Publiziert am: 08.05.2026

Zwischen Wandel und Wertigkeit

EINRICHTENSCHWEIZ – Die Einrichtungsbranche befindet sich im Wandel zwischen steigenden Kundenerwartungen, Digitalisierung und wachsender Regulierung. In einem heterogenen Markt, der von Serienfertigung bis Handwerk reicht, gewinnen die Qualität und die persönliche Beratung ebenso an Bedeutung wie neue Technologien, Bildungsreformen und politische Interessenvertretung.

Ob Möbel gekauft, neue Vorhänge ausgewählt oder ein Bodenbelag erneuert wird: Kundinnen und Kunden erwarten heute eine umfassende Begleitung – von der ersten Idee bis weit über den Kauf hinaus. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Vielfalt, Wandel und steigenden Ansprüchen positioniert sich die Einrichtungsbranche. «Unsere Branche ist äusserst heterogen und kleinteilig organisiert: Sie vereint Serienfertiger, Beratungsanbieter und handwerklich geprägte Betriebe unter einem Dach», erklärt Walter Pretelli, Geschäftsführer von einrichten schweiz. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und Globalisierung die Rahmenbedingungen rasant und entsprechend vielfältig sind die Herausforderungen und Bedürfnisse innerhalb von einrichtenschweiz.

Im strukturellen Wandel der Einrichtungsbranche zeichnet sich ein klarer Erfolgsweg ab: Spezialisierung und Individualität im Premiumsegment. «Wer hochwertige und klar differenzierte Leistungen anbietet, kann sich auch im internationalen Wettbewerb behaupten – unabhängig von Betriebsgrösse oder Unternehmensform», so Pretelli. Diese konsequente Ausrichtung führt zu einer anspruchsvollen Kundschaft, die grossen Wert auf Qualität, Design und ein ganzheitliches Erlebnis legt. Doch trotz fortschreitender Digitalisierung bleiben das Wohnen und das Einrichten ein ausgeprägtes People-Business. «Kundinnen und Kunden sind heute bestens informiert, vergleichen Angebote kritisch und treten mit klaren Erwartungen auf. Umso wichtiger wird die persönliche, kompetente Beratung», betont Pretelli und ergänzt: «Wer Vertrauen schafft, auf individuelle Bedürfnisse eingeht und echte Mehrwerte bietet, kann sich in diesem anspruchsvollen Marktumfeld nachhaltig behaupten.»

«Swissness» und Qualität als wichtige Orientierung

Die Schweizer Einrichtungsbranche verbindet moderne Ansprüche mit bodenständiger Tradition und ist innovativ und zugleich tief verwurzelt. «Qualität wird dabei ganzheitlich verstanden – nicht nur als technische Präzision, sondern auch als Ausdruck von Haltung, gelebten Werten und nachhaltigem Gestalten», erklärt Pretelli. Gleichzeitig bleibt die Branche emotional eng mit ihrer Herkunft verbunden. Schweizer Möbel stehen weiterhin für Verlässlichkeit und Qualität – selbst dann, wenn nicht jedes Bauteil vollständig aus der Schweiz stammt. «Swissness» fungiert dabei als wichtiger Orientierungswert, sowohl in der Beratung als auch im Handwerk, und unterstreicht die Bedeutung von Schweizer Dienstleistungsanbietern innerhalb der Branche. Mit creationsuisse engagiert sich einrichtenschweiz zudem aktiv für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Initiative hebt die gestalterische Kompetenz der Branche hervor und trägt dazu bei, ihre Sichtbarkeit sowohl national als auch international zu stärken.

Hightech wird in der Schweizer Einrichtungsbranche gezielt eingesetzt, um Innovation voranzutreiben. Insbesondere in der Fertigung eröffnet moderne Technologie neue Möglichkeiten. Gleichzeitig bleibt der Bezug zur handwerklichen Tradition und zur hochwertigen Materialität erhalten – eine Verbindung, die den besonderen Charakter der Branche ausmacht. «Der zentrale Treiber für Innovation und neue Marktchancen in unserer Branche ist derzeit die künstliche Intelligenz», so Pretelli. Ihr gezielter Einsatz – insbesondere in der Produktentwicklung und in der Fertigung – führt zu erheblichen Produktivitätssteigerungen und eröffnet gleichzeitig neue kreative wie wirtschaftliche Spielräume entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ab 2028 neues Berufsbild Interieurdesigner EFZ

einrichtenschweiz engagiert sich breit für die Weiterentwicklung der Berufsbilder in der Branche. Im Zentrum steht dabei die Reform der Berufspalette, insbesondere die Zusammenführung verwandter Berufe zu klaren, zukunftsfähigen Profilen. Die Bildungsaufgaben werden dabei im Dachverband gebündelt und gemeinsam getragen – unter anderem in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Fachschule für Wohnen und Gestalten sowie durch die Präsenz an den SwissSkills. Dazu Pretelli: «Unser Ziel ist eine moderne, attraktive Berufsbildung mit einer klaren und starken Branchenidentität.» Gleichzeitig treibt einrichtenschweiz die Entwicklung neuer Bildungsstrategien voran, um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen. Dazu zählen modulare Ausbildungskonzepte, die Bündelung ähnlicher Berufsbilder, der Ausbau praxisnaher Weiterbildungsangebote sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit Betrieben, Fachschulen und weiteren Partnern. Ergänzt wird dies durch digitale Lernformate und die gezielte Ansprache neuer Zielgruppen – mit dem Ziel, das Berufsfeld langfristig attraktiver und zukunftsfähig zu gestalten. Ab 2028 werden die drei Berufe Industriepolsterer, Wohntextilgestalterin und Raumausstatter mit aktuell rund 50 Lernenden pro Jahr zu einem neuen Berufsbild vereint – dem Interieurdesigner EFZ. «Der Beruf verbindet handwerkliche Tradition mit zeitgemässer Gestaltungskompetenz und reflektiert den Wandel der Branche hin zu vielseitigerem, vernetztem Know-how im Einrichtungsbereich», konkretisiert Pretelli.

«Nicht der Nachwuchs ist das Problem, sondern das Ausbildungsangebot – hier liegt die zentrale Herausforderung.»

Der Branchennachwuchs bleibt weiterhin auf einem starken Niveau. einrichtenschweiz geniesst weiterhin hohes gesellschaftliches Ansehen, und über die etablierten Kanäle finden viele junge Menschen den Weg zur Branche. Was fehlt, sind genügend Lehrstellenplätze. «Nicht der Nachwuchs ist das Problem, sondern das Ausbildungsangebot – hier liegt die zentrale Herausforderung.» einrichtenschweiz baut sein Weiterbildungsangebot konsequent aus und setzt damit ein klares Zeichen für die Zukunft der Branche. Zu den zentralen Angeboten zählen die Passerelle zum Interieurdesigner mit Zertifikat, der Einrichtungsplaner mit eidgenössischem Fachausweis sowie der bereits harmonisierte Meistertitel im Bereich Raumausstattung. «Diese Bildungswege stärken die vertikale Durchlässigkeit und tragen dazu bei, qualifizierte Fach- und Führungskräfte gezielt zu fördern», so Pretelli.Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften hoch. Insbesondere qualifizierte Berufsleute sind stark gefragt. Dieser Nachfrageüberhang unterstreicht die langfristigen Chancen der Branche: Sie ist in der Lage, auch künftige Märkte mit kompetenten Fachpersonen zu versorgen, und positioniert sich als attraktives Berufsfeld mit klaren Perspektiven.

Zwischen Regulierung und Zukunftsgestaltung

einrichtenschweiz engagiert sich auch auf politischer Ebene und bringt seine Anliegen über den Schweizerischen Gewerbeverband sgv ein, dem der Verband angeschlossen ist. Ergänzend dazu setzt einrichtenschweiz auf ein gezieltes, situationsbezogenes Stand-by-Lobbying. Dieses Vorgehen ist pragmatisch, flexibel und themenscharf ausgerichtet und ermöglicht es, relevante Anliegen der Branche dort einzubringen, wo sie politisch aktuell und wirksam verhandelt werden. Das derzeit drängendste Anliegen betrifft die gesetzliche Einhaltung von Vorschriften. «Die zunehmende Regulierungsdichte aus der EU wirkt sich auch auf Schweizer KMU aus, wird jedoch politisch bislang nur unzureichend differenziert behandelt. Statt praxisorientierter Lösungen stehen häufig weiterhin grundsätzliche, ideologisch geprägte Diskussionen über eine Pro- oder Kontra-EU-Haltung im Vordergrund», betont Pretelli. Für die Unternehmen der Einrichtungsbranche stehen jedoch konkrete Umsetzungsfragen im Alltag im Zentrum: «Unsere Mitglieder sind gefordert, neue regulatorische Anforderungen effizient und rechtskonform umzusetzen – unabhängig von der politischen Grosswetterlage.»

Die Branche befindet sich im Wandel und richtet sich mit viel Potenzial konsequent auf die Zukunft aus. Vor diesem Hintergrund arbeitet einrichtenschweiz derzeit intensiv an der Strategie 2035. Im Zentrum steht die Frage, wie der Verband künftig politisch wirksam, strukturell schlank und zugleich schlagkräftig aufgestellt sein muss, um die Interessen der Einrichtungsbranche auch in einem zunehmend komplexen und dynamischen Umfeld nachhaltig vertreten zu können. «Unser Ziel ist der Aufbau einer zukunftsfähigen und resilienten Verbandsarchitektur, die den langfristigen Anforderungen der Branche gerecht wird», so der Geschäftsführer. Corinne Remund

www.einrichtenschweiz.ch

DAS MACHT EINRICHTEN SCHWEIZ

Gemeinsam für Möbel, Handel und Innenausbau

Die drei Teilverbände – Schweizer Möbelindustrie, Möbelfachhandel und interieursuisse – bilden gemeinsam einrichtenschweiz. Sie vertreten entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Interessen der Einrichtungsbranche: von der Herstellung über den Handel bis zum Innenausbau. Die Verbände möbelschweiz und interieursuisse bündelten ihre Kräfte und gründeten gemeinsam am 12. Oktober 2020 den Dachverband einrichten schweiz. Damit reagierte die Einrichtungsbranche auf den Strukturwandel. Während einer mehr als 4-jährigen Phase bereiteten sich die Verbände auf diesen Zusammenschluss unter einem Dach vor. einrichtenschweiz ist ein typischer Unternehmerverband. Als klassischer Interessenvertreter fokussiert er sich auf die berufliche Grundbildung, branchenspezifische Nachwuchsförderung sowie auf die Unterstützung seiner Mitglieder in Fragen der gesetzlichen Rechtskonformität, insbesondere bei neuen Regulierungen und gesetzlichen Anforderungen. Der Verband versteht sich als praxisnaher Partner, der sich für ihre Anliegen einsetzt, sie vernetzt und in Fach-, Bildungs- und Rechtsfragen gezielt unterstützt. Er schafft einheitliche Qualitätsstandards für Möbelhandel und -industrie. Er fördert zudem die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mitglieder und tritt ein für die Grundsätze des fairen Wettbewerbs. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit über die Medien sowie Präsenz im Internet sind weitere Aufgaben.

7500 bis 9000 Beschäftigte

einrichtenschweiz zählt rund 500 Mitglieder – vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen, viele davon Mikrobetriebe. Diese KMU prägen das Rückgrat der Einrichtungsbranche. einrichtenschweiz geht aktuell von rund 7500 bis 9000 Beschäftigten in der Einrichtungsbranche aus. Die Branche erzielt einen jährlichen Umsatz von zwischen 5 und 7 Milliarden Franken – ein beachtlicher wirtschaftlicher Beitrag, getragen von überwiegend kleinbetrieblichen Strukturen mit hoher Wertschöpfungstiefe. CR

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