Publiziert am: 08.05.2026

Gesundheits-Taliban im Machtrausch

NANNY STATE – Die Präventionslobby will allfällige Olympische Winterspiele in der Schweiz missbrauchen, um die Bevöl­ke­rung umzuerziehen. Horrende Alkohol­preise und ein striktes Rauch- und Nikotin­verbot sollen zum neuen Standard werden – inklusive Werbeverbote. Und als Testlauf für den Alltag. Ein düsteres Szenario.

Die mit Steuergeld gefütterte Präventionslobby hat ihr nächstes grosse Projekt entdeckt: die Olympischen Winterspiele 2038, die vielleicht in der Schweiz stattfinden sollen. Sie will, dass die Veranstaltung zu einem grossen Versuchslabor für eine Art «neuen guten Menschen» wird. Dieser darf nicht Alkohol trinken und – Gott behüte – schon gar nicht zwischendurch eine rauchen.

Eigenverantwortung, das war einmal. Das Ziel dieser Gesundheits-Taliban ist der totale Gouvernantenstaat, der die Bürger von mündigen zu rundum betreuungsbedürftigen Wesen degradiert, die von der Wiege bis zur Bahre belehrt und gegängelt werden sollen.

Kein Schnupf und kein Snus

Die Spassbremsen von der Präventionslobby, deren Lieblingsbeschäftigung darin besteht, anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben, fordern für die Winterspiele zum Beispiel horrende Preise für Alkohol und eine geringe Verfügbarkeit desselbigen. Das heisst, Alkohol soll möglichst nirgends angeboten werden und wenn, dann sauteuer sein. Ebenso fordert das Blaue Kreuz im Rahmen der Vernehmlassung zu den Spielen rigorose Werbeverbote. Der Verein Olympische und Paralympische Winterspiele 2038 müsse «auf Sponsoring für Alkohol-, Tabak- und Nikotinprodukte oder Sponsoring von Firmen, die Alkohol-, Tabak- und Nikotinprodukte herstellen oder in Verkehr bringen», verzichten.

Dem einfachen Zuschauer soll also der Kafi Luz am Pistenrand der Skirennen madig gemacht werden. Ob dieses strenge Regime auch für die Cüpli in den VIP-Arealen gelten soll? Das darf bezweifelt werden. Klar ist: Die «Krumme» soll gleich ganz verschwinden, selbst wenn man sich nur eine aus Jux anzündet, weil es gerade gut zur Stimmung passt. So will es die Anti-Tabak-Lobby. Doch sie geht noch viel weiter. So fordert die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention im Rahmen der Vernehmlassung vollständig «rauchfreie Spiele», die «ambitionierte Vorschläge beinhalten». Natürlich sollen dabei «sämtliche Tabak- und Nikotinprodukte» miteinbezogen werden, «ohne Ausnahmen für vermeintlich harmlosere Produkte». Das heisst also: keine Zigarette, keine «Krumme» und auch kein Vapen, kein Schnupftabak und kein Snus.

Man fragt sich, wo das endet, zumal bei dezentral organisierten Spielen. Muss – der «Einfachheit halber» – während des gesamten Grossanlasses gleich die ganze Schweiz rauchfrei sein? Was passiert, wenn jemand in seiner Stube oder auf seinem Balkon gleich bei einem Austragungsort einen Schnupf nimmt? Kommt dann die Polizei? Wird gar eine Hotline für Denunzianten eingerichtet, um solche «Verstösse» zu melden?

Bald ein Rauchverbot?

Doch nicht nur der Grossanlass selbst soll zum Versuchslabor für strengere Vorschriften werden. Vielmehr sehen all die erpresserischen Kostverächter der Präventionslobby diesen als Testlauf und Anstoss für grundsätzlich schärfere Regeln im Alltag. Was wird da auf die Normalbürger dereinst zukommen?

«Die Schweiz braucht keine Fräulein-Rottenmeier-Spiele.»

Ein Tabakverkaufsverbot wie in Grossbritannien, also de facto ein vollständiges Rauchverbot? Bald kein Fleisch, kein Kaffee, keine Süssigkeiten, keine Ovo, kein Red Bull mehr? Was übrigens auch dem Sport und den Athleten schaden würde, die auf Sponsoren angewiesen sind. Ein düsteres Zukunftsszenario – geprägt von wenig Lebensfreude.

Urs Furrer findet denn auch klare Worte zu den Forderungen der Präventionslobby: «Es ist ein Armutszeugnis, dass diese immer rigoroser vorschreiben will, was die Menschen im Alltag zu tun und zu lassen haben», sagt der sgv-Direktor und Geschäftsführer der Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik (AWMP). «In der Prävention sind Augenmass und Eigenverantwortung unverzichtbar.» Und mit Blick auf mögliche Winterspiele in der Schweiz meint er in Anlehnung an die strenge Gouvernante im berühmten Roman «Heidi» von Johanna Spyri: «Die Schweiz braucht sicherlich keine Fräulein-Rottenmeier-Spiele, die nur dazu dienen, ja missbraucht werden, um die Bevölkerung umzuerziehen.»

Rolf Hug

Die Haltung des sgv

Grundsätzlich positiv

Der sgv steht der Kandidatur grundsätzlich positiv gegenüber, sofern die Spiele auf bestehenden Infrastrukturen basieren. Angesichts der angespannten finanzpolitischen Situation ist eine zurückhaltende und transparente Verwendung öffentlicher Mittel zentral. Wichtig ist, dass lokale Unternehmen und das Gewerbe in den Austragungsregionen möglichst direkt von der Durchführung der Spiele profitieren können. Die Umsetzung der vorgesehenen Anforderungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Transparenz und Governance muss pragmatisch erfolgen – ohne zusätzliche regulatorische oder administrative Belastungen für Unternehmen, insbesondere für KMU.

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