Publiziert am: Freitag, 13. Mai 2016

Dank neuer Strategie wachsen

VERBAND SCHWEIZER VERSICHERUNGSBROKER – Mit dem neuen Präsidenten Markus Lehmann bläst ein frischer Wind: 
Die Mitgliederzahl soll verdoppelt werden, und der SIBA soll sich zu einem referendumsfähigen, starken Verband entwickeln.

In der Schweiz sind rund 1400 unabhängige Versicherungsbroker registriert, 78 Unternehmen davon sind Mitglied im Verband Schweizer Versicherungsbroker SIBA. Die Kontrolle der Versicherungsvermittler obliegt der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA, die dafür ein Register führt. Gemäss Markus Lehmann, neuer Präsident des SIBA, gibt es tendenziell immer mehr ­unabhängige Versicherungsbroker. «Momentan schliessen sich viele kleine Broker zu grösseren Unternehmen zusammen», beobachtet Lehmann. Die unabhängigen, gut ausgebildeten Versicherungsvermittler seien die wichtigsten Konsumentenschützer. Denn sie hätten sich zur Unabhängigkeit verpflichtet und suchten somit für ihre Kunden die optimalsten Lösungen bei allen Gesellschaften, mit welchen sie Vereinbarungen abgeschlossen hätten. «Sie sind frei und können deshalb Lösungen bieten, die alle Versicherungsgebiete umfassen, und so bis zu 20 Prozent Prämien für ein Unternehmen einsparen», erklärt Lehmann. Die Kunden der SIBA-Mitglieder seien in erster Linie KMU, aber auch Grosskunden, die international tätig sind. Die Betreuung durch einen Broker geht gemäss Lehmann weiter, als das passende Produkt möglichst günstig zu finden. Ein Broker analysiere im Idealfall als erstes die gesamte Versicherungssituation eines Kunden und stelle fest, welche Versicherungen es braucht und welche der bestehenden überflüssig sind. Auch hilft er im Schadenfall seinen Kunden.

«Die gut ausgebildeten Versicherungsbroker sind die wichtigsten Konsumentenschützer.»

Markus Lehmann, der bei der Balrisk Versicherungsbroker AG in Basel arbeitet, ist seit März neuer Präsident des SIBA. Der alt- Nationalrat löst Moritz Kuhn ab. Lehmann bringt frischen Wind in den Verband und hat sich zum Ziel gesetzt, mit einer neuen Strategie die Mitgliederzahl zu verdoppeln und die Kommunikation zu verbessern. «Wir müssen zuerst eine Standortbestimmung machen und uns dann zu einem referendumsfähigen Verband entwickeln. Denn nur ein Verband, der bei politischen Fehlentscheidungen opponieren kann, ist ein starker Verband», betont Lehmann.

Einen grossen Stellenwert hat die Ausbildung. Die Brokerausbildung ist nach wie vor eine Kernaufgabe, die mit CICERO (Certified Insurance Competence®) der Bildungsoffensive der Schweizerischen Versicherungswirtschaft eine neue wichtige Dimension einnimmt. Das Insurance Institute of Switzerland IIS bietet zwei sich ergänzende Ausbildungen an. Diese vermitteln den Brokern im Unternehmensgeschäft und Personen in verwandten Berufsaufgaben hohe Fachkompetenz und die typischen speziellen Anforderungen an Broker. «Es ist wichtig, dass unsere Mitglieder hervorragend ausgebildet sind. Denn die damit verbundene fachliche Kompetenz macht einen Unterschied im Berufsalltag», betont Lehmann.

Unnötige regulatorische 
Gesetze und Bestimmungen

Eine grosse Hürde für den SIBA 
ist das Finanzdienstleistungsgesetz FID­LEG. «Das verursacht nur unnötige regulatorische Einschränkungen. Wir kämpfen schon lange zusammen mit dem SVV, dass wir da nicht miteingeschlossen werden. Dieses Gesetz betrifft nämlich Banken und Vermögensverwalter, aber gewiss nicht die Schweizer Assekuranz», so Lehmann. Indirekt spürt die Branche auch die Auswirkungen des starken Frankens. Neue Versicherungsmärkte eröffnen sich jedoch mit der Digitalisierung. Dazu Lehmann: «Die digitale Transformation macht auch vor unserer Branche nicht Halt. Dies hat allerdings Vor- und Nachteile.» Neue, innovative Produkte setzten neue Massstäbe und eröffneten neue Möglichkeiten. Bei den neuen Technologien seien auch die richtigen Vernetzungen nicht zu unterschätzen. Als grosse Herausforderung beurteilt Lehmann die richtigen Sicherheitsanforderungen, um damit gegen Cyber-Attacken gewappnet zu sein.

«Die fachliche 
Kompetenz macht 
den Unterschied im 
Berufsalltag.»

In der Branche gibt es gemäss dem neuen SIBA-Präsidenten noch viel Potenzial. «Der Markt ist noch nicht gesättigt. Wir hoffen, dass noch mehr Unternehmen die Dienste unserer Mitglieder in Anspruch nehmen und die Vorteile des unabhängigen Versicherungsvermittlers erkennen», so Lehmann. Für die kommenden Jahre will er den Berufsstand der unabhängigen Versicherungsbroker festigen: «Wir wollen und müssen wachsen.»

Corinne Remund

SIBA KURZ ERKLÄRT

Informationsplattform für die Mitglieder

Der Verband Schweizer Versicherungsbroker (SIBA) wurde 1991 gegründet. Er vertritt die Interessen des Berufsstandes der unabhängigen Versicherungsbroker in der Schweiz. Diese stellen im Unternehmensgeschäft den wichtigsten Vertriebskanal der Versicherer dar. Seine Hauptaufgaben im Dienst der Mitglieder liegen im regulatorischen und politischen Bereich. Er ist Informationsplattform gegenüber seinen Mitgliedern sowie der Öffentlichkeit. Er nimmt die Interessen gegenüber der Aufsichtsbehörde, den übrigen staatlichen Behörden, dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV, Konsumentenschutzorganisationen sowie diversen Organisationen der Wirtschaft wahr. Der SIBA äussert sich zudem im Rahmen von Vernehmlassungen zu neuen Gesetzesvorlagen, zu Markttendenzen sowie zu politischen Fragen. Er tritt für eine Öffnung des schweizerischen Versicherungsmarktes ein, analysiert die Entwicklung im Ausland, insbesondere in der EU, und pflegt auch Kontakte mit ausländischen Behörden und Brokerorganisationen. Ein zentrales Anliegen des Verbandes ist die Aus- und Weiterbildung. Hier arbeitet er mit der Vereinigung für Berufsbildung in der Versicherungswirtschaft VBV zusammen. Dabei ist es dem Verband ein Anliegen, dass die Mitglieder regelmässig und auf hohem Niveau weitergebildet werden, insbesondere auch im Zusammenhang mit der für die Zulassung respektive Registrierung benötigten Prüfung.

Mitglieder sind 
mehrheitlich KMU

Dem Verband sind rund 80 Broker angeschlossen. Dabei handelt es sich mehrheitlich um KMU. Etwa ein Drittel verfügt über mehr als zehn Mitarbeitende. Damit ein Broker in den SIBA aufgenommen wird, muss er mindestens fünf Mitarbeiter beschäftigen. Es herrschen strenge Aufnahmebedingungen, die erfüllt werden müssen, um Mitglied zu werden. Die Mitgliedschaft im SIBA ist ein Qualitätsgütesiegel. Im Nicht-Leben-Bereich vertreten die Mitglieder 80 Prozent der Grosskunden und Grossrisiken. Die SIBA-Mitglieder verwalten mehrere Milliarden Prämienvolumen.

CR