von Emil Frey importierte Marke einen preisgünstigen, rund 4,20 Meter langen Elektro-SUV mit Frontantrieb in die Schweiz, der Normreichweiten von etwa 500 Kilometern liefern soll. Ebenfalls in der Pipeline ist der B05, ein kompaktes Schrägheckmodell mit Heckantrieb. Auch hier gibt es weder genaue technische Daten noch Preise.

Der US-Hersteller Lucid ist bereits einige Jahre im Schweizer Markt präsent – so richtig sichtbar ist die bisher angebotene E‑Limousine Air im hiesigen Strassenverkehr aber noch nicht. Mit dem neuen SUV Gravity soll sich das ändern: Das über fünf Meter lange Oberklassemodell nutzt eine leistungsstarke Dual-Motor-Konfiguration mit bis zu 609 kW/828 PS und bietet Platz für bis zu sieben Personen. Wie die Limousine basiert auch der Gravity auf einer 926‑Volt-Plattform und kann so mit bis zu 400 kW laden. Dank einer riesigen Batterie mit einer Kapazität von 123 kWh soll der Aktionsradius deutlich über 700 Kilometer betragen. Der Verkauf soll im späten Sommer starten, Preise sind noch nicht bekannt.

Der japanische Hersteller Mazda hat vor einigen Monaten die E‑Limousine 6e zu den Händlern gebracht, nun doppeln die Japaner mit dem CX‑6e nach, der auf der gleichen technischen Basis des chinesischen Kooperationspartner Changan aufbaut. Der E‑SUV mit Heckantrieb leistet 190 kW/258 PS und soll dank einer 78 kWh grossen Batterie Normreichweiten von bis zu 480 Kilometern schaffen. Die Preise starten in der Schweiz bei 49 000 Franken.

Neuheitenfeuerwerk aus Stuttgart

Mercedes-Benz ist mit dem CLA in seine neue Elektro-Ära gestartet, nun doppeln die Schwaben mit dem GLC nach. Der mittelgrosse SUV nutzt ebenfalls die neu entwickelte 800‑Volt-Architektur und wird sowohl mit Heck- als auch mit Allradantrieb erhältlich sein. Zum Marktstart ist die Motorvariante 400 4Matic mit 360 kW/489 PS, Allradantrieb und einer 94‑kWh-Batterie für über 700 Kilometer Reichweite im Angebot. Später folgen weitere Varianten inklusive Verbrennerversionen. In der Pipeline sind ausserdem der kleinere GLB sowie die elektrische C‑Klasse, die auf der gleichen Plattform basieren. Ebenfalls in den Startlöchern steht der luxuriöse Elektro-Van VLE, den es als VLS auch mit Verbrenner geben wird.

Volvo-Tochter Polestar baut ihr Modellprogramm munter aus. Mit dem Polestar 5 steht nun eine viertürige Sportlimousine vor der Markteinführung. Schon die Basisvariante (Dual Motor) leistet 550 kW/748 PS und beschleunigt in unter vier Sekunden auf Tempo 100. Die Topversion (Performance) generiert 650 kW/ 884 PS und spurtet in 3,2 Sekunden auf 100 km/h. Ein 112 kWh grosser Akku soll für Normreichweiten bis 678 Kilometer sorgen. Und dank 800‑Volt-Architektur lädt der windschnittige China-Schwede mit bis zu 350 kW. Die Einstiegsversion kostet 115 000 Franken, der Performance ist ab 135 000 Franken zu haben.

Da geht noch mehr

Ebenfalls in die Vollen geht Porsche. Der neue Cayenne Electric ist in seiner Topvariante Turbo ein regelrechtes Biest: Der grosse SUV beschleunigt mit einer Spitzenleistung von 850 kW/ 1156 PS in nur 2,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 200 km/h in sagenhaften 7,4 Sekunden. Es gibt aber auch eine gemässigte Basisvariante mit 300 kW/408 PS sowie den Cayenne S Electric mit 490 kW/666 PS. Neben hoher Reichweite setzt Porsche auf sehr schnelles Laden mit bis zu 400 kW und sportliche Fahrleistungen. Die Preise starten bei 119 800 Franken für das Basismodell und enden bei 189 000 Franken für den Turbo.

Skoda erweitert seine Elektro-Palette mit dem kleinen SUV Epiq nach unten aus. Der 4,10 Meter Fronttriebler wird in drei Leistungsstufen von 85 kW/115 PS bis 155 kW/211 PS angeboten, die Normreichweiten von 315 bis 430 Kilometer schaffen sollen. Das genaue Datum der Markteinführung sowie die Schweizer Preise sind noch nicht bekannt. Deutlich weiter, nämlich bis zu 810 WLTP-Kilometer, soll der neue Volvo EX60 mit einer Akku-Ladung kommen. Der elektrisch angetriebene Mittelklasse-SUV ergänzt den erfolgreichen XC60 und wird ab 72 000 Franken angeboten. Eine 800‑Volt-Architektur ermöglicht schnelles Laden bis 370 kW. Allradantrieb und Motorisierungen mit bis zu 500 kW/680 PS runden das Angebot ab.

Auch VW baut das Elektro-Angebot nach unten aus. Der lange erwartete ID.Polo soll im zweiten Semester 2026 zu den Händlern rollen und einen Startpreis unter 25 000 Franken bieten. Der 4,05 Meter lange Fronttriebler wird mit einem Leistungsspektrum von 85 bis 166 kW (116 bis 226 PS) sowie zwei Batteriegrössen (37 respektive 52 kWh) angeboten. Die Normreichweiten liegen zwischen 300 und 450 Kilometern, geladen wird mit 90 oder 130 kW. Auf der gleichen technischen Basis kommt der rund zehn Zentimeter längere ID.Cross, der in der stärksten Motorvariante 155 kW/211 PS leistet. Auch hier sind die Preise noch nicht bekannt.

Dave Schneider

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