AHV 2030: Die AHV braucht eine echte Reform, keine neuen Belastungen für die KMU
Frauen 50plus: Die Retterinnen der Wirtschaft
Die Konjunktur wirkt im Moment dämpfend und trübt unseren Blick auf den Arbeitsmarkt. Doch der demografische Fachkräftemangel schreitet kontinuierlich voran. Es treten laufend mehr Leute aus dem Arbeitsmarkt aus als neue nachrücken. Für Wirtschaftsleistung, Sozialwerke und Wohlstand ist das fatal.
Eine noch brachliegende Ressource
Um die fehlenden Fach- und Arbeitskräfte zu gewinnen, braucht es verschiedene Hebel: Zuwanderung, Innovation und Produktivitätssteigerung sowie die Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials.
Die Schweiz ist zwar Spitzenreiterin bei der Erwerbsbeteiligung, aber eine grössere Arbeitsmarktreserve liegt noch ziemlich brach: Frauen 50plus. Insgesamt sind rund 215 000 Frauen über 50 nicht erwerbstätig. Wie eine repräsentative Befragung der Schweizer Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zeigt, wären rund 136 000 von ihnen bereit, in den Arbeitsmarkt einzutreten. Das ist eine sehr beachtliche Zahl gemessen an den 460 000 Vollzeitstellen, die bis im Jahr 2035 fehlen werden.
Die zentrale Voraussetzung für den (Wieder-)Einstieg dieser Frauen ist nach deren Aussagen – neben Freude an der Arbeit – Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung. Sie wünschen sich flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmöglichkeiten und Homeoffice. Monetäre Anreize wie steuerliche Vorteile oder ein höherer Verdienst spielen hingegen kaum eine Rolle für ihren Entscheid, erwerbstätig zu werden.
Powerpaket 50plus
Eine stärkere Beteiligung von Frauen 50plus ist nicht nur quantitativ ein Gewinn für die Wirtschaft. Wie die Befragung zeigt, fällt diese Mitarbeitendengruppe mit der höchsten Arbeitsmotivation und Loyalität auf. 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen 50plus geben an, sich stärker zu engagieren, als von ihnen erwartet wird. 71 Prozent haben keine Absicht, ihre Stelle zu wechseln.
Die hohe Loyalität der Frauen 50plus spiegelt sich in ihrer Arbeitszufriedenheit wider: 80 Prozent sind zufrieden mit ihrer Arbeitsstelle. Das ist der höchste Zufriedenheitswert über alle Alters- und Geschlechtergruppen. Junge Erwerbstätige suchen dagegen häufiger Veränderung. Mehr als die Hälfte ist zumindest bei passender Gelegenheit zu einem Jobwechsel bereit.
Auch bezüglich Motivation schneiden Frauen wie Männer 50plus in der Befragung im Vergleich zu ihren jüngeren Kolleginnen und Kollegen auffallend positiv ab: 63 Prozent engagieren sich über die Erwartungen hinaus. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 55 Prozent und bei den 18- bis 29-Jährigen nur 45 Prozent.
Aktive Unternehmen statt ohnmächtiger Politik
Auch für die Sozialwerke ist es zentral, die Zahl der Erwerbstätigen zu stabilisieren. Anders lässt sich die Altersvorsorge nicht finanzieren. Ohne genug beitragszahlende Erwerbstätige sind Leistungsabbau und/oder eine Rentenaltererhöhung unausweichlich.
Die Politik weiss um diese Herausforderungen. Schliesslich bahnen sie sich seit Jahren an. Die Politik ist aber handlungsunfähig. Es fehlen Mehrheiten für eine strukturelle Reform der Altersvorsorge und möglicherweise auch für die Aufrechterhaltung des offenen Arbeitsmarktes gegenüber der Europäischen Union.
Gefragt sind deshalb Lösungen aus der Praxis. Die Unternehmen können genau dort ansetzen, wo Wirkung entsteht: die Arbeitsleistung von Mitarbeitenden 50plus anerkennen, strukturelle und kulturelle Barrieren gegenüber älteren Mitarbeitenden abbauen und die Arbeitsbedingungen flexibilisieren. Jedes KMU kann hier und jetzt damit beginnen. Die Belohnung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Denn Mitarbeitende 50plus sind überdurchschnittlich leistungsbereit und loyal; zudem bringen sie einen breiten Erfahrungsschatz mit. Sie zu rekrutieren und zu binden, ist betriebs- und volkswirtschaftlich ein Gebot der Stunde.
* Myra Fischer-Rosinger, Direktorin swissstaffing, Verband der Schweizer Personaldienstleister
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