Publiziert am: Freitag, 18. September 2015

Das Wichtigste sind die Mitarbeiter

CS-STUDIE ZU KMU – Die Regulierung nimmt eine überdurchschnittliche Bedeutung ein – in Zukunft wird diese als noch negativer erachtet. Darum besteht aus Sicht der KMU hier der grösste Handlungsbedarf.

Standortspezifische Erfolgsfaktoren sind die Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit. Zum dritten Mal hat die Credit Suisse Schweizer KMU im Rahmen der Studienreihe «Erfolgsfaktoren für Schweizer KMU» befragt.

Die Ergebnisse auf einen Blick:

Gut ausgebildete Mitarbeiter werden von den KMU auch in der aktuellen Umfrage als wichtigster Pfeiler für den Erfolg betrachtet. Somit belegt der Faktor Mitarbeiter und Qualifikationen über die drei Beobachtungsjahre hinweg die Spitzenposition unter den bedeutendsten Erfolgsfaktoren.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen hemmen den Erfolg der KMU. Mit anderen Worten: Die Regulierungskosten sind gestiegen, und weder Bundesrat noch Parlament haben diesen Trend bremsen können. Da die Regulierung eine überdurchschnittliche Bedeutung hat und ihr Einfluss in Zukunft als noch negativer erachtet wird, besteht hier denn auch der grösste Handlungsbedarf.

Schweizer KMU sind international stark vernetzt. 69 Prozent der Unternehmen betreiben grenzüberschreitende Aktivitäten. Die Exporttätigkeit ist bei Industrie-KMU natur­gemäss stärker ausgeprägt als bei Dienstleistungs-KMU. Insgesamt steuerten die KMU 2012 schätzungsweise ein Fünftel zu den Schweizer Gesamtexporten bei.

Zwar gewinnen die Schwellenländer als Exportmärkte auch bei den KMU an Bedeutung. Jedoch konzentrieren sich KMU nach wie vor stark auf europäische Länder, allen voran Deutschland.

Um den zoll- und barrierefreien internationalen Handel zu ermöglichen, werden unter anderem Freihandelsabkommen geschlossen. Die Analyse zeigt, dass solche Abkommen die Handelsvolumina nicht zwingend erhöhen. Bereits bestehende, güterspezifische Abkommen oder nichttarifäre Handelshemmnisse können den Effekt von Freihandelsabkommen auf das Exportvolumen mindern. Hingegen senken Freihandelsabkommen die Exportkosten für Schweizer KMU spürbar, indem sie Zolleinsparungen in Millionenhöhe bringen.

«WEDER BUNDERAT NOCH PARLAMENT BREMSEN DIE REGULIERUNG WIRKLICH.»

Die Exporte in die Eurozone dürften in den kommenden Jahren ­deutlich stärker wachsen als in den vergangenen, von der Eurokrise besonders stark gezeichneten Jahren. In einer längerfristigen Perspektive werden die Schwellenländer dank des Heranwachsens einer breiten Mittelschicht immer stärker an Bedeutung gewinnen. Der Anteil der Schweizer Exporte in die BRIC-­Staaten dürfte sich bis 2035 ver­doppeln und China Deutschland 
als wichtigsten Handelspartner ablösen.

Höhere Berufsbildung 
diskriminiert

Alles in allem: Das Bild ist positiv, ausser in zwei Bereichen. Zum einen ist der Fachkräftemangel im weitesten Sinne ein Problem. Zum anderen hemmen ständig steigende Regulierungskosten die Entwicklung der KMU. Dabei macht die Schweiz gerade in diesen zwei Bereichen Rückschritte.

Es ist ein Fakt: Die Berufsbildung, insbesondere die höhere Berufsbildung, wird diskriminiert. Über diesen Kanal wird die Wirtschaft mit qualitativ hochwertigen und innovativen Fachkräften versorgt. Statt hier zu investieren, baut der Staat die Bürokratisierung und Verschulung des Bildungswesens aus.

Bei den Regulierungskosten darf man gar nicht hinschauen. Immer mehr Regulierung. Immer mehr Kosten. Immer schlechter schneidet die Schweiz bei diesem Kriterium ab. Dabei hätte es der Bundesrat in der Hand, die Regulierungskosten konsequent zu senken. Er hat sogar die Massnahmen dazu schon entworfen. Warum er sich nun weigert, seine eigenen Vorschläge umzusetzen, weiss niemand.

Zusammengefasst: Den KMU geht es gut. Sie sind innovativ. Sie sind global eingebunden. Was sich noch bessern muss, ist der Staat und sein Umgang mit den KMU.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv