Publiziert am: 05.10.2018

Das Auto sieht mit

SICHERHEITSSYSTEME – Noch haben es längst nicht alle Fahrzeughersteller gewagt, 
selbstfahrende Autos auf die Strassen zu schicken. Aber die technischen Assistenten werden 
zahlreicher und können den Fahrer entlasten – oder je nach Empfinden bevormunden.

Weit verbreitet sind heute bereits Systeme, die entweder einen Sicherheitsgewinn bedeuten oder aber dem Fahrkomfort dienen. Es ist kaum mehr vorstellbar, dass Fahrzeuge bis vor wenigen Jahren ohne die Schlupfregelung ESP ausgestattet wurden. Älter sind nur noch das ABS-Bremssystem, die Sicherheitsgurte und die beweglichen Kopfstützen an den Sitzen.

Während früher die kostenintensiv entwickelten, elektronischen Bauteile bloss in teuren Fahrzeugen Anwendung fanden, sind die heu­tigen Systeme bis in die Kleinstwagenklasse serienmässig verbaut oder immerhin als Option verfügbar. Sämtliche Bereiche eines Fahrzeuges werden heutzutage bereits elektronisch überwacht – inklusive direkter Draht zum Hersteller und der Werkstatt. Klar, die Vorteile überwiegen, der einzige Nachteil ist das zusätzliche Gewicht, das die Bemühungen, Autos leichter zu machen, praktisch aufhebt.

Interpretationssache

Als erstes Beispiel sei die Spurhaltevorrichtung erwähnt. Dabei beobachten Kameras die Leit- oder Randlinien auf der Fahrbahn. Zunehmend sind die Spurhalter so ausgestattet, dass sie nicht nur vor einem drohenden Verlassen der Fahrspur warnen (durch Vibrationen im Sitz, am Lenkrad oder durch Warntöne), sondern durch Lenk- oder Bremsein­griffe das Fahrzeug mittig in der Spur halten wollen und in Kurven pro­blemlos den Radius einhalten. Gut, dass diese Systeme in der Regel ausgeschaltet werden können, denn aktive Fahrer nerven sich aufgrund der Bevormundung, wenn sie beispielsweise bewusst nahe der Leitlinien entlang fahren wollen.

Für ein selbstfahrendes Auto ist diese Anwendung jedoch zwingend nötig. Denn in Kombination von Spurhalter mit dem Überblick über den toten Winkel sowie dem Abstandradar lassen sich in Zukunft autonome Überholmanöver realisieren.

Kameras, Radar und Ultraschall

Schon längst überwachen Kameras sowie Radar- und Ultraschallsen­soren die Umgebung eines Autos. Sie vermessen Parklücken, zeigen 360-Grad-Rundumsichten, halten den Abstand zum Vordermann und zeigen dem Fahrer nahende Fahrzeuge, wenn sie sich im toten Winkel oder hinter einem Haus befinden und dieser sie gar nicht sehen kann. So können häufig Unfälle vermieden werden. «Eyesight» von Subaru 
benützt gleich drei Kameras hinter der Frontscheibe, um Hindernisse in Fahrbahnnähe zu erkennen – egal ob es sich um spielende Kinder, Radfahrer oder bremsende Fahrzeuge handelt – und bremst das Auto blitzschnell ab, wenn Gefahr droht.

Mercedes-Benz hat ein System entwickelt, das dem Autofahrer echt Zeit schenkt: In einem entsprechend ausgerüsteten Parkhaus etwa kann der Fahrer den Wagen nach der Eingangsschranke verlassen. Das Auto sucht sich selbst einen freien Platz und fährt wieder vor, wenn sein Besitzer zurückkehrt und die Parkgebühr bezahlt hat. Die Zeit, in welcher das Auto im Parkhaus steht, wird in Zukunft noch zusätzlich genutzt: So kann der Fahrer seinen Freunden mitteilen, dass das Auto für ein paar Stunden frei ist und genutzt werden kann. Oder er lässt die dreckige Wäsche im Kofferraum durch einen Profi abholen, reinigen und wieder zurückbringen. Er lässt das Fahrzeug durch einen fliegenden Reinigungsservice vollständig sauber machen. Er lässt ein Paket und die online bestellten Einkäufe direkt im Kofferraum verstauen. Oder… Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt.

Hände am Lenkrad sind besser

Allen Sicherheitssystemen zum Trotz ist es heute noch Pflicht, beide Hände am Lenkrad zu halten. Bereits seit längerer Zeit sind die Unfälle wegen Unaufmerksamkeit die Nummer eins. Obwohl alle Hersteller eine sichere Telefonanbindung mit Freisprecheinrichtung mitliefern, wird diese viel zu selten genutzt. Es ist also der Mensch, der den Sicherheitsgewinn wieder zunichtemacht.

Roland Hofer