Publiziert am: 22.08.2018

Das Gastgewerbe wird ausgebremst

AGRAR-INITIATIVEN Die Verbände GastroSuisse, hotelleriesuisse sowie KMU Bern lehnen die Fair-Food-Initiative wie auch die Volksinitiative für Ernährungs­­souveränität entschieden ab. Beide Initiativen würden zu höheren Nahrungs­mittel­preisen führen und die Bevölkerung in ihrer Wahlfreiheit bevormunden.

Am 23. September stimmt das Volk über die Fair-Food-Initiative und die Initiative für Ernährungssouveränität ab. GastroSuisse spricht sich gegen die beiden Agrar-Initiativen aus. Die Fair-Food-Initiative soll die ökologischen und sozialen Anforderungen an Produktion und Verkauf von Lebensmitteln verschärfen. Der Import von Lebensmitteln, welche nicht dem Schweizer Standard entsprechen, wird verboten. Dieses Vorgehen steht gemäss GastroSuisse im Widerspruch zu inter­nationalen Handelsabkommen und lässt sich nur mit sehr aufwändigen Kontrollen im In- und Ausland umsetzen. Auch das Gastgewerbe wäre negativ betroffen. Viele Produkte aus dem Ausland wie exotische Früchte oder ausländische Fleisch­spezialitäten wären nicht mehr erhältlich. Dies würde auch das gastronomische Angebot einschränken. Zudem würden höhere Zölle und Importverbote, wie sie die Initiative für Ernährungssouveränität fordert, den Wettbewerb schwächen und einen weiteren Preisanstieg bei Lebensmitteln verursachen. GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer warnt: «Schweizer Restaurants und Hotels verzeichnen bereits heute höhere Warenkosten als die Konkurrenz im Ausland. Eine weitere Verteuerung würde die Branche ausbremsen.»

 

Gastgewerbe sagt Ja zur Schweizer Landwirtschaft

GastroSuisse ist davon überzeugt, dass die beiden Agrar-Initiativen auch der heimischen Landwirtschaft mehr schaden als nützen. Letztendlich wird die Teuerung den Einkaufstourismus und den Onlinehandel antreiben.

Zudem führen die Agrar-Initiativen aufgrund der Produktionsvorschriften zu einem Einheitsbrei. Schweizer Produkte können sich damit kaum mehr qualitativ von ausländischen Produkten abheben. Die höheren Preise für hierzulande produzierte Lebensmittel liessen sich zukünftig nicht mehr rechtfertigen.

Keine zusätzlichen Regulierungen

Auch die Verbandsleitung von hotelleriesuisse empfiehlt die Fair-Food-Initiative und die Volksinitiative für Ernährungssouveränität zur Ablehnung. Bei diesen Initiativen sollen unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit protektionistische Massnahmen ergriffen werden können, die nicht WTO-konform sind und Importe für die Hotellerie verteuern würden. Die Hotelbranche leide bereits heute unter hohen Beschaffungs­kosten bei Nahrungsmitteln, die im Vergleich zum Ausland zu einem grossen Wettbewerbsnachteil führen würde. hotelleriesuisse wehrt sich gegen eine solche Benachteiligung der Hotelrestaurants und gegen eine Bevormundung der Gäste. Aufgrund der Fair-Food-Initiative würden zudem neue Gesetzesvorgaben im Bereich Food Waste drohen. hotelleriesuisse will keine zusätzlichen Regulierungen und setzt stattdessen auf zielführende freiwillige Massnahmen, welche die Branche bereits ergriffen hat und Wirkung zeigen. So engagiert sich hotelleriesuisse zusammen mit anderen Verbänden im Verein «United Against Waste» aktiv für eine Reduktion von Food Waste.

Internationales Handelsrecht wird torpediert

Auch das Parlament von Berner KMU lehnt beide Initiativen grossmehrheitlich ab, da sie die ökologischen und sozialen Anforderungen an die landwirtschaftliche Lebensmittel-Produktion mit einschneidenden gesetzlichen Vorschriften drastisch erhöhen und zur Umsetzung protektionistische Instrumente in die Verfassung schreiben wollen. Gemäss KMU Bern sind diese beiden Initiativen Abschottungs­vorlagen: Sie führen zu grossen Handelshemmnissen und torpedieren inter­nationales Handelsrecht. Das schade insbesondere der Schweizer Exportwirtschaft – und damit auch den tausenden Zulieferbetrieben und Gewerbetreibenden. Die Schweizer Wirtschaft verkaufe einen grossen Teil ihrer Produkte im Ausland. Die Exportindustrie überzeugt ihre weltweiten Kunden mit Spitzentechnologie. Beinahe jeder zweite Franken werde im Ausland verdient. Davon profitiere die ganze Schweiz. Die Exportwirtschaft biete hochqualifizierte Arbeits- und Ausbildungs­plätze. Das Gleiche gelte für die hunderttausenden Zulieferbetriebe, welche mit der erfolgreichen Exportwirtschaft verbunden seien. Auch sie würden viele tausende Arbeitsplätze bieten und wiederum selber unzählige Lernende ausbilden, hält KMU Bern in seiner Medienmitteilung fest. Das seien Hersteller von Komponenten, der lokale Bäcker, der örtliche Garagist oder der Schreiner aus dem Nachbardorf.

Bundesrat und Parlament empfehlen mit einer klaren Mehrheit, die beiden Initiativen abzulehnen.

www.agrarinitiativen-nein.ch