Publiziert am: Freitag, 9. Februar 2018

Auf einem soliden Kurs

Privatversicherer – Sie sind wichtig für die Volkswirtschaftund haben gute Wachstumschancen, sofern ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht durch zu viele Regulierungen eingeschränkt wird.

Bereits im Jahr 2016 machte die Versicherungsbranche mit einer Wertschöpfung von 29,5 Milliarden Franken bzw. einem Anteil von 4,6 Prozent an der Gesamtwirtschaft fast 
50 Prozent des Finanzsektors aus. Damit zog sie mit den Banken gleich. Über die letzten 20 Jahre gesehen, gehört der Versicherungssektor zu den Branchen in der Schweiz, die am stärksten gewachsen sind. Auch 2017 hat die Versicherungsbranche ihre Leistungsfähigkeit in einem anspruchsvollen Umfeld bewiesen. «Damit das so bleibt, brauchen wir gute Rahmenbedingungen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Politik und Aufsicht die Wettbewerbsfähigkeit der Versicherer nicht unnötig behindern», sagt Rolf Dörig, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV.

Wachstum im Schadengeschäft

Für 2017 rechnet der SVV in der Schadenversicherung mit einem Prämienwachstum von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

+0,3 Prozent in der Motorfahrzeugversicherung: Das Wachstum ist auf die Zunahme der zugelassenen 
Motorfahrzeuge zurückzuführen.

+0,5 Prozent in der Feuer-, Elementar- und Sachschadenversicherung: Zum Wachstum hat die positive Entwicklung der Bauinvestitionen und der Kaufkraft sowie das Bevölkerungswachstum beigetragen, trotz der tieferen Prämien, die auf den günstigen Schadenverlauf der letzten Jahre zurückzuführen sind.

Der Schadenverlauf im Schweizer Geschäft dürfte für 2017 leicht höher liegen als in den vergangenen Jahren. Grund dafür sind vor allem das Unwetter in Zofingen im Juli sowie der Hagel im Tessin und in der Region Thun im August.

Lebensversicherungsgeschäft rückläufig

Gemäss Hochrechnungen des SVV sind die Prämieneinnahmen im 
Lebensversicherungsgeschäft 2017 um 3,8 Prozent zurückgegangen, wobei der Rückgang weniger stark ausfällt als im Vorjahr (2016: – 6,0 Prozent):

– 4,2 Prozent im Kollektivleben, in welchem die Lebensversicherer den KMU und ihren Angestellten Lösungen für die berufliche Vorsorge anbieten. Diese Leistungen sind nach wie vor sehr gefragt. Aber es wird für die Lebensversicherer immer schwieriger, den umfassenden Versicherungsschutz zur Verfügung zu stellen und die Nachfrage der KMU zu erfüllen. Grund dafür sind die hohen Kapitalanforderungen, verbunden mit den tiefen Zinsen und dem überhöhten BVG-Umwandlungssatz.

– 2,9 Prozent im Einzelleben: Die Lebensversicherer können im aktuellen Tiefzinsumfeld kaum noch 
attraktive Zinsversprechen abgeben. Das bremst insbesondere die Entwicklung des Neugeschäfts.

Möglichst wenig Regulierungen, 
dafür gute Rahmenbedingungen

Zu den zentralen Themen, die die Versicherer beschäftigen, zählt die digitale Revolution. Sie verändert das Kundenverhalten und damit das Versicherungsgeschäft nachhaltig. Das bedeutet für die Versicherer neue Chancen und Risiken. Damit verbunden sei auch die Gefahr von mehr staatlicher Regulation und Intervention, gibt Dörig zu bedenken. «Regulierung verhindert die Digitalisierung nicht. Aber sie verhindert die Anpassungsfähigkeit der Menschen an die technologische Entwicklung. Daraus könnte ein Teufelskreis entstehen, der Innovation und Wachstum blockiert.» Und er doppelt nach: «Wir brauchen Rahmenbedingungen, die dem technologischen Wandel Rechnung tragen.»