Sinkflug der Grundkompetenzen gefährdet die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
Gast soll entscheiden – nicht der Staat
ABSTIMMUNG – Die Stärke unserer Gastronomie liegt in ihrer Vielfalt und in einem Restaurant treffen ganz unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Doch mit der Ernährungsinitiative stehen nicht nur die Wahlfreiheit und ein Stück Schweizer Esskultur auf dem Spiel, sondern auch KMU sowie Arbeits- und Ausbildungsplätze, schreibt GastroSuisse-Präsident Beat Imhof.
Die Ernährungsinitiative verspricht mehr Versorgungssicherheit. Tatsächlich würde sie das Gegenteil bewirken: weniger Wahlfreiheit, höhere Preise und eine grössere Abhängigkeit vom Ausland. Für die Gastronomie, für zahlreiche KMU und letztlich für die Gäste wäre das ein schlechter Tausch.
Die Stärke unserer Gastronomie liegt in ihrer Vielfalt. In einem Restaurant treffen ganz unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander: Der eine Gast isst vegan, ein anderer vegetarisch, jemand muss auf Unverträglichkeiten achten, andere freuen sich auf ein traditionelles Gericht mit Schweizer Fleisch oder Käse. Gute Gastgeber werden all diesen Erwartungen gerecht. Nicht, weil der Staat die Speisekarte vorgibt, sondern weil Betriebe ihre Gäste kennen und ihr Angebot laufend weiterentwickeln.
Tiefgreifender Umbau
Doch mit der Initiative steht nicht nur die Wahlfreiheit auf dem Spiel, sondern auch ein Stück Schweizer Esskultur. Fondue, Raclette, Trockenfleisch oder Zürcher Geschnetzeltes sind mehr als Gerichte. Sie gehören zur kulinarischen Identität unseres Landes. Gleichzeitig stehen hinter ihnen Bauernfamilien, Metzgereien, Käsereien, Lebensmittelbetriebe, Restaurants und zahlreiche weitere KMU. Wer tierische Produkte politisch verknappt und verteuert, greift deshalb nicht nur in unsere Essgewohnheiten ein, sondern in ganze regionale Wertschöpfungsketten.
Genau diese Vielfalt, dieses kulinarische Erbe und die unternehmerische Freiheit setzt die Ernährungsinitiative aufs Spiel. Sie will den Netto-Selbstversorgungsgrad auf 70 Prozent erhöhen und dieses Ziel mit einem tiefgreifenden Umbau von Produktion und Konsum erreichen. Im Zentrum stehen mehr pflanzliche Ernährung und weniger Tierhaltung. Für Restaurants hätte das konkrete Folgen: weniger Auswahl, steigende Warenkosten, eine Verknappung einheimischer Produkte und mehr Importabhängigkeit.
Das ist widersprüchlich. Heute stammen rund 80 Prozent des in der Gastronomie angebotenen Fleisches aus der Schweiz. Drei von vier GastroSuisse-Mitgliedern kaufen in der Regel Schweizer Fleisch. Wird die inländische Produktion politisch geschwächt, müssen die Betriebe stärker auf Importe ausweichen. Versorgungssicherheit entsteht aber nicht durch weniger Schweizer Produktion.
Existenzen geraten unter Druck
Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck. Die Warenkosten machen in Restaurants im Durchschnitt rund 27 Prozent des Umsatzes aus. Viele Betriebe kämpfen seit Jahren mit steigenden Kosten. Weitere Verteuerungen lassen sich nicht einfach auffangen. Am Ende zahlen die Gäste mehr, gehen seltener auswärts essen oder weichen ins grenznahe Ausland aus. Damit geraten Umsatz, Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und Existenzen unter Druck.
Die Gastronomie verschliesst sich der Nachhaltigkeit nicht. Viele Betriebe setzen längst auf regionale Produkte, saisonale Küche und ein breiteres pflanzliches Angebot. Dieser Wandel ist sinnvoll und findet bereits statt. Er funktioniert aber nur, wenn er sich an den Bedürfnissen der Gäste orientiert und für die Betriebe wirtschaftlich tragbar bleibt. Innovation entsteht durch Nachfrage, Qualität und unternehmerische Initiative, nicht durch staatlich verordnete Ernährung.
Was auf den Teller kommt, sollen die Gäste entscheiden – nicht der Staat. Deshalb sagt GastroSuisse NEIN zur Ernährungsinitiative.
Beat Imhof, Präsident GastroSuisse und Vorstandsmitglied sgv
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