Publiziert am: 24.11.2017

Berufliche Lichtblicke statt Renten

SUVA – Zehn Millionen Franken Entlastung für die Prämienzahler: Die Suva investierte in den letzten 13 Monaten 560 000 Franken in ein Reintegrationsprogramm für Verunfallte. Statt einer Rente erhielten 34 Menschen damit eine neue berufliche Perspektive.

In den vergangenen 13 Monaten unterstützte die Suva mit ihrem Reintegrationsprogramm «Anreize für betriebliche Wiedereingliederung» Unternehmen mit rund 560 000 Franken bei der Wiedereingliederung von Verunfallten. Dadurch verhinderte sie künftige Rentenzahlungen von über 10 Millionen Franken.

Die Betroffenen erhalten dadurch eine berufliche Perspektive statt einer lebenslangen Rente. Denn: Besteht bei der Invalidenversicherung (IV) kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen oder wird die IV aus einem anderen Grund nicht aktiv, kann die Suva finanzielle Leistungen im Rahmen ihres Reintegrationsprogramms übernehmen. Voraussetzung ist, dass sich die Wiedereingliederungsmassnahme für die Suva und damit auch für die Prämienzahler 
finanziell lohnt.

Finanzielle Unterstützung

Die Suva hat ihr Anreizsystem nach einem erfolgreichen Pilotversuch im September 2016 ausgebaut. Sie übernimmt mit der Eingliederung verbundene Kosten bis zu 20 000 Franken. Darunter fallen Kosten für Arbeitsplatzanpassungen, Ausbildungskurse oder Eignungsabklärungen. Wurde eine Wiedereingliederung erfolgreich abgeschlossen, kann sie ein Erfolgshonorar von 20 000 Franken an die Firma auszahlen. Damit trägt die 
Suva dazu bei, dass Arbeitsplätze von Verunfallten erhalten bleiben. Zudem unterstützt sie auch Neuanstellungen.

Dank des finanziellen Anreizsystems der Suva gliederten Unternehmen in den vergangenen 13 Monaten 34 Verunfallte wieder ins Berufsleben ein, davon 15 Personen in der Baubranche und 19 in Industrie und Gewerbe. Der Altersdurchschnitt liegt bei 50 Jahren, wobei der Jüngste 27 und der Älteste 65 Jahre alt war.

Ein Zeichen setzen

Einer davon ist ein Flachdachspezialist, der nach seinem Unfall bei der Hirzel Haustechnik AG eine neue berufliche Perspektive erhalten hat. Im Gespräch spricht CEO Roger Hirzel über die Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung, das Zeichen, welches er in seinem Unternehmen setzen konnte und über das grosse Engagement seines gesamten Kaders.

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie war Ihre erste Reaktion als Sie vom Unfall Ihres Arbeitnehmers erfahren haben?

 Roger Hirzel: Zu Beginn war ich nicht beunruhigt, da es sich «nur» um einen Sturzunfall handelte. Es war Winter, und in dieser Zeit sind die Dacharbeiter weniger ausgelastet. Als im Frühling der Mitarbeiter noch nicht zurückkehren konnte, mussten wir einen neuen Dachspezialisten einstellen. Da wusste ich: Ich muss für den verunfallten Mitarbeiter eine Lösung suchen.

War es für Sie von Beginn weg klar, dass Sie sich um seine Wiedereingliederung bemühen werden?

Der zuständige Aussendienstmitarbeiter der Suva hat sich bei mir 
gemeldet und mir die Möglichkeiten der betrieblichen Wiedereingliederung aufgezeigt. Es war für mich schnell klar, dass ich mithelfe, dem Mitarbeiter eine neue Perspektive zu geben. Es geht schliesslich ja auch darum, Kosten zu sparen. Jede Rente, die die Suva nicht bezahlen muss, bedeutet für uns Betriebe tiefere 
Prämien.

Wie konnten Sie und Ihr Arbeitnehmer vom Anreizsystem für betriebliche Wiedereingliederung profitieren?

Der Arbeitnehmer konnte bis zu seiner Pension weiterarbeiten und hat so mit Stolz sein Rentenalter erreicht. Ich konnte vor allem ein Zeichen in der Firma setzen. Wenn einer über Jahrzehnte bei mir arbeitet, setze ich ihn nicht einfach auf die Strasse.

Was mussten Sie tun, damit der neue Arbeitsplatz geschaffen werden konnte?

Das gesamte Kader sass zusammen und strukturierte die Arbeitsabläufe so um, dass wir leichte Arbeiten für den Mitarbeiter finden konnten. Wir setzten ihn als Chauffeur ein, der Material zu den Baustellen fuhr und zusätzlich leichte Aufräumarbeiten absolvierte. In den wöchentlichen Teamsitzungen wurden jeweils die Arbeiten für ihn definiert.

Worin lagen die grössten Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung?

Am schwierigsten war es, den Mitarbeiter nach dem Unfall aus seinem Loch zu holen. Zu Beginn hatte ich Angst, dass er nicht mehr in den Betrieb zurückkommen wird. Schlussendlich hat er den Kopf aber nicht in den Sand gesteckt, sondern hat sich aufgerafft und ist bis zur Pension geblieben.

Wie lief die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten?

Ich bin sehr zufrieden. Wir haben durch die finanzielle Unterstützung der Suva einen Weg gefunden, der für alle Beteiligten stimmte. Der Mitarbeiter konnte bis zur Pension im Unternehmen bleiben, wir konnten ihm durch die finanzielle Unterstützung einen Arbeitsplatz schaffen und die Suva konnte eine Rente sparen.

der unfall

Dank neuer Stelle eine Perspektive

Der Flachdachspezialist verunfallte drei Jahre vor der Pensionierung. Er rutschte auf einer Eisfläche aus und verletzte sich schwer an der Schulter. Er fiel für mehr als acht Monate aus und konnte danach nicht mehr in den angestammten Beruf zurückkehren. Der Arbeitgeber schuf zusammen mit der Suva eine neue Stelle für ihn uns setzte ihn bis zur Pension als Chauffeur ein. Die Suva hat 20 000 Franken investiert, um die neue Stelle zu schaffen. Dadurch konnte sie Kosten von rund 300 000 Franken sparen.