Publiziert am: Freitag, 6. März 2015

China ist viel mehr als «nur» Shanghai

CHINAREISE – Die sgv-Studienreise von Anfang April führt u.a. nach Haining. Zweit- und drittrangige Städte wie Haining bieten KMU Chancen, die in den Megacities schwer zu finden sind. In diesen regionalen Zentren wächst der Mittelstand am stärksten.

Shanghai ist die wohl bekannteste und glamouröseste Stadt Chinas. Doch was für Touristen faszinierend ist, kann gerade für KMU ein hartes Pflaster sein. Wer auch immer in den chinesischen Markt expandieren will, ist gut beraten, nicht auf Shanghai, sondern auf zweit- und drittrangige Städte zu setzen.

Die Rangfolge der Städte

In China gilt: Städte haben Ränge; wenn auch nicht rechtlich, denn doch faktisch. In einem Land mit mehr als 150 Millionenstädten und acht Megastädten mit je über zehn Millionen Einwohnern ist es sinnvoll, die Städte zu gruppieren.

Städte im ersten Rang (first tier) sind die grossen und bekannten Megacities Peking, Shanghai, Chongqing, Guanzhou (Kanton) und Shenzhen. Dort finden sich gleichzeitig die schwierigsten Märkte. Denn die chinesischen Firmen, die dort tätig sind, bewegen sich selber auf internationalem Niveau. Ausländer haben hier nur dann eine Chance, wenn sie die bereits ansässigen Firmen in Sachen Innovation, Qualität und Design übertrumpfen.

Städte im zweiten und dritten Rang (second und third tier) sind da interessanter. Dazu gehören beispielsweise Suzhou, Nanjing, Dalian oder Dongguan. Bei ihnen handelt es sich meist um regional wichtige Zentren der Industrialisierung. Es ist in diesen Städten, in denen das Wachstum der chinesischen Produktionskapazität stattfindet. Und es ist dort, wo der Mittelstand am stärksten wächst. Das Aufkommen der Mittelschicht und die Urbanisierung sind Phänomene, die in China Hand in Hand gehen. Und sie finden vor allem in den Städten des zweiten und dritten Rangs statt.

Megatrends als Chance
für Schweizer KMU

Gleichzeitig sind gerade diese Mega­trends – Urbanisierung und aufstrebender Mittelstand – grosse Chancen insbesondere für Schweizer KMU, welche den Markteintritt in China suchen. Sie können geradezu auf diese Megatrends aufstützen. Die Urbanisierung an sich erhöht die Nachfrage nach Bautechnik, -materialien und Labels, aber auch nach Umwelt- und Gebäudetechnik. China ist dabei bereit, den höheren Preis für Dienstleistungen, Produkte und Komponenten aus der Schweiz zu bezahlen. Schliesslich geht es um Qualität und Prestige.

Die Erweiterung der industriellen Basis verlangt auch nach Logistik. Dabei sind nicht nur Transporte gefragt, sondern Techniken und Prozesse von der Disposition bis hin zum Kühlraum. Auch hier haben Schweizer Firmen gute Karten.

Die aufstrebende Mittelschicht fragt aber ebenfalls nach Inhalt und Prestige nach: Mit höherem Einkommen erhöht sich der Lebensstandard. Und damit steigen die Ansprüche an Qualität und auch der Wille wächst, «etwas zu gelten». In diesem Umfeld haben Schweizer KMU die einzigartige Möglichkeit, diese Entwicklung des chinesischen Mittelstandes mitzuprägen.

Anders als die ganz Grossen

Aus diesen Gründen führt die sgv-Studienreise nach China zur Stadt Haining, an der Ostküste unweit von Shanghai gelegen. Mit knapp einer Million Einwohnern gehört Haining zu den Zentren der Solartechnologie in China. Im derzeitigen Aufstiegsprozess setzt sie auf weitere Technologieindustrien, wie Komponenten für die Energiewirtschaft und Telekommunikation. Eine Stadt, die ganz anders aussieht als Shanghai, kennenzulernen, ist wertvoll für jene, die das Wesen Chinas erkunden wollen. Denn dort funktionieren die Märkte anders – und deutlich stärker zu Gunsten von expansionswilligen KMU.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv

2ND/3RD-TIER-STÄDTE

Andere «Kleinere»

Weitere, im Text nicht genannte «second tiers» und «third tiers» sind:

Baotou (Innere Mongolei): Chinas grösster Stahlproduzent

Changchun (Provinz Jilin): Chinas grösste automotive Industrie

Hefei (Provinz Anhui): baut kontinuierlich Pharma, Chemie und Biotechnologie aus

Hohhot (Innere Mongolei): Zen­trum der Wollverarbeitung

Shenyang (Provinz Liaoning): Höchstes Volumen internationaler Investitionen, vor allem in die High-Tech-Automotive Industrie

synergy 2015

Schweizer Qualität rund um den Globus

Qualität bei Produkten und Dienstleistungen von Schweizer Unternehmen ist entscheidend für Erfolg in den internationalen Märkten. Und: Die Bedeutung von Qualität nimmt weiter zu, da in wichtigen internationalen Märkten wie etwa auch in China starke aufstrebende Mittelschichten zu beobachten sind, die bereit sind, für Qualitätsprodukte zu bezahlen. Qualität ist ein Alleinstellungsmerkmal für Schweizer Produkte, das in der internationalen Vermarktung erfolgreich eingesetzt werden kann und das eine grosse Chance bietet, als Schweizer KMU international Erfolg zu haben.

Mittwoch, 4. November in Bern

Dem Thema Qualität in internationalen Märkten widmet sich auch die KMU-Tagung synergy 2015. Sie findet statt am Mittwoch, 4. November, im Kursaal Bern.