Publiziert am: 20.11.2020

Die Meinung

Corona: Bandenergie und Bandbreite

Als wäre es selbstverständlich, nehmen wir an, dass Spitäler und Krankenwagen funktionieren können. Und als selbstverständlich nehmen einige Kantonsregierungen und selbst der Bund an, man könne ja problemlos Homeoffice machen. Ohne Bandenergie und Bandbreite funktioniert das aber ganz und gar nicht.

Bandenergie ist der Grundbedarf an Strom, der jeden Tag rund um die Uhr verbraucht wird. In der Schweiz wird die Bandenergie von Kernkraftwerken und Laufkraftwerken an Flüssen geliefert. Bandbreite bezeichnet den wenig gestörten Frequenzbereich eines Signalträgers. Über diesen können Daten verlustfrei übertragen werden. Beides ist – in einem nicht technischen Sinn – ähnlich: Strom und Telekommunikation brauchen eine Grundinfrastruktur, welche produziert und verteilt. Die Bandenergie respektive die Bandbreite sind die Träger der weiteren Anwendungen.

Bei der Bandenergie sind diese Anwendungen der elektrische Betrieb von Maschinen in Spitälern, von Computern und Servern sowie von Telekommunikationseinrichtungen. Bei der Bandbreite sind es etwa die Signale, welche Blaulichtorganisationen brauchen, Internetprogramme wie Zoom und Youtube oder auch «nur» der Nachrichtenaustausch.

Wenn man sich dieses Bild vor Augen hält, fallen gleich zwei Sachen auf. Erstens hängen Strom und Telekommunikation fast schon untrennbar zusammen. Zweitens ist die Bewältigung der Corona-Krise bisher nur deswegen so glimpflich verlaufen, weil die Schweiz genügend Bandenergie und Bandbreite hat.

Jetzt kommt das Problem: Das Land hat noch genügend von beidem, aber die Reserven neigen sich dem Ende zu. Wenn die Kernkraftwerke nicht erneuert werden, ist ein Erhalt der ausreichenden Bandenergie höchst zweifelhaft. Wenn der 5G-Standard nicht umgesetzt wird, ist ein Erhalt der ausreichenden Bandbreite höchst zweifelhaft.

Nicht nur stösst die Schweiz an ihre Kapazitätsgrenzen. Das noch grössere Problem ist, dass ideologiegeladene Kreise sich gegen den Aufbau neuer Kapazitäten stellen. Diese Kreise gefährden nicht nur die weitere Versorgung der Schweiz. Sie setzen auch die Krisenbewältigung aufs Spiel.

Hätte die Schweiz heute keine genügende Versorgung mit Bandenergie und Bandbreite, würden ihre Spitäler nicht funktionieren, die Blaulichtorganisationen könnten sich nicht koordinieren und auch das gut funktionierende Homeoffice oder der Onlineunterricht wären ausgeschlossen.

Im Übrigen: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz entwickelt gerade solche Szenarien, auf die sich die Schweiz vorbereiten müsste: Blackout, Pandemie und Zusammenbruch der Telekommunikation. Sich auf diese Szenarien vorbereiten heisst, die Kapazitäten zu erweitern. Die Schweiz muss sich nicht nur mit Strom und Telekommunikation versorgen können. Wichtig ist eine Versorgung ohne Lücke und Rationierung. Wichtig ist eine Versorgung, die sowohl die zunehmende Elektrifizierung als auch die zunehmende Vernetzung bewältigen kann. Das geht nur mit Bandenergie und Bandbreite.

Eine Lehre aus der Corona-Krise ist also: Es ist höchste Zeit, die ideologiegeladene Behandlung von Bandenergie und Bandbreite über Bord zu werfen. Es ist dringender als je zuvor, die Kapazitäten in der Schweiz gerade für diese zwei lebenswichtigen Grundlagen auszubauen.

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