Publiziert am: 08.05.2026

Alles dreht sich um die Digitalisierung

Megatrends – In der Autobranchen dominieren derzeit vier grosse Themen – getrieben von der Digitalisierung. Das Software Defined Vehicle steht dabei im Mittelpunkt. Weitere Themen sind die künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und die Batterietechnik.

Schon immer war der globale Automobilmarkt einem steten Wandel ausgesetzt. Die Vorlieben der Kundschaft ändern sich, genauso wie sich der Zeitgeist und die politischen Strömungen ändern. Die stetige technische Entwicklung eröffnet immer neue Möglichkeiten und schafft veränderte Spielräume für die Autohersteller. Aktuell dreht sich in der Branche fast alles um die Themen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und neue Batterietypen.

Das Software Defined Vehicle

Das Software Defined Vehicle (SDV) ist derzeit in aller Munde. Hinter diesem Akronym verbirgt sich ein neuer Entwicklungsansatz, bei dem softwaregesteuerte Funktionen und nicht mehr die Mechanik im Zentrum stehen. Ähnlich wie bei einem Smartphone basiert ein SDV auf einer leistungsfähigen Rechenhardware, einem Echtzeitbetriebssystem und einer modularen Softwarearchitektur, die per Over-the-Air-Updates aktuell gehalten werden kann.

«Wenn Sie sich ein Auto sehr vereinfacht vorstellen, dann haben Sie zuunterst das Rolling Chassis, also das gesamte Fahrwerk. Beim SDV wird nun darüber als zusätzliche Schicht die Softwarearchitektur gelegt», erklärt VW-Technikvorstand Kai Grünitz. «Diese E/E-Architektur regelt grundlegende Funktionen wie Antriebsansteuerung, Lenkung, Bremse, Infotainmentsystem oder Fahrerassistenz.»

Alle grossen Autohersteller haben inzwischen SDV-Plattformen entwickelt und für die kommenden Jahre zahlreiche neue Modelle darauf angekündigt. Das eröffnet neue Geschäftsfelder, da sich nicht nur Apps, sondern auch komplette Fahrfunktionen nachträglich anbieten lassen. Für die Kunden liegt der grösste Vorteil darin, dass das eigene Fahrzeug im digitalen Zeitalter technisch stets auf dem neuesten Stand bleibt. Als Kehrseite gelten Datenschutzbedenken sowie die Sorge, dass Fahrzeuge beim Kauf nicht mehr vollständig ausgereift sind, da funktionale Mängel später per Update behoben werden können.

Die künstliche Intelligenz (KI)

Die künstliche Intelligenz (KI) ist in der Autoindustrie längst angekommen. Sie kommt in Entwicklung und Produktion ebenso zum Einsatz wie bei modernen Fahrerassistenzsystemen oder im User-Interface, also in der Kommunikation von und mit dem Auto.

«Der globale Automobilmarkt war schon immer einem steten Wandel ausgesetzt.»

Besonders erlebbar ist KI bei intelligenten Sprachassistenten, mit denen sich heute weit mehr als einfache Funktionen steuern lassen. Dank der Anbindung an grosse KI-Modelle wie ChatGPT beantworten sie komplexe Fragen oder liefern kontextbezogene Informationen zur Umgebung.

KI ist zudem eine Schlüsseltechnologie für fortschrittliche Assistenzsysteme wie automatische Einparkfunktionen, Spurhalteassistenten oder Notbremssysteme. «Durch den Einsatz von KI bekommen die Kunden deutlich rascher neue Fahrzeuge mit zusätzlichen Funktionen», sagt VW-Entwicklungschef Kai Grünitz. «Zudem wird die KI im Auto immer erlebbarer, etwa durch immer bessere Fahrerassistenzfunktionen, durch digitale Assistenten im Infotainmentsystem, durch die man den Zugriff auf den eigenen Kalender oder das eigene Mailpostfach erhält und so das Auto zum mobilen Büro wird.»

Autonomes Fahren

Eng mit dem Thema KI verbunden ist das autonome Fahren. Seit Jahrzehnten gilt es als ein zentrales Versprechen der Automobilindustrie. Technisch beherrschen moderne Fahrzeuge bereits zahlreiche autonome Funktionen, doch die vollständige Integration in den Strassenverkehr mit all seinen variablen Faktoren bleibt anspruchsvoll. Aktuelle Autos können ferngesteuert ein- und ausparken, verkehren auf der Autobahn in einem bestimmten Tempobereich ohne Zutun des Fahrers und können dabei selbstständig die Spur wechseln oder in eine Ausfahrt abbiegen. Dabei spricht man vom Level 3 – beim fahrerlosen Shuttle ist dann Level 5 erreicht.

Bis dahin wird es laut VW-Vorstand Grünitz aber noch dauern, da dafür sowohl geeignete Infrastruktur als auch neue regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich sind. Auf Level 4 könne sich ein Auto aber in einem eingegrenzten Gebiet wie beispielsweise einer grösseren Stadt schon jetzt völlig autonom bewegen. «Das sehen wir ja heute schon, etwa bei Moia bei uns im Konzern. Der Rollout davon ist Ende 2026, Anfang 2027 geplant. Dann wird das auch für Kunden wirklich greifbar.»

Die Feststoffbatterie

Höhere Energiedichte, kürzere Ladezeiten und eine lange Lebensdauer: Die Feststoffbatterie gilt als Hoffnungsträger der Elektromobilität. Anders als bei heutigen Lithium-Ionen-Akkus wird die Ladung dabei nicht über einen flüssigen, sondern über einen festen Elektrolyten transportiert, meist in Form einer keramischen Schicht. Der bisherige Grafit-Minuspol wird durch reines Lithium ersetzt.

Die technische Umsetzung in die Grossserie stellt die Industrie jedoch vor Probleme. Nach zahlreichen Ankündigungen und wiederholten Verschiebungen scheint die Serienumsetzung nun näher zu rücken, zunächst allerdings in begrenzten Stückzahlen. Chinesische Hersteller wie Exeed, SAIC oder Dongfeng haben erste Serienstarts ab 2026 angekündigt. Etablierte Hersteller wie BMW, Toyota und Volkswagen planen eine breitere Einführung für den Zeitraum 2027 bis 2028. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass eine flächendeckende Marktdurchdringung erst mittelfristig realistisch ist, da Produktionskosten, Skalierung und Langzeitstabilität weiterhin zentrale Hürden darstellen.

Dave Schneider

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