Publiziert am: 05.10.2018

«Billig ist nicht immer gut»

REFERENZPREISE – Der Bundesrat gefährde die gut funktionierende Grundversorgung, 
findet eine breite Allianz der Pharmabranche und wehrt sich, dass auf Kosten der Versorgungs- 
und Patientensicherheit in der Grundversorgung gespart werden soll.

Der Bundesrat hat Mitte September die Vernehmlassung zu weiteren Sparmassnahmen eröffnet, unter anderem die Anpassung des Vertriebsanteils und die Einführung des ­Referenzpreissystems. Mit diesen Massnahmen gefährde die Regierung die gut funktionierende Grundversorgung der Schweiz, beklagt eine breite Allianz, bestehend u.a. aus dem Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse, Intergenerika und der IG Schweizer Pharma KMU.

«Schon genug gespart»

In den vergangenen Jahren seien Millionen zu Lasten jener Akteure im Gesundheitswesen gespart worden, die Medikamente vertreiben, so die Allianz vor den Medien. Sie präsentierte Alternativvorschläge, «mit denen sich Kosten im Umfang von realistischen 500 Millionen Franken einsparen lassen».

Mit den geplanten Massnahmen im Medikamentenbereich erhofft sich der Bundesrat weitere Einsparungen zur Dämpfung des Prämienwachstums im Gesundheitswesen. «Zum wiederholten Male», so die Allianz, «setzt er den Hebel bei der Versorgungssicherheit durch Apotheken, Spitalapotheken und Hausärzten an. Das ist umso unverständlicher, als gerade in diesem Bereich in den vergangenen Jahren zahlreiche Massnahmen umgesetzt und ­bereits mehrere hundert Millionen Franken eingespart wurden.» Schon heute setze die jährliche Medikamentenpreisanpassung sämtliche Akteure, die Medikamente abgeben oder vertreiben, stark unter Druck. Jedes Jahr verringere sich die Kostendeckung aus dem vom Bundesrat geregelten Vertriebsanteil. Trotz nachgewiesener grosser Effizienzsteigerungen durch jährliche Medikamentenpreissenkungen stiegen jährlich Kosten für Personal, Mieten oder Infrastruktur in der Schweiz. «Das bringt jede vierte Apotheke in wirtschaftliche Bedrängnis und verschärft die Situation existenzbedrohter Apotheken zusätzlich», hielt ­Fabian Vaucher, Präsident von ­pharmaSuisse, fest.

«Generika helfen sparen»

Mit der vorgeschlagenen Anpassung der Vertriebsmarge werde das Ziel, kostengünstige Generika zu fördern, sogar gefährdet. Die Allianz zeigte sich überzeugt, dass sich mit einer konsequenten Generika-Durchdringung 150 Millionen Franken einsparen liessen. Paradoxerweise schwäche der Bundesrat mit dem Referenzpreissystem nun ausgerechnet die günstigen Alternativen. «Ein weiterer Preisdruck könnte Hersteller aus dem Markt treiben und Versorgungsengpässe werden ein alltägliches Phänomen sein», warnte Axel Müller von Intergenerika.En

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