Publiziert am: 17.04.2026

Tun, was wir selber tun können

REGULIERUNG ODER RESILIENZ? – Energiekrise und starker Franken belasten die Schweizer Wirtschaft: Wie können Schweizer Unternehmen Herausforderungen in Chancen verwandeln? Wichtig sind in erster Linie günstige Rahmenbedingungen. Und dafür kann, ja muss die Schweizer Politik sorgen.

Im März 2026 stieg der Preis für ein Barrel der für Europa wichtigsten Rohölsorte Brent auf fast 120 Dollar – ein Anstieg um 30 Prozent innerhalb weniger Tage. Tatsächlich handelt es sich dabei um den Referenzpreis für Europa. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Berechtigter Pessimismus?

Handelt es sich also um einen neuen Schock bei den Preisen für fossile Energien? Die Erinnerungen gehen zurück in die 1970er-Jahre, in die Zeit des Schocks vom 17. Oktober 1973, als die Organisation der Erdöl produzierenden Länder (OPEC) ein Embargo gegen all jene Länder beschloss, die Israel unterstützten. Der Ölpreis stieg damals von 3 auf 12 Dollar; umgerechnet in heutige Dollar und um die stetige Abwertung bereinigt, entspräche dies einem Sprung von 20 auf 81 Dollar.

Und die heutigen Kommentatoren – zumindest die Pessimisten unter ihnen – fragen sich bereits, ob wir wieder in eine Phase der Stagflation eintreten werden. Stagflation ist eine Situation, in der ein Anstieg der Inflation mit einem schwachen Wachstum und steigender Arbeitslosigkeit einhergeht. Dies war in den 1970er-Jahren der Fall.

Nur vermeintlich beruhigend

Doch die Geschichte der Ölpreisschocks endet hier nicht, und man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es gab die Iranische Revolution im Jahr 1979, gefolgt vom Iran–Irak-Krieg im Jahr 1980. In jüngerer Zeit, ab 2003, löste die steigende Nachfrage aus Asien einen allgemeinen Preisanstieg aus. Und am 2. Januar 2008 erreichte der Brent-Preis mit 144 Dollar erneut einen Rekordwert.

Das Problem liegt darin, dass die Schweiz laut SECO im Jahr 2026 eine Inflationsrate von +0,1 Prozent und ein schwaches Wachstum von gerade mal 1 Prozent aufweist. Zahlen, die beruhigend wirken könnten, hinter denen sich jedoch eine weitaus angespanntere Realität verbirgt.

«Die Schweiz hat kein Erdöl, keine Roh-stoffe – nichts als Rahmenbedingungen, die ihre Stärke ausmachen.»

Angesichts des Krieges im Iran und der erhöhten Risiken in der Golfregion ist der Schweizer Franken zur sicheren Anlage par excellence geworden. Die Folge: Milliarden an Kapital aus den Vermögen der Golfstaaten strömen in die Schweiz, angezogen von unserer Stabilität und unserer Rechtssicherheit.

Vor diesem Hintergrund hat die SNB keine andere Wahl, als ihren Leitzins bei null Prozent zu belassen. Jede Erhöhung würde die Aufwertung des Frankens nur noch verstärken und unsere ohnehin schon unter Druck stehende Wirtschaft weiter ersticken. Die Aufwertung wirkt sich nicht nur auf die Exporte aus, deren Preise dadurch höher liegen als die der internationalen Konkurrenz, sondern auch auf die Binnenwirtschaft – insbesondere das Handwerk, das unter der Konkurrenz aus dem Ausland leidet, das zu günstigeren Preisen in die Schweiz kommt. Diese produzieren nicht in Schweizer Franken.

Ungleiche Realitäten

Diese Situation führt zu einem Paradoxon: Unternehmen mit geringer Rentabilität werden künstlich am Leben erhalten, nur weil die niedrigen Zinsen ihnen eine Atempause verschaffen. Unterdessen ersticken jene Branchen, die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind.

Rahmenbedingungen zählen

Welche Hebel stehen also zur Verfügung? Der Schweizerische Gewerbeverband sgv betont immer wieder: Die Schweiz hat kein Erdöl, keine Rohstoffe – nichts als Rahmenbedingungen, die ihre Stärke ausmachen. Doch heute wirken politische Entscheidungen – insbesondere neue Regulierungen – allzu oft unserem Wohlstand entgegen, wie etwa der Gegenvorschlag zur Initiative für verantwortungsvolle Unternehmen (vgl. Seite 1). Wir können es uns nicht leisten, diesen Punkt zu vernachlässigen. Wenn wir wollen, dass die Schweizer Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt, müssen wir jetzt handeln, um diese Rahmenbedingungen zu verbessern, sonst zahlt die ganze Schweiz den Preis dafür. Der Ball liegt nun bei den Entscheidungsträgern.

Mikael Huber, Ressortleiter sgv

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