Publiziert am: 27.03.2026

Nachwuchs für KMU stärken

SCHWEIZER BILDUNGSSYSTEM – Der Schweizerische Gewerbeverband sgv fordert eine Stärkung der Berufsbildungund nimmt vom Bildungsbericht 2026 positiv Kenntnis. Zielsetzung der schulischen und beruflichen Ausbildung muss dabei die Arbeitsmarktfähigkeit sein. Gleichzeitig lehnt der sgv Forderungen nach mehr Ferien für Lernende klar ab.

Über alle Bildungsstufen hinweg von der obligatorischen Schule bis zur Weiterbildung für Erwachsene bündelt der Bildungsbericht 2026 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF auf rund 400 Seiten das aktuelle Wissen zum Schweizer Bildungssystem. Der Bericht zeigt auf, wie gut das Bildungssystem funktioniert und wo die Herausforderungen liegen.

95-Prozent-Ziel bleibt bestehen

Seit einigen Jahren herrscht bildungspolitisch Konsens, dass 95 Prozent aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II verfügen sollen.

«Oberstes Ziel der Berufsbildung muss die Arbeitsmarkt-fähigkeit sein.»

Dieses Ziel, das auch vom Schweizerischen Gewerbeverband sgv unterstützt wird, wird allerdings nicht überall erreicht, wie der Bericht aufzeigt. Gesamtschweizerisch ist die Abschlussquote sogar von 91,5 Prozent (2016) auf 90,1 Prozent (2022) leicht gesunken. Sie verbleibt damit zwar auf einem seit Jahren stabil hohen Niveau, doch sie darf keineswegs mehr sinken.

Arbeitsmarktfähigkeit bleibt im Fokus

Für den sgv ist die Förderung der Berufsbildung auf allen Stufen mit dem Ziel der Arbeitsmarktfähigkeit und der Steigerung der Attraktivität des Karrierewegs über die Höhere Berufsbildung bis zum Unternehmertum als prioritäre Forderung. Oberstes Ziel der Berufsbildung muss die Arbeitsmarktfähigkeit sein. Rund 70 Prozent aller Lernenden in der dualen Grundbildung werden in KMU ausgebildet, was die grosse Bedeutung der Unternehmen für die Berufsbildung insgesamt zeigt. Mit einer attraktiven dualen Grundbildung sichern die Branchen auch ihren Nachwuchs. Jedes Jahr stehen rund 15 000 KMU vor einem Generationen- bzw. einem Leitungswechsel. Die Unternehmen brauchen einen entsprechenden Pool an gut ausgebildeten und kompetenten Führungskräften.

Instrument des Bildungsmonitorings

Der Bildungsbericht ist ein Kerninstrument des nationalen Bildungsmonitorings. Bund und Kantone tragen gemäss Bundesverfassung gemeinsam die Verantwortung für den Bildungsraum Schweiz. Der Bericht dient aber auch den Organisationen der Arbeit als Orientierung für die Weiterentwicklung des Bildungssystems. Sie sind es, die die Inhalte der Berufsbildung festlegen.

Forderungen nach mehr Ferien unbegründet

Für die Gewerkschaften zeigt der Bericht, dass «der Mythos der ‹perfekten Berufsbildung› der Realität nicht standhält». Unter anderem fordern sie mehr Ferien. Aus Sicht des sgv sind mehr Ferien, insbesondere wenn sie gesetzlich verordnet werden, nicht zielführend. Eine pauschale Erhöhung der Anzahl Ferienwochen über alle dualen Ausbildungen gefährdet die Lernziele und verteuert die Lehre für Lehrbetriebe, was wiederum den Anreiz schmälert, Lehrstellen anzubieten. Zudem ist nicht erwiesen, dass Ferien bei den Jugendlichen das ausschlaggebende Kriterium sind. Jugendliche, die eine Lehre wählen, kennen die Anforderungen und die Bedingungen und entscheiden sich bewusst dafür. Eine Verkürzung der Zeit in der Berufsschule oder im Lehrbetrieb kann Lernende unnötigerweise unter Druck setzen. Im direkten Vergleich zu den vollschulischen Alternativen wie das Gymnasium und die Fachmittelschulen ist zu berücksichtigen, dass die Ferien in der Lehre bezahlt sind. In der Schule ist das nicht der Fall. Bereits heute besteht die Möglichkeit, die Anzahl Ferienwochen in Betrieben und Branchen individuell anzupassen. Deshalb spricht sich der Schweizerische Gewerbeverband sgv gegen eine gesetzlich geregelte Erhöhung der Ferien für Lernende aus.

Dieter Kläy, Ressortleiter sgv

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