Schweizerischer Gewerbeverband fordert Stärkung der Berufsbildung
Zentrale Säule der Grundversorgung
PHARMASUISSE – Apotheken sind die wichtigsten Abgabestellen von Heilmitteln und sichern so die Versorgung der Bevölkerung. Die Ausweitung der pharmazeutischen Leistungen ist eine Investition in eine effizientere und nachhaltige Gesundheitsversorgung. Der Verband fördert zudem gezielt die Ausbildung von Fachkräften und setzt sich für eine faire Finanzierung ein.
Die Schweiz verfügt über rund 1830 öffentliche Apotheken, was etwa 20 Apotheken pro 100 000 Einwohner entspricht – im internationalen Vergleich ein solides Netz, aber unter dem europäischen Durchschnitt. Die Anzahl der Apotheken ist in den letzten Jahren allerdings weitgehend stabil geblieben. «Die Apotheken haben sich von reinen Medikamentenabgabestellen zu wichtigen Eckpfeilern der primären Versorgung entwickelt, beispielsweise durch Beratungen, vertiefte Triage und Präventionsdienstleistungen», erklärt Martine Ruggli, Präsidentin des Schweizerischen Apothekerverbands pharmaSuisse. Dies bestätigt auch eine von pharmaSuisse in Auftrag gegebene Studie des Forschungsinstituts Sotomo. Die Studie zeigt klar, dass Apotheken in der Schweiz weit mehr sind als reine Medikamentenbezugsstellen. Sie sind kompetente Gesundheitsberatungszentren, die von der Bevölkerung aktiv genutzt werden, sowie Vertrauens- und Anlaufstellen für gesundheitliche Erstfragen – meistens ohne vorherigen Arztkontakt.
«Die neue Tarif-struktur bleibt kostenneutral und stärkt die Qualität.»
Die Bevölkerung befürwortet in Apotheken erweiterte Dienstleistungen wie Triage, Impfungen oder präventive Angebote. «Insgesamt werden unsere Apotheken als Orte mit hoher Kundenzufriedenheit und einer sehr guten Dienstleistungsqualität wahrgenommen», freut sich Ruggli. Die Annahme des Kostendämpfungspakets 2 erlaubt den Apotheken künftig, diverse Präventions- und pharmazeutische Leistungen zur Optimierung der Arzneimitteltherapie und zur Verbesserung der Therapietreue direkt über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abzurechnen. «Dies stellt einen entscheidenden Schritt zur Stärkung der Apotheken als wichtige Säule der medizinischen Grundversorgung dar. Der neue Tarifvertrag LOA V, der die Vergütung der Apothekenleistungen stärker leistungsorientiert gestaltet ist ebenso wichtig», betont Ruggli.
«Der Fachkräfte-mangel macht es nötig, junge Talente frühzeitig für eine Ausbildung in der Apotheke zu begeistern.»
Per Ende Januar haben die Apotheken erstmals nach dem neuen Tarif abgerechnet. «Damit schaffen wir mehr Transparenz und stellen sicher, dass der tatsächlich erbrachte Aufwand korrekt abgegolten wird», sagt Ruggli. Dank der innovativen Technologie der maschinellen Verblisterung wird die Medikamentenabgabe – insbesondere in Pflegeheimen – zusätzlich sicherer. Gleichzeitig fördert die LOA V die Abgabe kostengünstiger Biosimilars und integriert erstmals auch pharmazeutische Leistungen im Versandkanal. «Die neue Tarifstruktur bleibt kostenneutral, schützt die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler und stärkt zugleich die Qualität der Versorgung.»
Nachwuchs mit Perspektive
pharmaSuisse engagiert sich seit Jahren für den Berufsnachwuchs. Mit der Kampagne «Choose your impact» konnten bereits mehr Jugendliche – darunter auch vermehrt schulisch starke und männliche – für den Beruf gewonnen werden. Die Kommission der Organisation der Arbeitswelten OdA Apothekenberufe gestaltet unter der Trägerschaft des Schweizerischen Apothekerverbands pharmaSuisse die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Fachpersonen Apotheke in der Schweiz. In diesem Rahmen hat sich pharmaSuisse aktiv dafür eingesetzt, den Ausbildungskurs der Fachfrauen und Fachmänner Apotheke EFZ neu zu gestalten. Der dreijährige Ausbildungskurs unter der Trägerschaft von pharmaSuisse wurde 2025 erstmals abgeschlossen. Fachpersonen Apotheke können sich dabei als Pharma-Betriebsassistent/in FA weiterbilden oder – nach Berufsmaturität/Passerelle – eine tertiäre Ausbildung anstreben. Im Jahr 2024 konnten fast 800 Fachfrauen und Fachmänner Apotheke EFZ ihren Lehrabschluss feiern. 2025 hat der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse zudem zum ersten Mal an den SwissSkills, der grössten Berufsmesse der Schweiz, teilgenommen und den Beruf Fachfrau/Fachmann Apotheke EFZ vorgestellt. «Wir setzen damit ein Zeichen für die Nachwuchsförderung im Gesundheitswesen. Der Fachkräftemangel macht es nötig, junge Talente frühzeitig für eine Ausbildung in der Apotheke zu begeistern.»
Sowohl das Pharmaziestudium als auch die Berufsausübung in Offizin-Apotheken sind insbesondere bei Frauen sehr beliebt: Im Jahr 2024 machten Frauen bei den eidgenössischen Studienabschlüssen mit 152 Absolventinnen rund 79 Prozent aus, während 40 Männer (fast 21 Prozent) ihr Diplom erhielten.
pharmaSuisse setzt sich
fĂĽr starke Apotheken ein
pharmaSuisse engagiert sich aktiv auf politischer Ebene. Der Verband setzt sich dafür ein, dass die Apothekerschaft sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Öffentlichkeit sichtbar und anerkannt bleibt. Gleichzeitig kämpft pharmaSuisse für eine faire und sachgerechte Entschädigung der Apothekenberufe, um die Qualität der Versorgung nachhaltig zu sichern. Dazu Ruggli: «Unsere Apotheken sollen als wesentliche Leistungserbringer in der medizinischen Grundversorgung weiter gestärkt werden – mit einem erweiterten Leistungsportfolio, der Integration in interprofessionelle Netzwerke und digitalen Angeboten.» Die Ausweitung pharmazeutischer Leistungen auf die OKP stärkt eine nachhaltige Gesundheitsversorgung. «Durch gezielte Betreuung in Apotheken kann die Therapietreue verbessert werden, und auch die Optimierung der Medikation kann Komplikationen und manchmal sicher auch Spitaleinweisungen und unnötige Arztbesuche reduzieren – somit kann es langfristig Kosten sparen», konkretisiert Ruggli. Apothekerinnen und Apotheker unterstützen damit auch Ärztinnen, Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte, insbesondere bei chronisch kranken Patientinnen und Patienten. Zusätzlich tragen niederschwellige Angebote wie Impfungen oder Darmkrebsscreenings in Apotheken wirksam zur Prävention bei.
Apotheken unter Druck
Die steigende Nachfrage, neue Aufgaben und der Fachkräftemangel stellen Apotheken vor wachsende Herausforderungen. Pensionierungen, lange Öffnungszeiten und die Notwendigkeit neuer Kompetenzen fordern die Teams zusätzlich. Gleichzeitig hinken Löhne und Tarifstrukturen hinter Inflation und steigenden Kosten her, während politische Diskussionen wie die Abschaffung des Territorialitätsprinzips die Lage weiter verkomplizieren.
«Gezielte Betreuung optimiert die Medikation und verhindert Komplikationen.»
Versorgungsengpässe bei Medikamenten erhöhen die Arbeitsbelastung und gefährden die Patientensicherheit – die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung bleibt daher eine nationale Priorität. Viele Apotheken nutzen bereits digitale Lösungen wie automatisierte Lagerverwaltung, Online-Terminbuchungen und elektronische Rezepte. «Wir unterstützen auch den elektronischen Medikationsplan. KI kann helfen, Dienstleistungen zu verbessern und Mehrwert zu schaffen – vorausgesetzt, der Einsatz ist klar gesetzlich geregelt», erklärt Ruggli. Corinne Remund
PHARMASUISSE
Vernetzt und zukunftsorientiert
Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse wurde bereits 1843 gegründet und zählt damit zu den ältesten Berufsverbänden der Schweiz. In seiner langen Geschichte hat sich der Verband kontinuierlich zu einer schweizweiten Dachorganisation der Apothekerschaft entwickelt, die in Politik, Bildung und Gesundheitswesen aktiv mitgestaltet. pharmaSuisse engagiert sich für Bildung und Weiterentwicklung der Apothekenberufe und stärkt deren Attraktivität und Image in der Öffentlichkeit. Ebenso vertritt der Verband die berufspolitischen Interessen der Apothekerinnen und Apotheker im stetigen Dialog mit der Politik, den Akteuren im Gesundheitswesen, den Medien und weiteren Partnerinnen und Partnern. Dabei beobachtet und analysiert er die sich abzeichnenden Tendenzen und nimmt Stellung dazu oder ergreift geeignete Massnahmen.
Der Verband zählt rund 7500 Apothekerinnen und Apotheker, ca. 1600 angeschlossene Apotheken und 48 Kollektivmitglieder. Damit repräsentiert pharmaSuisse einen grossen Teil der schweizerischen Apothekerschaft und viele Apotheken im Gesundheitswesen. Die Branche beschäftigt rund 24 000 Fachkräfte in über 1800 Apotheken. CR
Medienmitteilungen
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