Publiziert am: 08.05.2026

Nein zu Planwirtschaft und Bürokratie

«10‑MILLIONEN-SCHWEIZ» – Die Gewerbe­kammer des Schweizerischen Gewerbe­verbands sgv hat die Volksinitiative «Keine 10‑Millionen-Schweiz!» deutlich abgelehnt. «Für Schweizer KMU führt das Rezept ‹alles in einen Topf und Deckel drauf› gleich zu mehreren Problemen», sagt sgv-Direktor Urs Furrer mit Blick auf die Abstimmung vom 14. Juni.

Die Volksinitiative «Keine 10‑Millionen-Schweiz!», über die wir am 14. Juni 2026 abstimmen, spricht wichtige Themen an. Sie bringt aber keine Lösung, sondern schafft neue Probleme: mehr Bürokratie, mehr Beamte und mehr Staat.

Vereinfacht gesagt lautet das Rezept der Initiative: Man werfe alle Formen der Zuwanderung in ein und denselben Topf, füge die Entwicklung der einheimischen Bevölkerung hinzu und schraube am Schluss einen Deckel drauf. Was einfach klingt, ist ein grobes und undifferenziertes Instrument, das den Bedürfnissen der Wirtschaft nicht gerecht wird.

Für KMU problematisch

Für Schweizer KMU führt ein solches Rezept zu mehreren Problemen:

Problem Nr. 1: Fachkräfte würden durch Asyl und Familiennachzug verdrängt

Weil die Initiative alles in den gleichen Topf wirft, würde die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung durch Asyl und Familiennachzug konkurrenziert. Steigen diese Zahlen, bringt dies die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung unter Druck. Für KMU würde es schwieriger, gezielt Mitarbeitende mit den benötigten Fähigkeiten zu finden. Aufträge könnten nicht ausgeführt werden.

Problem Nr. 2: Nicht mehr der Markt, sondern Beamte entscheiden

Heute steuert der Arbeitsmarkt einen wesentlichen Teil der Zuwanderung. Wer aus einem EU- oder EFTA-Land kommt und einen Job findet, kann bleiben. Der Regulator ist der Markt. Nach Annahme der Initiative wäre es umgekehrt: Der Staat gibt die Rahmenbedingungen vor. Dabei ist der Staat dem Markt unterlegen, wenn es darum geht, Arbeitskräfte dort einzusetzen, wo sie am produktivsten sind.

«DIE INITIATIVE BESTRAFT UNTERNEHMEN – DAS DARF NICHT SEIN!»

Sind Kontingente ausgeschöpft, erhalten KMU keine Bewilligungen mehr. Sind die benötigten Fachkräfte im Inland nicht verfügbar, heisst das: Aufträge können nicht ausgeführt werden, Kunden springen ab, neue Aufträge können nicht angenommen werden ...

Problem Nr. 3: KMU-feindliche Kontingentierung

Die Mühsal der Kontingentierung für KMU kennen wir aus der Zeit vor der Personenfreizügigkeit. Früher wurden bei Kontingenten immerhin Konjunktur und Bedarf berücksichtigt. Neu würden sie sich nur noch an der Nettozuwanderung orientieren. Die Bedürfnisse der KMU spielten keine Rolle mehr. Kontingente wären kein wirtschaftspolitisches Instrument, sondern nur noch ein Mittel zur Steuerung der Bevölkerungszahl.

Problem Nr. 4: Mehr Bürokratie

Die Kontingentierung bedeutet: Formulare, Anträge, Wartezeiten und Verfahren. Die Bürokratiekosten steigen stark. Das trifft KMU besonders, da sie weniger Ressourcen haben als Grossunternehmen. Letztere können mit ihren HR-Abteilungen die Bürokratie besser bewältigen.

Nicht zulasten der KMU

Die Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials ist wichtig, reicht als Rezept aber nicht. Auch bei maximaler Nutzung – Erhöhung von Arbeitspensum und Rentenalter, Förderung der Berufsbildung, stärkere Integration der inländischen Bevölkerung ins Berufsleben – bleibt eine Lücke. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden in Zukunft viele Arbeitskräfte fehlen. Darum ist ganz klar: KMU müssen weiterhin unkompliziert Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren können.

Oder anders gesagt: Probleme im Asylbereich müssen gelöst werden, aber nicht zulasten der KMU! Die Initiative vermischt alles und bestraft Unternehmen für Fehlentwicklungen in anderen Bereichen. Das ist nicht zielführend. Das kann und darf nicht sein.

Urs Furrer, Direktor sgv

www.nein-chaos.ch

INITIATIVEN von Bund, Kantonen und Sozialpartnern

Vielseitig aktiv – seit Jahren und auf allen Ebenen

Seit über zehn Jahren engagiert sich der Schweizerische Gewerbeverband sgv zusammen mit den Sozialpartnern in der Frage einer besseren Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials. Dies auch, um dem Mangel an Fachkräften, aber auch an Arbeitskräften entgegenwirken und um Druck von der Zuwanderung nehmen zu können. Zahlreich sind die Initiativen, die seitens Bund, Kantone und Sozialpartner lanciert worden sind. Dazu gehören unter anderem:

Tripartite Agglomerationskonferenz zur besseren Ausnutzung des Arbeitskräftepotenzials (2012)

Fachkräfteinitiative zur bessern Gewinnung von Fachkräften im Inland (2014)

Integrationsvorlehre (Invol) (2018)

Viamia als Standortbestimmung für über 40‑jährige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich lange nicht mehr haben bewerben müssen (2020)

Strategie öffentliche Arbeitsvermittlung 2030 lanciert mit dem Ziel, die regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV noch besser auf die Vermittlung vorzubereiten (2024)

Sozialpartnerdialog für Massnahmen zur besseren Integration von inländischen Arbeitskräften in den Arbeitsmarkt (2024)

Projekt Perspecta mit dem Ziel, Personen aus dem Familiennachzug noch besser in den Arbeitsmarkt integrieren zu können (2025)

Der sgv wird Mitträger von focus50+ mit Fokus auf die Unterstützung von Arbeitskräften, die älter als 50 Jahre sind (2025)

Webinare mit dem Ziel der Informationsvermittlung, wie Personen mit Status S in den Arbeitsmarkt integriert werden können (2025)

Meist Gelesen