Publiziert am: 14.08.2026

Die Meinung

Option KKW: Eine wichtige Versicherung für unser Land

Wer gerade in Südfrankreich in den Sommerferien weilt oder dies noch vorhat, dem empfehle ich einen Besuch der Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. Nicht nur, weil es mit seinen klimatisierten Räumen eine willkommene Abkühlung verspricht. Bereits das von Victor Vasarely selbst entworfene Gebäude ist ein Hingucker. Nebst eindrücklichen Installationen, Kunstwerken und Informationen zum Leben und Wirken des Künstlers gibt es auch andere interessante Entdeckungen zu machen. Zum Beispiel Bilder von Projekten zur Verschönerung von Kühltürmen von Kernkraftwerken. Die Entwürfe sind im typischen Vasarely-Stil gezeichnet: Riesige geometrische Raster, welche mit der Wölbung der Türme spielen. So schön könnten Kühltürme sein.

Die Zeichnungen von Vasarely waren nicht nur eine Auftragsarbeit für einen französischen Energieversorger, sondern auch ein Bekenntnis des Künstlers zur Kernenergie. Diese betrachtete er als Symbol des technischen Fortschritts. Dabei sah er Frankreich in einer weltweiten Schlacht um Kernenergie. 1980 schrieb er: «Si la France gagne sa propre bataille nucléaire énergétique, elle sera victorieuse dans le monde entier.»

Gewiss, da war viel Pathos im Spiel. Aber immerhin: Frankreich hat die Kernenergie konsequent ausgebaut und gehört heute in diesem Bereich zur Weltspitze. Davon profitiert auch die Schweiz, indem sie Strom aus Frankreich importiert. Wie wichtig diese Importe sein können, zeigte sich im Jahr 2022: Zahlreiche französische Kernkraftwerke waren damals gleichzeitig in Revision, weshalb die Lieferungen weitgehend ausblieben. Zusammen mit der europäischen Gaskrise und der Trockenheit liess dies die Strompreise explodieren. Das hatte spürbare Folgen für die Bevölkerung und für KMU in der Schweiz.

2019 wurde hierzulande das Kernkraftwerk Mühleberg vom Netz genommen. Obwohl es noch voll funktionsfähig und sicher betreibbar war. Die Betreiberin sprach damals gar vom «höchsten Stand der Technik in seiner Geschichte». Drei Jahre später musste der Bund dann zum Stromsparen aufrufen und bereitete die Bevölkerung und die Wirtschaft auf Verwendungsbeschränkungen, Kontingentierungen und als Ultima Ratio sogar auf Netzabschaltungen vor. Strommangel und Abschaltpläne wie in einem Entwicklungsland: Das hätte sich in der Schweiz früher kaum jemand vorstellen können.

Die Kernenergie ist neben der Wasser-, der Solar- und der Windkraft ein wichtiger Bestandteil eines breit abgestützten Strommixes. Sie produziert wetterunabhängig und übernimmt damit gewissermassen die Funktion einer Versicherung. Angesichts dessen, dass der Ausbau der Erneuerbaren langsamer vorankommt als erhofft und teilweise auf erheblichen Widerstand stösst, bleibt eine solche Versicherung auch in Zukunft wichtig. Deshalb ist der Beschluss des Parlaments, das KKW-Neubauverbot aufzuheben, richtig.

Das KKW-Neubauverbot wurde in der Schweiz damals unter dem Eindruck der Tsunami-Katastrophe im japanischen Fukushima und in der Meinung beschlossen, die Schweiz könne künftig vollständig auf Kernkraft verzichten. Seither hat sich gezeigt, dass zumindest die Option auch von neuen KKW als Absicherung wichtig bleibt. Das muss in der Kampagne zur Abstimmung über das Referendum gegen die Aufhebung des Neubauverbots aufgezeigt werden. Die Volksabstimmung darüber findet voraussichtlich im Frühjahr 2027 statt.

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