Publiziert am: Freitag, 24. Juni 2016

Ausgeufertes System erneuert

ARBEITSMARKT – Der Kanton Neuenburg versucht den hohen Arbeitslosenquoten mit einer ambitionierten Strategie beizukommen. Möglich machen soll es der «New deal pour l’emploi».

Vor der Wirtschaftskrise von 2010 lag Neuenburg bezüglich Arbeitslosenzahlen im Mittelfeld der französischsprachigen Kantone. Seither leidet Neuenburg unter einer der höchsten Arbeitslosenquoten der Schweiz. Schlimmer noch, trotz einer dynamischen Schaffung neuer Arbeitsplätze, die deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegt, verbessert sich die Situation nicht. Die sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen werden somit für die gesamte Neuenburger Bevölkerung immer gravierender.

«Das Ziel ist einfach: neu geschaffene Stellen sollen die Arbeitslosenzahlen senken.»

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, hat der Neuenburger Staatsrat seine Strategie zur beruflichen Integration vollständig überdacht und überarbeitet, unter Einbezug der Arbeitgeber und der betroffenen öffentlichen Dienste. Das Ziel ist einfach: neu geschaffene Stellen sollen es wieder möglich machen, die Arbeitslosenzahlen zu senken.

Zukunftsweisende Vision

Ende März 2016 hat das Neuenburger Kantonsparlament die ambitionierte und innovative neue Strategie einstimmig gutgeheissen. Diese basiert auf zwei sich ergänzenden, nicht trennbaren Massnahmen:

dem «New deal pour l’emploi», einer generellen Mobilisierung aller öffentlichen und privaten Arbeitgeber im Sinne einer Partnerschaft;

einer Gesamtrevision der Auffangvorrichtungen für Arbeitssuchende, um die Betreuung Letzterer in Abstimmung mit den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes zu optimieren.

Die zusammen mit den Arbeitgebern entwickelte Partnerschaft soll helfen, die Schnittstellen zwischen Arbeitssuchenden und freien Jobs zu verbessern. Zugleich sollen so auch fehlende Profile identifiziert werden, um den Arbeitsmarktbedürfnissen entgegenzukommen und somit eine zukunftsweisende Vision des künftigen Bedarfs zu entwickeln. Die Strategie unterscheidet fünf Arbeitgeber-Hauptgruppen:

Mit den 30 grössten Unternehmen (ein Drittel der privaten Arbeitsstellen) bestehen bereits seit einem Jahr individuelle Partnerschaften im Sinne eines Pilotprojekts.

Um die KMU miteinzubeziehen, werden Partnerschaften branchenweise mit den Berufsorganisationen eingegangen, die bereits häufig in der Ausbildung engagiert sind.

Für die öffentlichen Arbeitgeber wird das Rekrutierungsprozedere überarbeitet, um der Priorität, die Arbeitslose haben, Rechnung zu tragen. Ziel ist, dass mindestens die Hälfte der externen Anstellungen unter Arbeitssuchenden stattfindet.

Für den halböffentlichen Sektor und subventionierte Institutionen wird das angepasste Prozedere ebenfalls systematisiert, um die Rekrutierung von Arbeitslosen zu fördern.

Schliesslich wird die Zusammenarbeit mit Stellenvermittlungsagenturen und deren Kundschaft intensiviert, um auch diesen Zweig für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu mobilisieren.

Stellensuchender muss wissen, welche Ziele er erreichen muss

Mit der zugleich stattfindenden Revision des Dispositivs soll die Gesamtkohärenz in einem System, das im Laufe der letzten Jahre ausgeufert ist, wiederhergestellt werden. Denn heute sind nebst den Arbeitsämtern IV-Stellen, Sozial- und Migrationsdienste sowie andere Institutionen in der beruflichen (Wieder-)Eingliederung aktiv. Jeder dieser Dienste hat die Tendenz, eine eigene Kompetenzpalette zu entwickeln und Partnerschaften mit den Arbeitgebern einzugehen zur Unterstützung «ihrer» Klienten. Zukünftig soll ein einheitlicher, in Etappen organisierter Prozess helfen, die Rolle jedes Dienstes und die Situation jedes Arbeitssuchenden zu klären. Der kantonalen Arbeitsvermittlung, die während der letzten Jahre reorganisiert wurde, fällt dabei wieder die Rolle des Kompetenzzentrums für berufliche Integration aller betroffenen Gruppen zu. Für den Stellensuchenden bedeutet das, dass er jederzeit weiss, wer sein einziger Ansprechpartner ist und welche Ziele er erreichen muss, um seine Rückkehr ins Berufsleben voranzutreiben.

Der Gesamtblick auf die Lage der Arbeitssuchenden, gekoppelt mit einer verbesserten und strukturierten Kenntnis der Bedürfnisse des Arbeitsmarktes, soll schliesslich die Anwendung einer Gesamtstrategie erlauben. So ist es möglich, den Einsatz der Mittel zu priorisieren im Sinne einer ständigen Verbesserung und Anpassung an das Umfeld. – Nun bleibt noch die Umsetzung, damit die guten Absichten zu konkreten Resultaten führen.

Silvia Locatelli,

Departement für Wirtschaft und

soziale Angelegenheiten