Publiziert am: 18.09.2026

Vom Schweizer Meister zur Weltspitze

WORLDSKILLS SHANGHAI 2026 – Rund 22 Arbeitsstunden entscheiden an der Berufsweltmeisterschaft über Gold, Silber und Bronze. Kilian Moser hat sich dafür während eines Jahres intensiv vorbereitet. Der Schweizer Meister der Elektroinstallateure aus Grindelwald will in China vor allem eines: sein Bestes zeigen.

Der Countdown läuft: Von 22. bis 27. September finden in Schanghai die 48. Berufsweltmeisterschaften WorldSkills statt. Rund 1400 junge Berufsleute aus mehr als 60 Ländern messen sich in verschiedenen Disziplinen. Mittendrin: Kilian Moser aus Grindelwald. Der Elektroinstallateur EFZ gewann an den SwissSkills 2025 Gold und reist als Schweizer Meister nach China.«Für mich ist es eine grosse Ehre, meinen Beruf und unser Bildungssystem auf der Weltbühne vertreten zu dürfen. Es bedeutet mir viel, zeigen zu können, was die kleine Schweiz draufhat», sagt Moser. Das vergangene Jahr sei für ihn fachlich wie persönlich eine wertvolle Erfahrung gewesen.

Mit Tempo und Präzision

Die Vorbereitung auf Schanghai erfolgte in mehreren Trainingsblöcken. Dabei ist auch der langjährige Berufsmann Adrian Sommer, Experte bei EIT.swiss und Coach aus Langnau am Albis im Kanton Zürich, der ihn unterstützt und begleitet (vgl. Nebenartikel). Der 21-jährige Moser hat intensiv an Geschwindigkeit, Genauigkeit und Programmierung gearbeitet. «Man gewöhnt sich fast daran, schnell zu sein, bis das hohe Tempo plötzlich normal erscheint», sagt er. Die mentale Belastung werde oft erst nach dem Training spürbar: «Der Kopf ist deutlich erschöpfter als nach einem normalen Arbeitstag.» Auch der Umgang mit Fehlern gehört zum Training. Kleine Schönheitsfehler werden notiert und später korrigiert, schwerwiegende Fehler hingegen müssen sofort behoben werden. Entscheidend sei, auch unter Zeitdruck konzentriert zu bleiben.

Grosse Unterstützung des Lehrbetriebs

Was ihn in Schanghai konkret erwartet, erfährt Moser erst rund 30 Minuten vor dem Wettkampf. Die Richtung ist allerdings bekannt: Er wird eine komplexe elektrische Anlage mit gebogenen Rohren, auf Gehrung geschnittenen Kanälen, einer programmierbaren Steuerung und Komponenten der Gebäudeautomation KNX installieren. Auch E-Mobilität dürfte eine Rolle spielen. Für die Aufgabe stehen dreieinhalb Tage beziehungsweise rund 22 Arbeitsstunden zur Verfügung.

«Wenn ich arbeite, ist mein Kopf zu 100 Prozent dort – und während der Vorbereitung bin ich voll darauf fokussiert.»

Rund drei Tage sind für die Installation vorgesehen, der letzte halbe Tag für Programmierung und Inbetriebnahme. Bewertet werden Funktion, Genauigkeit und Verarbeitung. «Die grösste Herausforderung ist, die Zeit so einzuteilen, dass die Qualität hoch bleibt und am Ende trotzdem alle Funktionen erreicht werden.»

Kilian Moser schloss seine Ausbildung 2024 ab und startete 2025 mit wenig Vorbereitung an den SwissSkills. Die eigentliche intensive Vorbereitung begann erst danach. Dabei wird er von seinem Lehrbetrieb stark unterstützt: Er erhält während der Vorbereitungszeit weiterhin seinen normalen Lohn und kann auf das benötigte Werkzeug zählen. Dank der Blockorganisation kann Moser Beruf und Vorbereitung klar trennen. «Wenn ich arbeite, ist mein Kopf zu 100 Prozent dort – und während der Vorbereitung bin ich voll darauf fokussiert.» Das zusätzliche Training zahlt sich auch im Berufsalltag aus. Besonders die neu erworbenen Kenntnisse in Programmierung und KNX kann er auf Baustellen einsetzen und zunehmend anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. «Durch die Vorbereitung wurde mein Arbeitsalltag sogar interessanter.»

Auch der Arbeitsort in Grindelwald hat ihn auf den Wettkampf vorbereitet. Der Zeitdruck auf Baustellen, etwa bei Hotels und Bergbahnen, sei vergleichbar mit der Situation an den WorldSkills: «Ich habe gelernt, unter Druck eine Aufgabe nach der anderen zu lösen.»

Technik, Abwechslung und Handwerk

Was Kilian Moser an seinem Beruf besonders fasziniert, ist die Mischung aus Handwerk und Kopfarbeit. «Die Technik verändert sich ständig. Dadurch steht man immer wieder vor neuen Technologien und Herausforderungen – so bleibt es spannend.» Auch die Abwechslung schätzt er: An einem Tag kann er in einem Fünfsternehotel, am nächsten auf einer Baustelle im Einsatz sein. Jungen Menschen, die über eine handwerkliche Ausbildung nachdenken, rät er dazu, den Schritt zu wagen. «Man lernt zu arbeiten, Aufgaben zu verfolgen und Probleme zu lösen. Und es gibt nichts Schöneres, als nach getaner Arbeit zu sehen, was man gemacht hat.» Wer Einsatz zeige, übernehme schnell Verantwortung und habe gute Aufstiegsmöglichkeiten. Sein Fazit: «Ich würde es jederzeit wieder machen.»

«Ich habe gelernt, unter Druck eine Aufgabe nach der anderen zu lösen.»

Kilian Moser geht mit viel Ehrgeiz in den Wettkampf, bleibt dabei aber realistisch. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung möchte er in China seine bestmögliche Leistung abrufen. «Natürlich würde ich gerne gewinnen. Aber die Konkurrenz ist genauso gut vorbereitet wie ich.» Sein eigentliches Ziel ist deshalb, am Ende sagen zu können, alles gegeben zu haben. Die Installation soll zeigen, was er in einem Jahr Vorbereitung gelernt hat und welche Qualität innerhalb von rund 22 Arbeitsstunden möglich ist. «Ich möchte zurückschauen können und sagen: Ich habe alles gegeben.»

Corinne Remund

www.swiss-skills.ch

WORLDSKILLS 2026

Von 22. bis 27. September 2026 findet in China die 48. Berufsweltmeisterschaft WorldSkills statt. Sie finden alle zwei Jahre an jeweils wechselnden Austragungsorten statt. In Schanghai treten in 64 Berufen rund 1400 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus über 60 Ländern gegeneinander an.

www.worldskills.org

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