Publiziert am: 04.09.2026

Elektromobilität: Die Ausreden gehen aus

In Norwegen waren im Juli 98 Prozent der neu eingelösten Autos reine Elektroautos, in Dänemark 80 Prozent. Sie sind günstiger im Betrieb, sauberer und leiser. Die Modellpalette ist breit und auch der Occasionsmarkt attraktiv. Trotzdem fällt die Schweiz zurück: Nur 26 Prozent der Neuregistrierungen im Juli waren elektrisch. Höchste Zeit, die grösste verbleibende Hürde zu beseitigen: Wer einen Parkplatz mietet, muss dort auch laden können.

Die Schweiz hat ein Energieproblem, das zugleich Klima und Wirtschaft betrifft: Unsere Energieversorgung hängt zu über 70 Prozent von Importen fossiler Energieträger und Kernbrennstoffen ab. Bei diesen sind wir vollständig vom Ausland abhängig. Jeder Liter Benzin und Diesel, den wir nicht verbrennen, reduziert diese Abhängigkeit und hält Wertschöpfung im Inland.

Gerade bei der Reduktion der CO²-Emissionen kommen wir im Verkehr viel zu langsam voran. Während die Treibhausgasemissionen der Gebäude seit 1990 um 47 Prozent und jene der Industrie um 33 Prozent gesunken sind, beträgt der Rückgang beim Verkehr gerade einmal 10 Prozent. Mit rund einem Drittel der Schweizer Treibhausgasemissionen ist der Verkehr heute der grösste Emittent.

Dabei gibt es keine Ausreden mehr. Vom Kleinwagen über Familienautos und SUVs bis zu Liefer- und schweren Lastwagen gibt es heute eine breite und preislich attraktive Modellpalette. Die Reichweiten sind alltagstauglich, das Schnellladenetz wächst, und die Preise sind stark gesunken. Auch der Occasionsmarkt bietet Elektroautos zu sehr guten Preisen.

Und elektrisch fahren ist günstiger als fossil. Strom kostet pro Kilometer deutlich weniger als Benzin oder Diesel, der Elektromotor ist um ein Vielfaches effizienter und der Wartungsaufwand kleiner. Elektrofahrzeuge fahren zudem ohne Abgase und wesentlich leiser. Für Haushalte und Gewerbebetriebe mit eigener Photovoltaikanlage oder Quartierstromlösungen wird es besonders interessant: Der eigene Solarstrom kann direkt im Fahrzeug genutzt werden.

Die grösste verbleibende Hürde ist das Laden zu Hause. Für Menschen ohne Eigenheim ist der Zugang zu einer eigenen Ladestation bis heute stark eingeschränkt. Das betrifft in der Schweiz mehr als drei Viertel der Bevölkerung – europäischer Spitzenwert.

Deshalb hat das Parlament meine Motion «Laden von Elektroautos im Mietverhältnis und Stockwerkeigentum» angenommen. Der Bundesrat hat die Umsetzung nun in die Vernehmlassung geschickt. Künftig sollen Eigentümerschaften verpflichtet werden, auf Verlangen die Grundinstallation fürs Laden zu erstellen: Stromzuleitung, Verbrauchszuordnung und, wo nötig, intelligentes Lastmanagement. Die individuelle Ladestation beschafft die Nutzerin oder der Nutzer.

Diese Aufgabenteilung ist richtig. Die Grundinstallation gehört zum Gebäude – genauso wie Wasser-, Internet- oder Waschmaschinenanschlüsse, Aufzüge oder die Lüftung einer Einstellhalle, die wegen der Abgase von Verbrennungsfahrzeugen notwendig ist. Niemand käme auf die Idee, dass jeder Mieter seine eigene Steigzone fürs Internet bauen soll. Solche Gebäudeinfrastrukturen werden von der Eigentümerschaft erstellt und über die Mieten mitfinanziert. Beim Laden darf es nicht anders sein.

Die Kosten sind planbar. Ein gemeinsam mit HEV, SVIT und Mieterverband erarbeiteter Leitfaden beziffert die Vorausstattung auf 500 bis 1500 Franken pro Parkplatz. Die Investition kann über die Parkplatzmiete refinanziert oder durch einen Contractor finanziert und betrieben werden. Ein koordiniertes Lastmanagement verhindert zudem teure Leistungsspitzen und unnötige Netzausbauten.

Die Fahrzeuge sind da, die Preise stimmen und der Strom kann in der Schweiz produziert werden, im optimalen Fall sogar dort, wo geladen wird. Jetzt müssen wir die letzten praktischen Hindernisse beseitigen. Wer einen Parkplatz mietet, muss dort auch laden können. So wird Elektromobilität für alle zugänglich und die Schweiz Schritt für Schritt unabhängiger vom Erdöl.

*Jürg Grossen, Unternehmer, Nationalrat, Parteipräsident der GLP Schweiz, Präsident Elektromobilitätsverband Swiss eMobility

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