Publiziert am: 01.10.2021

Die Meinung

Auf die Wirkung kommt es an

Die Corona-Pandemie und die politischen Reaktionen darauf spalten die Gesellschaft. Dabei werfen alle Lager und Gruppen mit «Wieselwörtern» um sich. Solidarität, Diskriminierung und Gemeinwohl sind vermutlich nie zuvor so in ihren Bedeutungen überstrapaziert worden, wie es aktuell der Fall ist. Dabei kommt es mitnichten auf diese Fiktionen an. Das Gegenteil ist der Fall: Nur die Wirkung von Massnahmen zählt.

Ein erstes Beispiel: Sich impfen zu lassen wird als Akt der Solidarität verkauft. Doch Impfungen dienen vor allem dem Selbstschutz. Der – schwer zu ermittelnde – wissenschaftliche Konsens ist: Impfungen schützen vornehmlich den eigenen Körper vor schweren Verläufen, aber nicht vor Infektion und Übertragung. Impfen ist ein Akt des Eigeninteresses – und deswegen eine rein persönliche Entscheidung.

Ein zweites Beispiel: Testen ist die Feststellung, ob eine Person die Viren in sich trägt oder nicht. Sollte das Testergebnis negativ ausfallen, kann die Person auch das Virus nicht weitertragen. Also kann sie keine weiteren Personen infizieren. Testungen helfen den Infizierten nur insofern, als dass man dann weiss, was man hat und eventuelle Massnahmen dagegen einleiten kann. Sie sind so von nur eingeschränktem Selbstschutz.

Der Wert des Testens ist der grosse Fremdschutz. Indem die positiv getestete Person nach dem Testergebnis weniger oder nicht mit anderen verkehrt, schützt sie die anderen vor Ansteckungen. Allerdings gilt das auch nur innerhalb einer gewissen Zeit – deshalb die Gültigkeitsdauer. Auch bezüglich den Tests helfen schwurbelnd-philosophische Begründungen wenig. Auf ihre Wirkungen kommt es an: Testungen sind derzeit der wichtigste Teil der Prävention.

Das dritte Beispiel sind die Zertifikate: Sie sind weder eine Diskriminierung noch eine Verbesserung des Gemeinwohls. Sie dienen primär der Steuerung von grossen Menschenmengen und der Verfolgbarkeit von Infektionsketten. Gerade deshalb sind sie wirksame Kontroll- und Dokumentationsmassnahmen etwa bei Grossveranstaltungen und Flugreisen. Sie im Kleinen, etwa in der Gastronomie oder in Fitnesscentern einzusetzen, bringt daher wenig Wirkung. Die Masseneffekte bleiben aus.

Was zeigen diese Beispiele? Sie belegen, wie wichtig es ist, Massnahmen anhand ihrer Wirkung zu beurteilen. Die aktuelle Corona-Politik macht jedoch das pure Gegenteil davon. Statt von der Wirkung aus zu denken, werden Massnahmen allein der Massnahmen wegen eingeleitet. Der Schaden ist enorm: Nicht nur verlieren an und fĂĽr sich sinnvolle Massnahmen damit an Wirkung, sondern sie fĂĽhren auch zur Spaltung der Gesellschaft.

Verschlimmert wird das Ganze mit der inflationären Verwendung von «Wieselwörtern» wie Solidarität, Gemeinwohl, Diskriminierung. Was hilft, ist klare Wirkungszusammenhänge zu erstellen und sie ganz wertfrei zu kommunizieren. Es sind immer noch die einzelnen Individuen, die aufgrund der Faktenlage sich entscheiden.

Dabei ist es so einfach, zurĂĽck zu einer evidenzbasierten Corona-Politik zu kehren. Das Covid-19-Gesetz sieht die Logik des gezielten Schutzes vor: Contact-Tracing, um Infektionsketten zu brechen, Schutzkonzepte, Impfen und Testen sind dort gleichberechtigte Massnahmen. Sie haben jeweils unterschiedliche Schutzziele. Um diese Schutzziele zu erreichen, kommt es ausschliesslich auf die Wirkung an.

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