Publiziert am: 18.09.2026

«Unsere Berufe entwickeln sich weiter»

SCHWEIZERISCHEr MALER- UND GIPSERUNTERNEHMER-VERBAND – Steigende Kosten und harter Preiswettbewerb setzen die Maler- und die Gipserbranche unter Druck. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Fachkräften, energetischen Sanierungen und nachhaltigen Lösungen. Für SMGV-Direktorin Silvia Fleury liegt die Zukunft in Qualität, Ausbildung und professionellem Unternehmertum.

Die Maler- und die Gipserbranche stehen vor einem Wandel. Die Betriebe sind heute professioneller aufgestellt und bieten zunehmend spezialisierte Leistungen an. Digitalisierung, neue Technologien und anspruchsvollere Verfahren wie beispielsweise der Trockenbau verändern das Berufsbild. Gleichzeitig steigen Kosten und Preisdruck. «Unsere Branche ist stark mittelständisch und regional verankert. Gleichzeitig müssen sich die Betriebe laufend weiterentwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben», sagt Silvia Fleury, Direktorin des SMGV. Sie steht seit 2022 an der Spitze des Verbands. Die aktuell gute Baukonjunktur sorgt zwar für eine solide Nachfrage. Doch steigende Lohn-, Material- und Administrationskosten setzen die Margen unter Druck. «Wenn Aufträge allein über den Preis vergeben werden, geraten jene Unternehmen unter Druck, die seriös kalkulieren und auf Qualität setzen», sagt Fleury. Auch die neuen Vorgaben des Gesamtarbeitsvertrages zu Arbeits- und Reisezeiten sowie zur Samstagsarbeit erhöhen den administrativen Aufwand – insbesondere für kleinere Betriebe.

Wettbewerb und Zukunft

Die Konkurrenz aus dem Ausland ist für das Schweizer Maler- und Gipsergewerbe grundsätzlich kein Problem, solange für alle die gleichen Regeln gelten. Entscheidend ist, dass die Vorgaben des allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrags eingehalten werden. Gleichzeitig bleibt der Preisdruck hoch. «Am Ende gewinnt leider noch zu oft das billigste Angebot», so Fleury. Die Digitalisierung kann administrative Abläufe vereinfachen und neue Möglichkeiten in Kommunikation und Nachwuchsgewinnung schaffen. Auf der Baustelle bleibt qualifiziertes Handwerk jedoch unverzichtbar. «Bei anspruchsvollen Arbeiten braucht es weiterhin das Können und die Erfahrung des Menschen», betont Fleury. Chancen sieht der SMGV insbesondere bei energetischen Sanierungen, nachhaltigen Lösungen und Schallschutz/Akustik. Mit Dämmungen und nachhaltigen, ökologischen Produkten können Maler- und Gipserbetriebe einen wichtigen Beitrag zu Energieeffizienz, Umwelt und gesundem Wohnen leisten und gleichzeitig neue Geschäftsfelder erschliessen.

Handwerk als Karriereweg

Die Sicherung qualifizierter Fachkräfte beginnt für den SMGV bei der Ausbildung. Der Verband engagiert sich entlang der gesamten Bildungskette – von der Grundbildung bis zur höheren Berufsbildung. Die Ausbildungsinhalte werden laufend an neue Technologien, Nachhaltigkeitsanforderungen und veränderte Kundenbedürfnisse angepasst. «Eine gute Grundbildung ist die Basis für die Zukunft unserer Branche», sagt Fleury. «Wir wollen junge Menschen nicht nur für den Beruf qualifizieren, sondern ihnen auch langfristige Entwicklungsmöglichkeiten, Freude und Berufsstolz eröffnen.»

Mit der revidierten Grundbildung, die ab 2027 umgesetzt wird, werden die drei Lernorte – Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse üK – noch stärker aufeinander abgestimmt. Das Qualifikationsverfahren wird zudem praxisnäher: Die schriftliche Prüfung in Berufskunde wird durch ein Fachgespräch ersetzt. Neben fachlichem Können gewinnen digitale Kompetenzen, Nachhaltigkeit, Kommunikation, Kundenorientierung und Selbstständigkeit an Bedeutung. Eine Berufslehre ist dabei längst kein Endpunkt. Nach dem EFZ stehen zahlreiche Weiterbildungen und Spezialisierungen offen – von Baustellen- und Projektleitung über Gestaltung und Denkmalpflege bis hin zu Energieberatung und nachhaltigem Bauen. Auch der Weg bis zum Meisterabschluss und in die Unternehmensführung steht offen. «Das Schöne an unseren Berufen ist die Durchlässigkeit», erklärt Fleury. «Wer gerne praktisch arbeitet, kann sich spezialisieren. Wer Verantwortung übernehmen möchte, kann Führungskraft oder Unternehmer werden.»

Nachwuchs und Frauen fördern

Der Fachkräftemangel bleibt eine der grössten Herausforderungen. Der SMGV setzt deshalb auf Zusatzlehren, Nachholbildung für Erwachsene, Unterstützung bei der Nachwuchsgewinnung und neue Arbeitsmodelle. Mit dem Projekt «Teilzeitbau», das Teilzeitarbeit fördert, sollen insbesondere Frauen langfristig im Gewerbe gehalten werden. Der Frauenanteil liegt heute bei rund 11 Prozent, im reinen Malergewerbe bei 25 Prozent. Bei den Malerlernenden beträgt er bereits rund 40 Prozent. «Diese Entwicklung zeigt, dass sich etwas bewegt», sagt Fleury. «Wir müssen das Potenzial von Frauen noch stärker nutzen und gleichzeitig zeigen, dass das Maler- und Gipserhandwerk moderne Berufe mit echten Karrierechancen sind.» Rund 15 300 Personen arbeiten in der Deutschschweiz und im Kanton Jura in der Branche, Lernende eingeschlossen. Die Gesamtzahl der Lernenden, die eine Grundbildung als Maler/-in EFZ oder Malerpraktiker/-in EBA sowie als Gipser/-innen, Trockenbauer/-innen EFZ und Gipserpraktiker/-in EBA absolvieren, liegt aktuell in der Deutschschweiz und im Kanton Jura bei rund 1360 Lernenden.

Fachkräftemangel, Kostendruck und der technologische Wandel fordern die Branche. Gleichzeitig entstehen neue Perspektiven. Energetische Sanierungen, Energieeffizienz, Akustik, Raumklima, Gestaltung und nachhaltiges Bauen erweitern das Tätigkeitsfeld. «Das Zukunftspotenzial für das Maler- und das Gipsergewerbe ist gross», sagt Fleury. Entscheidend seien faire Wettbewerbsbedingungen, eine starke Berufsbildung und ein Beschaffungsmarkt, der Qualität angemessen berücksichtige. «Wer das Schweizer Handwerk stärken will, muss dafür sorgen, dass sich Qualität, Ausbildung und verantwortungsvolles Unternehmertum wirtschaftlich lohnen.» Für Fleury ist dabei die Zusammenarbeit aller Beteiligten entscheidend. Verband, Bildungsinstitutionen und Unternehmen müssten eng zusammenspielen, um die Ausbildung attraktiv zu halten, Qualität zu sichern und Fachkräfte zu gewinnen. «Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam weiterhin eine starke Branche bleiben werden.»Corinne Remund

www.smgv.ch

DAS MACHT DER SMGV

Seit über 100 Jahren für das Handwerk

Seine Wurzeln hat der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband SMGV im Jahr 1908. Damals schlossen sich in Zürich der Schweizerische Malermeister-Verband und der Schweizerische Gipsermeister-Verband zusammen. Gemeinsames Ziel war es, die Interessen der Betriebe zu bündeln und gegen übermässigen Preisdruck sowie aus ihrer Sicht übertriebene Forderungen der damaligen Gewerkschaften vorzugehen.

Heute zählt der SMGV rund 1900 Mitglieder aus der deutschsprachigen Schweiz sowie aus den Kantonen Jura und Tessin. Im Zentrum stehen faire Rahmenbedingungen, die Sicherung qualifizierter Fachkräfte und die Weiterentwicklung des Handwerks. Der Verband engagiert sich für eine praxisnahe Aus- und Weiterbildung, setzt sich für hohe Qualitätsstandards ein und unterstützt seine Mitglieder mit Beratung in rechtlichen, technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen. Ebenso ist er bestens vernetzt mit Behörden, Politikern, Verbänden sowie anderen Organisationen und Institutionen. CR

Meist Gelesen