«Kompetenzen abgeben»
ARTISANA AWARD – Die S. Müller Holzbau AG wurde damit ausgezeichnet. Der nächste Award wird am 12. November an der Synergy in Bern vergeben.
S. MÜLLER HOLZBAU AG – Die Mitarbeitenden im Holzbauunternehmen sind der wichtigste Erfolgsfaktor. Das KMU in Wil setzt deshalb auf Verantwortung, Weiterbildung, Mitwirkung sowie den Nachwuchs – und verbindet diese Kultur mit moderner Technologie, industrieller Vorfertigung und einem klaren Bekenntnis zum nachhaltigen Bauen.
Die S. Müller Holzbau AG in Wil SG wurde 2008 von Stefan Müller im Rahmen eines Management-Buyouts übernommen. Seither ist das Unternehmen von 16 auf rund 130 Mitarbeitende gewachsen. Aus dem klassischen Holzbaubetrieb entwickelte sich ein moderner Gesamtdienstleister, der Bauprojekte von der ersten Idee bis zur Schlüsselübergabe begleitet. Für sein Engagement wurde der Betrieb 2025 mit dem Artisana Award ausgezeichnet (vgl. Nebenartikel). Der wichtigste Erfolgsfaktor sind für Stefan Müller die Menschen. «Ein starkes Team kann sehr viel bewegen. Deshalb investieren wir bewusst in unsere Kultur, in Mitwirkung, Weiterbildung und gemeinsame Erlebnisse.» Verantwortung und Kompetenzen werden bewusst an die Mitarbeitenden übertragen. «Wir erwarten im Gegenzug Verlässlichkeit und Eigenverantwortung.» Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf Innovation. «Wir interessieren uns für neue Technologien, Trends, Maschinen und Arbeitsformen. Unser Ziel ist es, uns laufend weiterzuentwickeln, ohne dabei unsere Bodenständigkeit zu verlieren.» Diese Verbindung von Innovationsfreude und gelebten Werten bilde die Grundlage des langfristigen Erfolgs.
Die Leistungen reichen heute weit über die klassische Zimmerei hinaus. Zum Angebot gehören Entwicklung, Architektur, Innenarchitektur, Engineering, Energieberatung, Brandschutz sowie Holzbau- und Werkplanung. In der Ausführung deckt das Unternehmen den Holzsystem- und Elementbau, klassische Zimmerarbeiten sowie Fenster- und Türenlösungen ab. Zudem unterstützt die Firma andere Holzbau- und Schreinereibetriebe mit Planungs- und Produktionsdienstleistungen. «Unsere Kundinnen und Kunden sollen möglichst alles aus einer Hand erhalten», sagt Müller. Das Unternehmen begleitet Ein- und Mehrfamilienhäuser, Aufstockungen sowie Um- und Anbauten über sämtliche Projektphasen hinweg. «Unser Anspruch ist dabei immer: ‹äs Mü meh› als gefordert.»
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist das neue Werk in Wil, das konsequent auf die industrielle Vorfertigung von Holzständer- und Holzelementbauten ausgerichtet ist. Herzstück ist eine 100 Meter lange, hochautomatisierte Fertigungslinie mit drei CNC-gesteuerten Elementbaurobotern. Dank optimierter Materialflüsse und Just-in-Time-Anlieferungen können Bauelemente effizient und präzise gefertigt werden. Die Prozesse werden laufend weiterentwickelt und in täglichen Kurzbesprechungen überprüft. «Holz vereint für mich Natur, Handwerk und Hightech», sagt Stefan Müller. Als nachwachsender Rohstoff speichert Holz CO2, benötigt wenig Energie in der Verarbeitung und ermöglicht einen hohen Vorfertigungsgrad. Gleichzeitig schafft es ein angenehmes Raumklima und eröffnet vielfältige gestalterische Möglichkeiten. Vor allem bei Aufstockungen und Verdichtungsprojekten sieht Müller grosses Potenzial: «Mit Holz können wir effizient, ressourcenschonend und zukunftsorientiert bauen.»
Nachhaltigkeit versteht der gelernte Zimmermann als Zusammenspiel von ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Verantwortung. Der neue Standort mit Schweizer Holz, einer Photovoltaikanlage von knapp 1000 kWp und einer mit Restholz betriebenen Heizzentrale zeigt, wie dieser Anspruch praktisch umgesetzt werde. Holz überzeugt ihn durch die Speicherung von CO2, den geringen Energiebedarf in der Verarbeitung und die regionale Wertschöpfung. Entscheidend ist jedoch immer die Gesamtbetrachtung eines Gebäudes. «Ein Holzgebäude ist nicht automatisch nachhaltig.»
Stillstand ist für Müller keine Option. «Qualität bleibt nur dann hoch, wenn man das Bestehende immer wieder hinterfragt.» Deshalb investiert das Unternehmen nicht nur in Maschinen, sondern auch in Prozesse, Engineering, Weiterbildung und Organisationsentwicklung. Fehler sollen sichtbar gemacht und als Grundlage für Verbesserungen genutzt werden. «Ich begeistere mich für neue Ideen und Innovationen. Manchmal muss ich mich sogar etwas bremsen.» Diese Offenheit prägt auch die Unternehmenskultur. Das Miteinander beschreibt Müller als verlässlich, ehrlich, teamorientiert und bodenständig. Vertrauen spiele dabei eine zentrale Rolle. Mitarbeitende erhalten Verantwortung und Gestaltungsspielraum, Anliegen und Schwierigkeiten sollen offen angesprochen werden können. «Unsere Kultur muss nicht perfekt wirken, sondern gerade im anspruchsvollen Alltag funktionieren.»
Einen hohen Stellenwert hat die Aus- und Weiterbildung. Allen Mitarbeitenden steht ein persönliches Weiterbildungsbudget zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch den monatlichen S‑Plus-Tag, an dem sich die Teams mit Qualität, Sicherheit, Effizienz und Zusammenarbeit beschäftigen. «Weiterbildung soll nicht punktuell stattfinden, sondern Teil unseres Arbeitsalltags sein.» Besonders am Herzen liegt dem Holzbautechniker die Förderung des Nachwuchses. Der Betrieb verfügt über eine eigene Lernendenwerkstatt und bildet derzeit 26 Lernende aus, darunter Zimmerleute, Zeichnerinnen und Zeichner Fachrichtung Architektur sowie eine Kauffrau. Mit Kinderbaustellen, Schnupperlehren, Ferienjobs und dem Zukunftstag versucht das Unternehmen zudem, junge Menschen für den Holzbau zu begeistern. «Wer über Fachkräfte spricht, muss bereit sein, selbst in den Nachwuchs zu investieren.»
Trotz des häufig diskutierten Fachkräftemangels blickt Müller optimistisch in die Zukunft. Spannende Projekte, moderne Infrastruktur, eine starke Teamkultur und die konsequente Nachwuchsförderung machten die S. Müller Holzbau AG zu einem attraktiven Arbeitgeber. «Dieses Privileg müssen wir uns jeden Tag neu erarbeiten.» Die grösste Herausforderung sei derzeit, trotz des Erfolgs hungrig zu bleiben. Nach einer Phase starken Wachstums stehen heute die Weiterentwicklung von Prozessen, Digitalisierung und Organisation im Mittelpunkt. Für die Holzbaubranche sieht Müller ausgezeichnete Perspektiven: Verdichtung, Sanierungen und der Wunsch nach nachhaltigen Bauweisen sprechen für Holz. «Wichtiger als weiteres Wachstum ist für uns, jeden Tag ein Stück besser zu werden.»
Corinne Remund
Impulse für KMU
Unter dem Motto «FOKUS. Spitzenleistungen. Impulse. Erfolg für KMU.» zeigt die synergy 2026, wie Unternehmen auch in einem zunehmend komplexen Umfeld Klarheit bewahren und erfolgreich bleiben können. Auf der Bühne stehen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Sport, Berufsbildung, Medizin und Militär, die berichten, wie sie Höchstleistungen erbringen und Entscheidungen unter Druck treffen.
Zu den Gästen zählen die WorldSkills-Goldmedaillengewinnerin Sophie Schumacher, das Unternehmerduo Karl Müller und Ernst Minder (kybun Joya), Paralympics-Legende Heinz Frei, der Pionier der Roboterchirurgie Agostino Mattei sowie die Militärpiloten Silvan Andereggen und Yanik Lauper vom PC‑7-Team. Die Preisübergabe des Artisana Awards erfolgt durch Artisana-Geschäftsführerin Désirée Stocker.
Die synergy findet am 12. November 2026 im Kursaal Bern statt.
» www.synergy-schweiz.ch
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