Publiziert am: 18.09.2026

Staatsmenü? Nein, danke!

ABSTIMMUNG – Die Ernährungsinitiative verfolgt wichtige Ziele – doch sie setzt auf den falschen Weg. Ein staatlich vor­ge­ge­bener Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent würde Produktion, Konsum und Preise stärker politisieren. Für die Schweizer KMU-Wirtschaft ist deshalb klar: Am 27. September braucht es ein NEIN.

Ernährungssicherheit ist keine Nebensache. Die Schweiz muss auch in Krisenzeiten über ausreichend Lebensmittel verfügen. Ebenso wichtig sind eine leistungsfähige Landwirtschaft und eine ressourcenschonende Produktion. Genau deshalb verdient die Ernährungsinitiative eine ernsthafte Auseinandersetzung. Nur: Gute Ziele machen noch keine gute Wirtschaftspolitik.

Die Initiative verlangt, dass mindestens 70 Prozent der in der Schweiz konsumierten Lebensmittel künftig im Inland produziert werden. Heute liegt der Netto-Selbstversorgungsgrad im Durchschnitt bei rund 45 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren müsste die inländische Versorgung damit massiv ausgeweitet werden. Gleichzeitig verlangt die Initiative eine stärkere Ausrichtung auf pflanzliche Lebensmittel sowie weitere Vorgaben zum Schutz von Wasser, Boden und Biodiversität.

Das Problem ist nicht das Ziel einer nachhaltigeren Ernährung. Das Problem ist die Verankerung eines konkreten Produktionsziels in der Bundesverfassung, der Selbstversorgungsgrad lässt sich nicht einfach politisch beschliessen.

70 Prozent sind kein Gratisziel

Die Schweiz ist ein dicht besiedeltes Land mit begrenzten landwirtschaftlichen Nutzflächen. Rund zwei Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche bestehen aus Grünland. Diese Flächen lassen sich nicht ohne Weiteres in Ackerland für den direkten Anbau von Lebensmitteln umwandeln. Gleichzeitig würde eine stärkere Ausrichtung auf pflanzliche Produktion die heutige Zusammensetzung der Landwirtschaft verändern.

Genau hier wird es für die Wirtschaft relevant. Der Staat müsste über Direktzahlungen, Produktionsanreize, Regulierung oder Marktabschottung Einfluss nehmen. Das beträfe nicht nur Landwirtschaftsbetriebe, betroffen wäre die gesamte Lebensmittelkette. Die Schweiz verfügt bereits heute über eine stark ausgebaute Agrarpolitik. Die Frage muss deshalb erlaubt sein: Wie viel zusätzliche staatliche Steuerung ist noch sinnvoll – und wer bezahlt sie?

KMU tragen die Folgen

Für einen Landwirtschaftsbetrieb ist die Initiative unmittelbar relevant. Für viele andere KMU wirken die Konsequenzen indirekter, aber nicht weniger real. Ein Lebensmittelverarbeiter oder ein Restaurant müsste seine Lieferkette neu organisieren. Wenn bestimmte Rohstoffe knapper und teurer werden, steigen die Beschaffungskosten. Ein Gastronom kann höhere Einkaufspreise nicht beliebig an seine Gäste weitergeben. Ein Lebensmittelproduzent kann internationale Rohstoffe nicht einfach durch Schweizer Produkte ersetzen, wenn diese nicht verfügbar oder wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig sind.

Gerade für KMU ist Planbarkeit entscheidend. Zusätzliche Vorgaben erhöhen auch den administrativen Aufwand und das unternehmerische Risiko. Wenn der Staat vorgibt, welche Produktionsrichtungen gefördert werden sollen, müssen Unternehmen ihre Investitionen stärker an politischen Rahmenbedingungen statt an Kundenbedürfnissen und Marktsignalen ausrichten. Das widerspricht einem Grundsatz, der gerade für die Schweizer Wirtschaft wichtig ist: Unternehmen sollen produzieren, was Kunden nachfragen – nicht was der Staat für richtig hält.

Versorgungssicherheit braucht offene Märkte

Auch beim Thema Versorgungssicherheit greift die Initiative zu kurz. Sicherheit entsteht nicht allein durch möglichst viel Produktion im Inland. Sie entsteht durch robuste Lieferketten, ausreichende Lagerbestände, funktionierende Verkehrswege, diversifizierte Beschaffung und verlässliche internationale Handelsbeziehungen. Die Schweiz ist bei zahlreichen Produkten auf Importe angewiesen. Das ist keine Schwäche, sondern Teil einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft.

Versorgungssicherheit darf nicht mit maximaler Selbstversorgung verwechselt werden. Ein gut diversifiziertes System ist resilienter als eine Produktion, die möglichst viel im Inland erzwingen will.

Ein Nein ist ein Ja zur unternehmerischen Vernunft

Das Nein zur Initiative ist kein Nein zu mehr Nachhaltigkeit. Die Schweiz kann Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft gezielt weiterentwickeln, ohne einen starren Verfassungsauftrag von 70 Prozent zu schaffen. Mit der geplanten Agrarpolitik ab 2030+ verfolgt der Bund einen entsprechenden Ansatz.

Die Schweizer KMU brauchen keine staatlich verordnete Speisekarte. Sie brauchen verlässliche Regeln, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und die Freiheit, auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden zu reagieren. Darum am 27. September: NEIN zur Ernährungsinitiative.

Patrick DĂĽmmler, Ressortleiter sgv

www.ernaehrungsinitiative-nein.ch

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