Publiziert am: 21.11.2014

«Der Energiestrategie 
fehlt der rote Faden»

NACHGEFRAGT

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie würden Sie die Energiestrategie 2015 in drei Sätzen zusammenfassen?

n Peter Schilliger*: Die nun vorliegende gesetzliche Energiestrategie ist das ­Produkt vieler Interessensvertretungen. Entsprechend fehlt der konzeptionelle rote Faden. Positiv sind sicher die erweiterten Möglichkeiten für die Befreiung von Abgaben sowie der Ausbau von Steuerabzügen. Negativ beurteile ich das Festhalten an Subventionen sowie die Erhöhung der CO2- und KEV-Abgaben.

Was halten Sie davon, dass energetische Sanierungen von Gebäuden steuerlich ­absetzbar sein sollen?

Das ist ein echter Mehrwert! In den Gebäuden schlummert das grösste Energiesparpotenzial. Die neue Möglichkeit, energiesparende und dem Umweltschutz dienende Investitionen als Steuerabzug zu gewähren, wird für die Umsetzung der Energiepolitik zielführend sein. Vor allem der Antrag der nationalrätlichen Energiekommission, dass Investitionskosten bis zu vier Jahren nach der Investition abzugsfähig sind, ist richtig und wichtig.

«IN DEN GEBÄUDEN
SCHLUMMERT DAS GRÖSSTE ENERGIESPARPOTENZIAL»

Weshalb ist es sinnvoll, energieeffiziente Gebäude von der CO2-Abgabe zu befreien?

Ein erfolgreicher Staat lebt von pflichtbewussten und eigenverantwortlich handelnden Bürgern. Wer also seine energetischen Aufgaben als Hausbesitzer erfüllt hat, soll belohnt und nicht weiter durch Abgaben bestraft werden.

Welches sind Ihre «roten Linien» bei der Vorlage?

Im heutigen System der Förderung und Subventionierung lehne ich den Ausbau von Abgaben klar ab. Zu diesen gehören die Erhöhung des Netzzuschlages (KEV) von 1,5 auf 2,3 Rappen pro kWh und die Verteuerung der CO2-Abgabe von 60 auf 84 Franken je Tonne. Bleibt dieser Kostenanstieg in der Vorlage, werde ich das Gesamtpaket ablehnen.Interview: En

*Der Luzerner FDP-Nationalrat und Gebäudetechnik-Unternehmer Peter Schilliger ist Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK. Ende 2014 wird er nach 12-jähriger Tätigkeit als Zentralpräsident des Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverbands (suissetec) zurücktreten. Für sein Haus in Udligenswil erhielt er 2014 ein Solarpreis-Diplom.