Konzernverantwortungsinitiative 2.0 – Statt die Wirtschaft anzukurbeln, wird neue Bürokratie aufgebaut
«Die Zukunft ist elektrisch»
EIT.SWISS – Elektrifizierung, Digitalisierung und erneuerbare Energien treiben die Schweizer Elektrobranche voran. Vernetzte Systeme, intelligente Energieflüsse und neue Technologien schaffen Chancen und Herausforderungen zugleich. Um diese zu meistern, setzt die Elektrobranche auf praxisnahe Ausbildung, kontinuierliche Weiterbildung und die Förderung junger Talente.
Die Elektrobranche steckt mitten in einem dynamischen Energiewandel. Die Dekarbonisierung des Schweizer Gebäudeparks ist in vollem Gange, und die Branche spielt dabei eine zentrale Rolle. Im Fokus stehen Elektrifizierung – etwa im Verkehr (E-Mobilität) und im Heizungsbereich (Wärmepumpen) – sowie Digitalisierung. Sie vernetzt gebäudetechnische Systeme, versorgt sie mit Strom und trägt so wesentlich zur Dekarbonisierung bei. Gleichzeitig fördert sie erneuerbare Energien durch Photovoltaikanlagen und Speicher und unterstützt die Elektrifizierung des Strassenverkehrs mit Haushaltsladestationen. «Diese Entwicklungen stellen unsere Installationsfirmen vor neue Herausforderungen, eröffnen aber gleichzeitig zahlreiche Geschäftsfelder, etwa in Photovoltaik und Gebäudeautomation», erklärt Simon Hämmerli, Direktor des Verbandes Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen EIT.swiss. «Einzelne Komponenten arbeiten nicht mehr isoliert, sondern werden zu integrierten Systemen vernetzt. Die Verbindung dieser Systeme ist ein zentrales Element der Ausbildungsberufe von EIT.swiss», sagt Hämmerli. Gebäudeinformatiker/-innen EFZ sind dabei die Spezialisten für die Integration von Gebäudeautomation, Kommunikation und Multimedia – etwa in den Bereichen Beleuchtung, Heizung und Klima, Zutrittskontrolle, Elektromobilität und Photovoltaik.
Mit der technischen Entwicklung Schritt halten
Eine immer wichtigere Rolle spielt zudem das intelligente Steuern von Energieflüssen, etwa durch Lastenmanagement. Gleichzeitig führt die Dekarbonisierung dazu, dass bei Heizungen und der Warmwasseraufbereitung ein Wechsel von fossilen Energieträgern hin zu Strom – langfristig aus erneuerbaren Quellen – stattfindet. «Die Bedeutung der Elektrobranche wird dadurch weiter steigen, denn die Zukunft ist elektrisch», bringt es Hämmerli auf den Punkt. Aus diesem Grund richtet der Verband seine Grund- und Weiterbildungsangebote laufend an den neuesten Anforderungen des Arbeitsmarktes aus. Bei formalen Ausbildungen mit ihren langen Entwicklungs- und Anpassungszyklen ist es jedoch schwierig, mit der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. «Ein Teil dieser Dynamik kann durch nonformale Weiterbildungsangebote aufgefangen werden», sagt Hämmerli und ergänzt: «Gleichzeitig bietet die Grundbildung – trotz des raschen technologischen Wandels – eine solide Basis. Entscheidend ist es, hier den richtigen Mix zu finden.»
«Sowohl KI als auch die Digitalisierung werden künftig eine immer wichtigere Rolle spielen.»
KI wird derzeit erst punktuell und vor allem von einzelnen Unternehmen systematisch eingesetzt – Voraussetzung für einen breiteren Einsatz ist ein klar definierter Business Case. Parallel dazu schreitet die Digitalisierung der gesamten Leistungserbringungsprozesse voran. Da an Bauprojekten zahlreiche Akteure beteiligt sind, verläuft die Umsetzung langsamer als ursprünglich erwartet. Auch das Bauen nach VDC- und BIM-Standards führt bislang noch ein Nischendasein. Dennoch ist für Hämmerli klar: «Sowohl KI als auch die Digitalisierung werden künftig eine immer wichtigere Rolle spielen.»
Gute Zukunftsaussichten mit den Elektroberufen
Als nationale Organisation der Arbeitswelt OdA der Elektrobranche organisiert EIT.swiss die überbetrieblichen Kurse üK und führt das Qualifikationsverfahren QV für die vier Elektroberufe Montageelektriker/-in EFZ / Elektroinstallateur/-in EFZ, Gebäudeinformatiker/-in EFZ und Elektroplaner/-in EFZ durch. «An unserem modernen Prüfungszentrum ZPO finden fast wöchentlich praxisnahe eidgenössische Prüfungen statt. Mehr als 1300 Personen absolvieren jährlich Prüfungen auf berufsprüfungs- und höherem Fachprüfungsniveau», erklärt Hämmerli. Damit gehört die Elektrobranche zu den grössten Ausbildnerinnen im Bereich technischer Berufe in der Schweiz. Jährlich beginnen rund 3000 künftige Fachkräfte eine Lehre in einem der vier Berufe. Hämmerli weist auf aktuelle Herausforderungen hin: «Beim Gebäudeinformatiker, der den Telematiker abgelöst hat, gibt es zu wenige Lehrstellen.» Gleichzeitig zählt der Elektroinstallateur laut Nahtstellenbarometer zu den Top Ten der beliebtesten Handwerksberufe.
Die revidierte Bildungsverordnung BiVo passt die Grundbildung der Elektroberufe an die aktuellen Anforderungen von Wirtschaft und Gesetzgebung an. Ab Sommer 2026 wird die Lehre nach der neuen BiVo durchgeführt. Auch die Höhere Berufsbildung wird an die veränderten wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie an die neuen Grundbildungen angepasst. «Die ersten Schritte sind erfolgreich initiiert worden», so Hämmerli. «Aufgrund der zahlreichen Abhängigkeiten wird die Umsetzung des Gesamtprojekts jedoch mehrere Jahre dauern.»
«Die duale Berufs-bildung gilt als Königsweg für praxisnahe Qualifikation.»
Die Elektroberufe bleiben attraktiv und bieten ausgezeichnete Zukunftsaussichten. Digitalisierung, Automation und der Ausbau erneuerbarer Energien sorgen dafür, dass qualifizierte Fachkräfte langfristig stark gefragt sind. Gleichzeitig macht sich auch in der Branche der demografische Wandel bemerkbar – ebenso wie die Konkurrenz durch andere Bildungswege. Entsprechend intensivieren Verband, Sektionen und Betriebe ihre Nachwuchsförderung mit der Präsenz an Berufsmessen, Schulveranstaltungen, Schnupperlehren und gezielten Kommunikationskampagnen, die die Vielfalt und Zukunftsfähigkeit der Elektroberufe vermitteln. Zudem setzt die Branche auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung sowie attraktive Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. «Eine Lehre in der Elektrobranche eröffnet vielfältige Karrierechancen – sowohl innerhalb der Branche als auch in verwandten technischen Berufsfeldern», betont Hämmerli. Die Elektroberufe sind zudem an Berufswettbewerben wie den SwissSkills respektive Euro- und WorldSkills stets präsent: «Berufswettbewerbe sind eine wichtige Leistungsschau der Branche und fördern gezielt junge Talente.» Und Häm-merli ergänzt: «Damit Berufsmeisterschaften – von den Schweizer Titelkämpfen bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaften – die verdiente Aufmerksamkeit erhalten, braucht es auf nationaler Ebene eine engere Zusammenarbeit zwischen Medien, Bundesämtern sowie Berufs- und Dachverbänden.»
Duale Berufsbildung auch auf der politischen Ebene stärken
Auch auf der politischen Ebene ist EIT.swiss stark vertreten. Der Verband unterhält einen eigenen Politbereich, der den Parlamentsbetrieb beobachtet, Stellungnahmen verfasst und aktives Lobbying betreibt. Denn Sicherheit, Qualität und Verlässlichkeit elektrischer Installationen müssen gewährleistet sein. Die Fachkräfte der Elektrobranche können dies nur unter den richtigen Rahmenbedingungen leisten. Besonders wichtig ist dabei der Erhalt der in der Niederspannungs-Installationsverordnung NIV festgeschriebenen Fachkundigkeit. Zudem bremsen heute bürokratische Auflagen den Ausbau erneuerbarer Energien und die Modernisierung des Gebäudeparks. «Hier ist eine Entlastung dringend nötig», fordert Hämmerli. Die Branche ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Deshalb muss die duale Berufsbildung gegenüber der akademischen Bildung gestärkt werden. «Sie gilt als Königsweg für praxisnahe Qualifikation, und Bund wie Kantone sind aufgerufen, ihr Engagement in diesem Bereich zu intensivieren», betont Hämmerli.
Die Elektrobranche steht vor grossen Herausforderungen: Technologische Fortschritte, die Elektrifizierung von Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Digitalisierung verändern das Arbeitsumfeld kontinuierlich. «Dies erfordert laufende Weiterbildung sowie die gezielte Rekrutierung, Sicherung und Bindung qualifizierter Fachkräfte», erklärt Simon Hämmerli. Gleichzeitig sind die Zukunftsaussichten vielversprechend. «Technologische Entwicklungen, die zunehmende Elektrifizierung und Digitalisierung machen elektrische Systeme in Gebäuden und Infrastrukturen immer wichtiger», so der dipl. Ingenieur ETH. Bereiche wie erneuerbare Energien, Elektromobilität, Gebäudeautomation und Energieeffizienz bieten der Branche langfristig erhebliches Wachstumspotenzial.
Corinne Remund
DAS MACHT EIT.SWISSBreit gefächerte Dienstleistungen
Ăśber 100 Jahre Erfahrung
EIT.swiss kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. 1906 schlossen sich 42 Elektroinstallationsfirmen in Olten zusammen, um gemeinsame Standards für den Schweizer Elektroinstallationsmarkt zu entwickeln. Daraus entstand ein klassischer Arbeitgeberverband, dessen Hauptaufgabe es ist, optimale Rahmenbedingungen für die Unternehmen der Branche zu schaffen.
Breit gefächerte Dienstleistungen
Die Dienstleistungspalette von EIT.swiss ist breit: Mitglieder profitieren von Beratungen, Versicherungen, Garantien, Normen, Arbeitssicherheit und Verhandlungen mit Sozialpartnern. Zusätzlich stehen ihnen ein Rechtsdienst mit kostenloser Beratung, ein Kalkulationstool (NPK) für Angebote und Projektkalkulation sowie Hilfsmittel und Vorlagen für die Geschäftsführung zur Verfügung. Die Partnerorganisation Elektro-Einkaufs-Genossenschaft (eev) bietet ergänzende Dienstleistungen wie Marketingtools oder Versicherungsservices an; eine Überschneidung der Mitglieder von rund 80 Prozent sorgt dafür, dass EIT.swiss diese Leistungen nicht doppelt anbietet. Eine zentrale Aufgabe des Verbandes ist das Engagement in der Berufsbildung. Zudem vertritt EIT.swiss die Interessen seiner Mitglieder auf politischer Ebene und pflegt ein weitreichendes Netzwerk zu Verbänden, Institutionen und Interessensvertretungen.
Die Elektrobranche ist eine KMU-Branche: Rund 80 Prozent der Mitgliedsfirmen sind kleine Unternehmen mit weniger als 15 Mitarbeitenden, die grösste beschäftigt über 3000 Personen. Insgesamt vereint EIT.swiss rund 2000 Firmen mit über 40`000 Mitarbeitenden und repräsentiert etwa 80 Prozent aller Arbeitsverträge der Branche. Der Gesamtumsatz beträgt rund 10 Milliarden Franken. CR
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