Publiziert am: 12.06.2026

Swissness in ihrer schönsten Form

TRYBOL AG – Seit 125 Jahren entwickelt und produziert die Trybol AG in Neuhausen am Rheinfall Kosmetik- und Pflegeprodukte – vollständig in der Schweiz. Das Familienunternehmen verbindet klassische Eigenmarken mit einem stark wachsenden Private-Label-Geschäft und setzt dabei konsequent auf Swissness, Nachhaltigkeit und kurze Wege.

Die Trybol AG in Neuhausen am Rheinfall wurde vor 125 Jahren gegründet. Das Unternehmen, das Kosmetik-, Körperpflege-, Haarpflege- und Mundpflegeprodukte herstellt, wurde 1900 gegründet und gehört damit zu den ältesten Herstellern seiner Branche in der Schweiz. Historisch geht die Marke auf ein Kräuter-Mundwasser zurück, das der Schaffhauser Zahnarzt G. Adolf Trüeb entwickelte. Später übernahm die Familie Minder die Firma. Heute wird sie von Thomas Minder in der 3. Generation geführt. Das erfolgreiche Businessmodell der Trybol AG beruht auf zwei Standbeinen: den Eigenmarken und dem Private Labelling. «Wir entwickeln auch für Kleinstkunden – wie ein Nagelstudio oder einen Coiffeur – Rezepturen kostenlos und gehen dann in die Produktion. Mit dem Risiko, dass es mehrere Anläufe braucht, bis alles passt – oder es gar nicht zu einem Abschluss kommt», erklärt der CEO Thomas Minder seine Philosophie. Zudem gehören Nachhaltigkeit, Bodenständigkeit, Sozialkompetenz und Kundennähe zum Erfolgsrezept des Schaffhauser KMU.

Sämtliche Produkte werden am Standort Neuhausen entwickelt und hergestellt. Inzwischen erwirtschaftet das Unternehmen rund zwei Drittel seines Umsatzes mit Private Labeling beziehungsweise Lohnherstellung. Dabei produziert Trybol im Auftrag Dritter und vertreibt die Produkte unter deren Marken. «Wir entwickeln auch in diesem Geschäftsfeld die Rezepturen vollständig im eigenen Haus – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt.» Und Minder ergänzt: «Unsere Erfolgsformel ist ein Mix aus guter Qualität, bezahlbaren Preisen, einem ausgeprägten ökologischen Bewusstsein und viel Swissness. Ergänzt wird dies durch klassische Unternehmergrundsätze und eine konsequent langfristige Perspektive.»

Vertrauen durchSwissness und Qualität

Wer auf Swissness setzt, ist bei Trybol an der richtigen Adresse. Eine besondere Verbindung dazu besteht seit Generationen: «Mein Grossvater entwickelte einst das Armbrust-Logo, das bis heute der Markenschutzorganisation Swiss Label an Unternehmen vergeben wird, die definierte Kriterien zur Schweizer Herkunft erfüllen. Bereits unsere ersten Produkte des Unternehmens trugen das Matterhorn auf ihren Etiketten», freut sich Minder. Die Schweiz steht im Ausland längst nicht nur für Uhren und Schokolade, sondern auch für hochwertige Kosmetik- und Pflegeprodukte. Gerade im Wettbewerb mit Herstellern aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, den USA oder Südkorea kann die Schweizer Herkunft ein wichtiges Differenzierungsmerkmal sein. «Das Image der Schweiz als Land mit sauberem Wasser, intakter Natur und hohen Qualitätsstandards schafft Vertrauen – und genau damit lässt sich im Markt punkten.»

Zu den bekanntesten Marken des Unternehmens zählen Trybol für Mund- und Zahnpflege, Balma für Baby- und Körperpflege sowie die Haarpflegelinien Tomaii und Jobra. Tomaii ist seit mehr als 70 Jahren exklusiv im Coiffeurfachhandel erhältlich. Zum Sortiment gehören zudem das traditionelle Haarwasser Birkenblut sowie die Gesichts- und Körperpflegemarke Bicosmetic. Zu den jüngsten Entwicklungen des Hauses zählt eine vollständig vegane Zahnpasta. «Wir haben sie im vergangenen Jahr anlässlich unseres 125-Jahr-Jubiläums auf den Markt gebracht», sagt Minder. Das Produkt wird in einer rezyklierbaren 100-Milliliter-Aluminiumtube angeboten. Dahinter steht eine klare Einschätzung der Marktentwicklung: «Wir glauben, dass die nächste grosse Welle eine ökologische sein wird. Das bedeutet: weg von immer kleineren Ver-packungen hin zu nachhaltigeren Grosspackungen.» Damit greift das Unternehmen einen Trend auf, der Ressourcenschonung und Abfallvermeidung stärker in den Fokus rückt.

«Das Image der Schweiz als Land mit sauberem Wasser, intakter Natur und hohen Qualitäts-standards schafft Vertrauen – und genau damit lässt sich im Markt punkten.»

Bei den Inhaltsstoffen setzt das Unternehmen nach Möglichkeit auf Rohstoffe aus der Schweiz oder zumindest aus Europa. Auf lange Transportwege will man bewusst verzichten. «Wir wehren uns dagegen, Rohstoffe um die halbe Welt fliegen zu lassen», sagt Minder.

Ganz ohne Importe geht es jedoch nicht. So stammt der für das traditionelle Birkenblut verwendete Birkensaft aus Finnland, während das verwendete Kokosöl ursprünglich von den Philippinen kommt. Wo Schweizer oder europäische Alternativen fehlen, setzt das Unternehmen auf möglichst nachhaltige und qualitativ hochwertige Bezugsquellen. Auch bei den Lieferanten setzt das Unternehmen auf kurze Wege. Praktisch alle Hersteller und Handelspartner stammen aus der Schweiz, nur vereinzelt arbeitet Trybol mit Unternehmen aus Deutschland oder Frankreich zusammen. Damit bleibt ein grosser Teil der Wertschöpfung in der Region und die Transportwege werden möglichst kurzgehalten. Die Kundschaft von Trybol ist breit aufgestellt. Beliefert werden Fachgeschäfte, Warenhäuser und Grossverteiler ebenso wie Coiffeursalons, Nagelstudios und Barbershops. Zu den Abnehmern zählen zudem Hotels sowie Pflege- und Asylzentren. Damit deckt das Unternehmen, das rund 30 Angestellte vorwiegend in Teilzeit beschäftigt, ein breites Spektrum des Schweizer Detail- und Fachhandels ab.

BedĂĽrfnisse der Kunden im Zentrum

Nachhaltigkeit und Innovation werden bei Trybol nicht als Schlagworte verstanden, sondern im Unternehmensalltag konsequent gelebt. «Jeder Entscheid muss auch morgen, übermorgen und langfristig noch tragbar sein», sagt Minder. Als zentralen Erfolgsfaktor sieht das Unternehmen jedoch die Qualität – nicht nur bei den Produkten, sondern auch im Umgang mit den Kunden. «Gleichbleibende Qualität und eine verlässliche Kundenbetreuung sind das A und O unseres Erfolgs», betont Minder. Entsprechend werde der Kundenfokus bei allen Entscheidungen ins Zentrum gestellt. Wettbewerbsfähigkeit bedeutet für Trybol vor allem Agilität: «Kleine Teams, kurze Entscheidungswege, wenig Bürokratie und eine überschaubare Zahl an Sitzungen ermöglichen es uns, schnell und kundenorientiert zu handeln», sagt Minder. Die Nähe zur Kundschaft gilt dabei als wichtiger Erfolgsfaktor.

Die Unternehmenskultur basiert auf offener und direkter Kommunikation sowie einem starken Teamgedanken. «Unser Ziel ist es, Aufgaben beim ersten Mal richtig zu erledigen – verbunden mit einem klaren Anspruch an Fehlerfreiheit.» Ergänzt wird dies durch konsequente Kundenorientierung und striktes Kostenbewusstsein. Ein kontinuierlicher Prozess ist bei Trybol Weiterbildung. Eine enge interne Kommunikation und die Nähe zu den Mitarbeitenden gelten als entscheidend, um deren Know-how und Leistungsbereitschaft gezielt zu fördern und optimal einzusetzen.

Das Unternehmen bildet Mitarbeitende regelmässig intern weiter, damit sie neue Aufgabenbereiche übernehmen können. So sollen Kompetenzen laufend erweitert und flexibel eingesetzt werden. «Wir bieten zudem Inklusionsarbeitsplätze an und unterstützen Migrantinnen und Migranten beim Erwerb der Sprache. Damit möchten wir die Integration in den Arbeitsalltag aktiv fördern», betont Minder.

Hoher Aufwand durch EU-Regulierung und mehr Kosten

Der Standort Schweiz ist für das Unternehmen von zentraler Bedeutung. Ein stabiler und gesunder Wirtschaftsstandort ist entscheidend für den Erfolg und den Wohlstand des Landes. Kritisch äussert sich Minder zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und zur hohen Zahl an Konkursen: «Viele wären nicht zwingend, wenn der Verwaltungsrat seine Aufgaben gemacht hätte.» Er betont zudem die Bedeutung wirtschaftsfreundlicher Rahmenbedingungen und kritisiert, dass diese Zusammenhänge aus seiner Sicht von vielen politisch links stehenden Parteien und Politikern leider nicht begriffen werden. Zu den grössten Herausforderungen des Unternehmens zählen weiterhin die steigenden Kosten. Diese können nur bedingt direkt an die Kundschaft weitergegeben werden, was den Margendruck erhöht. Hinzu kommt die Regulierung, die im Unternehmen für Sorge sorgt. «Die Schweizer Kosmetikverordnung verweist direkt auf die einschlägigen und sich laufend ändernden EU-Vorgaben, was einen erheblichen administrativen und organisatorischen Aufwand verursacht», stellt Thomas Minder fest. Zu den nächsten grösseren Projekten zählt die weitere Modernisierung des Maschinenparks. Im Jahr 2026 soll dieser durch zusätzliche Abfüllanlagen ergänzt werden. Damit investiert das Unternehmen gezielt in die Effizienz und den Ausbau der Produktionskapazitäten.

Corinne Remund

www.trybol.ch

ZUR PERSON

Thomas Minder ist Unternehmer und Inhaber der Trybol AG mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall. Er führt das traditionsreiche Schweizer Unternehmen in dritter Generation und hat dessen Entwicklung hin zu einem breit aufgestellten Hersteller und Lohnproduzenten von Kosmetik- und Pflegeprodukten massgeblich geprägt.

Einem breiteren Publikum bekannt wurde Minder auch als politischer Akteur: Er initiierte die sogenannte Abzocker-Initiative, die 2013 in der Schweiz angenommen wurde und zu strengeren Regeln bei den Vergütungen von Spitzenmanagern börsenkotierter Unternehmen führte. Unter seiner Leitung setzt Trybol weiterhin stark auf Produktion in der Schweiz, kurze Lieferketten, Nachhaltigkeit sowie eine klare Ausrichtung auf Qualität und Swissness. CR

Meist Gelesen