Verkehr ’45: KMU brauchen leistungsfähige Strasseninfrastruktur
Aus kleinen Jobs wird eine grosse Idee
MINIJOBSWISS GMBH – Als Jugendliche suchten Sandro und Tim Jäggi im solothurnischen Aeschi selbst nach kleinen Arbeitseinsätzen. Heute wollen die Brüder mit minijobSwiss eine Plattform etablieren, die Jugendlichen erste Berufserfahrungen ermöglicht und Unternehmen schnell zu passenden Aushilfen verhilft.
Es waren die Mittwochnachmittage, die Sandro und Tim Jäggi nachhaltig geprägt haben. Zwischen ihrem 14. und 17. Lebensjahr zogen die beiden Brüder nach der Schule in ihrem Heimatort Aeschi von Haus zu Haus. Sie fragten, ob jemand Hilfe benötige. Besonders bei den Bauern fanden sie regelmässig Arbeit. Sie packten an, übernahmen Verantwortung und verdienten ihr eigenes Geld. Jahre später erinnerte sich Sandro während einer kurzen beruflichen Übergangsphase an diese Zeit. «Hey, weisst du noch, als wir am Mittwochnachmittag beim Bauern arbeiten gegangen sind, um etwas eigenes Geld zu verdienen?», fragte er seinen Bruder. Aus dieser Erinnerung entstand die Idee für minijobSwiss. «Wir wollten eine Plattform aufbauen, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine einfache Möglichkeit bietet, solche Nebenjobs zu finden», erklärt Sandro. Für die Brüder geht es dabei um mehr als ums Geldverdienen. «Wir haben selbst gemerkt, wie gut es uns getan hat, früh Verantwortung zu übernehmen und unser eigenes Geld zu verdienen.»
Auch Erfahrungen im Freundeskreis bestärkten sie. Einige Kollegen hätten eine Lehre begonnen und später wieder abgebrochen, weil der Beruf nicht ihren Vorstellungen entsprach. Mit minijobSwiss wollen die Brüder Jugendlichen deshalb ermöglichen, verschiedene Tätigkeiten frühzeitig kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Bevor aus der Idee eine Plattform wurde, erarbeiteten die Brüder einen Businessplan und analysierten den Schweizer Markt. Die Entwicklung übertraf ihre Erwartungen: Per Ende September 2026 waren knapp 2000 Nutzerinnen und Nutzer registriert. «Wir sind sehr positiv überrascht, wie gut minijobSwiss bei unserer Community ankommt und wie schnell wir wachsen», sagt Tim.
«Wir sind Macher – wir wollen nicht nur reden.»
minijobSwiss will den Nebenjob-Markt nicht neu erfinden, sondern einfacher machen. «Man muss das Rad nicht neu erfinden, man muss es nur optimieren», lautet der Grundsatz der Brüder. Im Mittelpunkt steht die Einfachheit. Gastronomiebetriebe, Hotels, Eventveranstalter, KMU oder Privatpersonen sollen kurzfristig und ohne grossen Aufwand Unterstützung finden können. Jugendliche und Studierende erhalten gleichzeitig Zugang zu Nebenjobs und kleineren Teilzeitstellen. Die Plattform konzentriert sich bewusst auf diese Nische. Klassische Vollzeitstellen gibt es nicht. Damit wollen die Brüder verhindern, dass kleinere Jobs zwischen Tausenden von Stellenangeboten grosser Jobplattformen untergehen.
Eine Besonderheit ist der Fokus auf Jugendliche ab 14 Jahren. Dabei berücksichtigen Sandro und Tim die gesetzlichen Jugendarbeitsschutzbestimmungen. Arbeitgeber geben beim Inserieren an, ab welchem Alter eine Tätigkeit geeignet ist. Jugendliche sehen entsprechend nur passende Angebote. «Wir finden, dass auch ein 14‑Jähriger die Möglichkeit haben sollte, sein eigenes Geld zu verdienen und erste Arbeitserfahrungen zu sammeln», sagt Sandro. Auch technisch gilt das Prinzip «Weniger ist mehr». Mit «Jobi» haben die Brüder einen digitalen Assistenten integriert, der Jugendlichen passende Nebenjobs vorschlagen kann. Inserate lassen sich zudem mit Bildern oder kurzen Videos ergänzen. Das Ziel ist bewusst einfach: Arbeitgeber und Arbeitsuchende sollen sich möglichst schnell und unkompliziert finden. minijobSwiss versteht sich dabei nicht als klassische Personalvermittlung. Die Plattform stellt den Kontakt her – alles Weitere regeln Arbeitgeber und Bewerber selbst.
Unternehmer gewinnen
Noch ist minijobSwiss kostenlos. Künftig soll die Arbeitgeberseite für die Nutzung bezahlen. Geplant sind ein Monatsabo für 49.90 Franken, ein Jahresabo für 499 Franken oder einzelne Inserate über Credits. Für Jugendliche bleibt die Plattform kostenlos. Die grösste Herausforderung sehen die Brüder derzeit bei der Gewinnung von Arbeitgebern. Jugendliche liessen sich einfach über soziale Medien erreichen. Unternehmen zu gewinnen, sei deutlich aufwendiger.
Per Ende September 2026 waren rund 1700 Jugendliche und 122 Auftraggeber registriert. Gleichzeitig stehen konstant etwa 65 bis 70 Jobs auf der Plattform. Rund 70 erfolgreiche Vermittlungen wurden bisher über Bewerbungen auf minijobSwiss registriert. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings höher liegen, da Arbeitgeber und Bewerber teilweise direkt miteinander Kontakt aufnehmen oder externe Bewerbungsformulare nutzen. «Unser grosser Vorteil ist die Einfachheit der Plattform. Das ist für uns klar unser grosses Ass im Ärmel», sagt Sandro. Für einen digitalen Marktplatz entsteht damit ein bekanntes Phänomen: Je mehr attraktive Jobs vorhanden sind, desto interessanter wird die Plattform für Jugendliche. Und je mehr Jugendliche registriert sind, desto attraktiver wird sie für Arbeitgeber. Dieses Gleichgewicht herzustellen, gehört zu den zentralen Aufgaben der nächsten Wachstumsphase. Noch prüfen Sandro und Tim die Inserate selbst auf Seriosität und Eignung. Künftig soll diese Aufgabe von einer zusätzlichen Person übernommen und zunehmend durch künstliche Intelligenz unterstützt werden.
Die Vision reicht über die Schweiz hinaus
Zunächst wollen die Brüder minijobSwiss in der ganzen Schweiz etablieren – in der Deutschschweiz ebenso wie in der Romandie und im Tessin. Langfristig sollen Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien folgen. Gleichzeitig soll minijobSwiss mehr werden als eine reine Nebenjob-Plattform. Eine zentrale Zukunftsidee ist die «minijobSwiss Akademie». Sie ist für alle zugänglich, unabhängig vom Alter, und vermittelt praxisnahes Wissen für Beruf und Alltag, von Bewerbungen und Finanzen bis zu Auftreten, Zielsetzung und Persönlichkeitsentwicklung. Auch spielerische Elemente sind geplant. Ein Belohnungssystem soll Jugendliche motivieren, verschiedene Jobs auszuprobieren und neue Erfahrungen zu sammeln.
Für Sandro und Tim ist minijobSwiss erfolgreich, wenn die Plattform als erste Anlaufstelle für Jugend- und Minijobs etabliert ist und jungen Menschen den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtert. Ihr langfristiger Anspruch ist entsprechend ehrgeizig: «Die Plattform soll von Kantonen und öffentlichen Stellen als sinnvolle Ergänzung beim Berufseinstieg wahrgenommen werden.»
Corinne Remund
Die ZWEI BrÜder
Unternehmergeist und Handwerk
Sandro (26) und Tim (23) Jäggi aus Aeschi verbinden Handwerk und Unternehmergeist. Tim ist gelernter Schreiner, Sandro Elektroinstallateur. Beide sammelten nach ihren Lehren weitere Berufserfahrungen, bevor sie in die Selbstständigkeit wechselten. Heute führen sie gemeinsam den Familienbetrieb Weinkellerbau Jaschi, den ihr Vater ursprünglich als Hobby aufgebaut hatte. Parallel entwickeln die Brüder minijobSwiss.
Familie und Geschäft trennen die beiden nicht strikt. Sie leben gemeinsam mit ihrem Vater in Aeschi und verbringen auch beruflich viel Zeit miteinander. «Wir sind definitiv Macher-Persönlichkeiten», sagt Sandro. Für ihn ist klar: «Selbst die beste Idee bringt nichts, wenn man nie den ersten Schritt macht.» Ihr Rat an Jugendliche, die ihren ersten Job suchen: möglichst viele Erfahrungen sammeln. «Probiert so viele Minijobs wie möglich aus», sagt Sandro. «Nicht nur wegen des Geldes, sondern vor allem, um Erfahrungen zu sammeln, Verantwortung zu übernehmen und herauszufinden, was euch liegt.»CR
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