Publiziert am: 03.07.2026

Erdöl hält die Welt am Laufen

avenergy – Mit dem Irankrieg und der Sperrung der Strasse von Hormus ist die globale Ölversorgung diesen Frühling wieder einmal drastisch in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Krisen wie diese zeigen vor allem eines: Erdöl ist für die globale Wirtschaft nach wie vor unverzichtbar. Auch in der Schweiz läuft bis auf Weiteres nichts ohne fossile Energie.

Der Ärger der Autofahrer war diesen Frühling mal wieder gross: die Treibstoffpreise gingen durchs Dach, auf einmal kostete eine Tankfüllung deutlich mehr als zuvor. Tatsächlich sind hohe Energiepreise nicht nur ein Ärgernis für die Konsumenten, sondern eine grosse Belastung für die gesamte Volkswirtschaft. Die Preisexplosion folgt jedoch einer simplen Marktlogik: wenn es irgendwo in der globalen Versorgung klemmt, reagieren die internationalen Märkte rasch auf die drohende Verknappung, und der Preis für ein Fass Öl steigt an.

«Die Dekarbonisierung ist ein Marathon und kein Sprint.»

Dies spĂĽrt auch der Schweizer Markt: Der Handel kommt nicht darum herum, die gestiegenen Preise an die Kundschaft weiterzugeben.

Unverzichtbarer Energieträger

Viele Medien, Umweltverbände und Politiker nutzten die Gunst der Stunde, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, die Welt müsse endlich vom Öl loskommen. Ein reichlich naiver Trugschluss: Öl, Gas und Kohle spielen für die Energieversorgung der Welt nach wie vor eine tragende Rolle. Gerade eine Krise wie diejenige, die wir gerade erleben, führt uns schonungslos vor Augen, wie unverzichtbar der Energieträger Erdöl für das Funktionieren der Weltwirtschaft ist und wie wichtig stabile und intakte Versorgungswege sind.

Auch in der Schweiz zeigt sich: die Dekarbonisierung ist ein Marathon und kein Sprint. Die Abkehr von fossilen Energieträgern geht deutlich weniger schnell voran, als es sich viele vorgestellt hatten. Dies beweist ein Blick auf die offiziellen Absatzzahlen bei den Mineralölprodukten für das Jahr 2025: So wurden im vergangenen Jahr insgesamt rund 6.01 Milliarden Liter Treibstoffe für den Strassenverkehr in Umlauf gebracht und damit nur unwesentlich weniger als 2024 (6.06 Mia. Liter). Auf die gesamte Wohnbevölkerung der Schweiz gerechnet ergibt das einen Verbrauch von rund 660 Liter Diesel oder Benzin pro Kopf. Auch im langfristigen Vergleich zeigen sich äusserst stabile Absatzzahlen: Seit der Corona-Pandemie hat sich die verbrauchte Menge Strassentreibstoffe kaum verändert; sie lag in den letzten fünf Jahren stets bei rund sechs Milliarden Litern. Stetig steigende Einwohnerzahlen und ein anhaltend hohes Mobilitätsbedürfnis halten sich mit immer effizienter werdenden Motoren und einer Zunahme von Hybrid- und Elektrofahrzeugen die Waage.

Fliegen, was das Zeug hält

Im Gegensatz dazu zeigen die Absatzzahlen bei den Flugtreibstoffen weiterhin deutlich nach oben: Zum mittlerweile vierten Mal in Folge hat der Absatz beim Flugpetrol zugenommen. 2025 wurden in der Schweiz 2.32 Milliarden Liter Flugtreibstoffe in Umlauf gebracht, drei Prozent mehr als 2024.

«Eine sichere und bezahlbare Energie-versorgung wird höher gewichtet als der überstürzte und planlose Ausstieg aus einem bewährten Energieträger.»

Schweizerinnen und Schweizer fliegen also nach wie vor, was das Zeug hält – ein Zeichen wachsenden Wohlstands, Bedenken wegen des Klimas müssen hintanstehen.

Weiterhin nur auf tiefem Niveau stieg 2025 allerdings der Absatz an biogenen oder synthetischen Flugtreibstoffen (Sustainable aviation fuels, «SAF»), nämlich von 1.2 auf knapp 1.5 Millionen Liter. Was nach viel klingt, entspricht gerade Mal einem halben Promille des Gesamtabsatzes. Per 1. Januar 2026 hat die Schweiz die EU-Bestimmung übernommen, wonach der Flugtreibstoff mindestens zwei Prozent SAF beinhalten muss. Angesichts der Zahlen ist es also mehr als fraglich, ob diese Vorgaben im laufenden Jahr eingehalten werden können – die Dekarbonisierung liegt beim Fliegen immer noch in weiter Ferne.

Kaum Rückgang beim Heizöl

Auch im Heizungsbereich geht die Dekarbonisierung nur schleppend voran, obwohl nirgendwo sonst derart viele klimaschonende Alternativen bereitstehen, wie beim Heizen. 2025 wurde mit knapp 2.3 Milliarden Litern praktisch gleich viel Heizöl abgesetzt wie im Vorjahr. Der seit Jahren feststellbare Absatzrückgang hat sich somit weiter abgeschwächt. Ein Grund könnte sein, dass beim Ersatz der Ölheizung durch erneuerbare Heizsysteme in den letzten Jahren die tiefhängenden Früchte geerntet wurden. Diejenigen Hauseigentümer aber, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel für den Einbau einer Wärmepumpe verfügen, bleiben so lange wie möglich bei ihrer Ölheizung.

Fazit: Trotz Krise, Krieg und Klimaschutz bleibt die rasche Dekarbonisierung der Schweiz bis auf Weiteres reines Wunschdenken. Stand heute ist Mineralöl beim Fliegen, in der Industrie und in allen anderen energieintensiven Bereichen durch nichts zu ersetzen. Und selbst da, wo der Umstieg auf erneuerbare Energien heute bereits technisch möglich ist und politisch gefördert wird – auf der Strasse und im Heizungskeller – geht er nur schleppend voran. Das an der Urne beschlossene Klimaziel «Netto-Null-2050» rückt Jahr für Jahr in weitere Ferne. Dies hat mittlerweile auch die Bevölkerung eingesehen: satte 85 Prozent der Befragten sind laut einer Studie von Avenergy Suisse und Sotomo aus dem vergangenen Herbst der Meinung, die Schweiz werde ihre Klimaziele nicht erreichen. Es ist offensichtlich: Eine sichere und bezahlbare Energieversorgung wird höher gewichtet als der planlose Ausstieg aus einem bewährten Energieträger. Mineralölprodukte wie Benzin, Diesel oder Heizöl bilden noch lange einen Grundpfeiler unserer Energieversorgung.

Ueli Bamert,

Avenergy Suisse

Mineralöl-Import

Wie gelangt unser Ă–l zu uns?

Die Schweiz fördert bekanntlich kein eigenes Öl, flüssige Energie muss folglich importiert werden. Rund zwei Drittel der importierten Menge sind im Ausland verarbeitete Fertigprodukte wie Benzin, Diesel, Heizöl oder Flugpetrol; ein Drittel wird in Form von Rohöl eingeführt, welches in der einzigen Schweizer Raffinerie im Neuenburgischen Cressier zu Endprodukten für den Schweizer Markt verarbeitet wird. Die Einfuhr geschieht auf unterschiedlichen Wegen: 2025 kam rund ein Fünftel unseres Mineralöls per Schiff über den Rhein in die Schweiz, knapp ein Drittel per Kesselwagen auf der Schiene, hauptsächlich aus Deutschland, und jeder vierte Liter Öl wurde via Frankreich per Pipeline importiert. Nur ein sehr kleiner Teil gelangt schlussendlich auf der Strasse zu uns.

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