Publiziert am: 22.05.2026

Schiffe, Bubble-Hotels und Abenteuer

Die Ostschweiz entdecken – Der Kanton Thurgau begeistert mit Natur, Kultur und besonderen Erlebnissen – von aussergewöhnlichen Unterkünften bis zu stimmungsvollen Schifffahrten in der Dreiländerregion. Tourismusdirektor Adrian Braunwalder setzt auf Nachhaltigkeit und Vielfalt – und zeigt, was den Mostkanton so besonders macht.

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie positioniert sich der Thurgau heute im Wettbewerbsumfeld der Schweizer Tourismusregionen – und wodurch hebt er sich klar ab?

Adrian Braunwalder: Der Thurgau ist eine landschaftsstarke Destination und bietet authentische Erlebnisse abseits des Massentourismus. Hier finden Gäste Ruhe in einer Landschaft, die aber auch perfekt für Entdecker ist. Ein Qualitätstourismus, der im Einklang mit der Natur und den Bedürfnissen der Bevölkerung steht.

Welche zentrale Botschaft oder welches LebensgefĂĽhl soll langfristig mit dem Ferienland Thurgau verbunden werden?

Inmitten von Apfelblüten, Weinreben, Obstgärten, historischen Orten und dem Bodensee bietet der Thurgau naturnahe Ferien ohne Hektik – dafür voller kleiner Erlebnisse. Hier geht es nicht um Spektakel, sondern um bewusstes Erleben, echte Begegnungen und überraschend vielseitige Momente.

Der Thurgau-Bodensee gilt als vielseitige und naturnahe Ferienregion. Welche besonderen «Perlen» machen die Region aus Ihrer Sicht einzigartig?

Der Startschuss für die Thurgauer Saison fällt jedes Jahr mit der Blueschtzeit, wenn sich die Region in ein weiss-rosa Blütenmeer verwandelt. Den Untersee und den Rhein per Schiff entdecken, versprüht ebenfalls besondere Magie: Vorbei an historischen Orten und verträumten Fischerhäusern verbindet hier eine der schönsten Wasserreisen Europas Natur, Kultur und Erlebnis. Unser Terrain mit sanften Hügeln, endlosen Naturwegen und ruhigen Strassen ist schliesslich ideal zum Velofahren für jedes Niveau.

Vom Seeufer über die Rebberge bis hin zu ländlichen Hofbetrieben: Wie würden Sie die kulinarische Identität des Thurgaus beschreiben?

Die kulinarische Identität des Thurgaus lebt vom Terroir-Prinzip. Die Apfel- und Mosttradition prägen die Region stark. Aber auch die Weinkultur und weitere Bodenschätze prägen die kulinarische Identität. Es wird Wert gelegt auf kurze Wege zwischen Produktion, Gastronomie und Gästen. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Null-Kilometer-Menü der Kartause Ittingen, das aus eigenen Erzeugnissen besteht und einen wichtigen Beitrag zur Regionalität und CO2-Reduktion leistet.

Welche kulturellen, touristischen oder wirtschaftlichen Leuchttürme prägen das Profil des Thurgaus besonders stark?

Im Thurgau sind es nicht die grossen Leuchttürme, die glänzen, sondern die Orte und Ereignisse, die durch ihre Geschichte und Ausstrahlung beeindrucken. Die Kartause Ittingen ist ein bedeutendes Kultur- und Begegnungszentrum, während das Napoleonmuseum auf dem Arenenberg internationale Bekanntheit geniesst. Historische Ortskerne wie Bischofszell, Arbon, Diessenhofen und Gottlieben sowie unsere vielfältige Museenlandschaft sind wertvolle Zeitzeugen der Region. Auch unsere aussergewöhnlichen Übernachtungen, wie die Himmelbetten, strahlen mit den Sternen um die Wette. Veranstaltungen wie die Paddel-Parade, das SUP-Kino und der beliebte «slowUp Bodensee» ziehen Besucher weit über die Kantonsgrenze hinaus an. Und nicht zuletzt ist die Dreiländerregion ein geografischer Trumpf – wo sonst werden Landesgrenzen durch eine kurze Schifffahrt oder einen Spaziergang überwunden?

Die Bubble-Hotels haben den Thurgau als Pionierregion für aussergewöhnliche Übernachtungen bekannt gemacht. Was macht dieses Konzept so erfolgreich?

Die Bubble-Hotels und Himmelbetten wie «Schlafen unter dem Apfelbaum», Schwebebett oder Schlafen im Strandkorb, treffen den Zeitgeist. Sie bieten ein einzigartiges Erlebnis unter freiem Himmel. Naturnahe Übernachtungen und Glamping ergänzen das Angebot und bieten Gästen aussergewöhnliche Übernachtungen inmitten intakter Natur.

Die Erwartungen der Gäste verändern sich stetig – insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit und Individualisierung. Wie begegnet Thurgau Tourismus diesen Entwicklungen strategisch?

Nachhaltigkeit liegt uns am Herzen. Wir haben das Swisstainable-Label des Schweizer Tourismusverbands erlangt sowie den Lead des Innotour-Projekts Nachhaltigkeitsmanagement, das unsere Branche auf dem Weg in eine umweltfreundliche Zukunft unterstĂĽtzen wird. Wir begleiten unsere Partner als Wegweiser und unterstĂĽtzen unsere Partner dabei, nachhaltiger zu werden. Das ist unsere Rolle.

Welche Rolle spielen Digitalisierung, Online-Buchbarkeit und datenbasierte Marketingstrategien in Ihrer Arbeit?

Die Digitalisierung ermöglicht eine zielgerichtete Ansprache der Gäste. Online-Buchbarkeit bietet Komfort und Effizienz für individuelle Erlebnisse. Dabei bleibt der persönliche Kontakt vor Ort in den Tourismus-Infostellen oder am Telefon ein geschätzter Bestandteil bei Thurgau Tourismus.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben, Gemeinden und Leistungsträgern für eine erfolgreiche Destinationsentwicklung?

Die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren ist entscheidend, um das Gästeerlebnis zu gestalten. Thurgau Tourismus agiert koordinierend und unterstützend, um gemeinsam mit Partnern das Angebot zu entwickeln und die Region als attraktive, vielfältige Destination zu stärken.

Wo sehen Sie derzeit die grössten Herausforderungen für touristische Anbieter im Thurgau?

Die starke, aber kurze Hauptsaison und unsere begrenzte Sichtbarkeit ausserhalb des Thurgaus sind Herausforderungen. Frühling und Herbst bieten Potenzial, müssen aber noch stärker entwickelt werden. Auch steigende Kosten infolge Umweltveränderungen, die sich oft in Form von zusätzlichen Investitionen äussern, stellen touristische Anbieter vor neue Hürden.

Wie unterstützt Tourismus Thurgau kleinere Betriebe dabei, ihre Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken?

Durch die Mitgliedschaft sichern sich kleinere Betriebe Zugang zu vielfältigen Kommunikationsmassnahmen und Dienstleistungen. Webinare und massgeschneiderte Angebote helfen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihre Wettbewerbsfähigkeit in einer dynamischen Branche zu steigern. Für den Erfolg ist Engagement auf beiden Seiten notwendig.

Welche Vision verfolgen Sie fĂĽr den Tourismusstandort Thurgau bis 2030?

Wir möchten den Thurgau bis 2030 von einem Geheimtipp zu einer Must-see-Destination entwickeln. Unser Ziel ist es, die Region als vielseitiges, nachhaltiges Ferienziel zu etablieren, das Natur, Kultur und Erlebnisse einzigartig miteinander vereint.

Welche strategischen Projekte oder Innovationen stehen aktuell besonders im Fokus?

Die 2026 lancierte Themenwelt Naturliebe wird die Region noch enger miteinander verbinden – in den Bereichen Natur, Kultur und Genuss. Im Frühling und im Herbst bieten wir erstmals das Typisch-Thurgau-Erlebnisprogramm mit authentischen Erlebnissen an. Darüber hinaus fördern wir die Entwicklung von Tourismusstrukturen in Grenzgebieten und intensivieren die Zusammenarbeit mit Nachbarorganisationen, um die Region noch besser zu vernetzen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt «Hörnli-Bergland», das wir gemeinsam mit den Tourismusorganisationen Toggenburg Tourismus und Standortförderung Zürcher Oberland ins Leben gerufen haben. Ziel dieses Projekts ist es, die voralpine Landschaft rund um Hörnli, Schnebelhorn und Tössstock als lebendigen Natur- und Kulturraum nachhaltig zu stärken.

Wenn Sie einen Wunsch für die zukünftige touristische Entwicklung des Thurgaus frei hätten – welcher wäre das?

Ich wünsche mir, dass wir Thurgauer den Kanton im Selbstverständnis noch stärker als Tourismuskanton verankern. Der Tourismus hat das Potenzial, einen grösseren Beitrag zur Wirtschaftsleistung des Thurgaus zu leisten und die Region national und international bekannter zu machen.

Interview: Corinne Remund

www.thurgau-bodensee.ch

Zur Person

Adrian Braunwalder ist Geschäftsleiter von Thurgau Tourismus und verantwortet zugleich den Bereich Produktmanagement. Der Tourismusexperte ist seit rund elf Jahren für die Organisation tätig und übernahm 2025 die operative Leitung. Zuvor leitete er unter anderem das Produktmanagement und den Gästeservice mit den Infostellen in Arbon, Kreuzlingen und Frauenfeld. Braunwalder spielte zudem eine zentrale Rolle beim Aufbau von Thurgau Tourismus zur modernen Destinationsmanagementorganisation («DMO 2023»). Neben seiner Tätigkeit engagiert er sich als Vizepräsident des Vereins Destination Lab sowie als Geschäftsführer des slowUp Bodensee.

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