Publiziert am: Freitag, 8. Juli 2016

«Der letzte Zwick an der Geisel»

KMU NEXT – Nachfolgeregelungen gehören für den Geschäftsführer Jörg Sennrich zum Alltag. Hier ein Einblick, wie mit dem Unternehmer ein Generationenwechsel angegangen wird.

Der Morgen zeigt sich von seiner schönsten Seite. Der Himmel von einer unberührten Klarheit, einer Offenheit, den neuen Tag voller Zuversicht anzupacken. Es ist 6.20 Uhr, und ich bin unterwegs zu einem Unternehmer – ich nenne ihn mal Friedrich – der KMU Next um Unterstützung gebeten hat. Am Telefon meinte Friedrich noch: Er hätte den letzten Zwick an der Geisel. Was meinte er damit? Ist auch er einer dieser stolzen Unternehmer, der seine Betriebsübergabe im letzten Moment realisiert, weil die Unternehmensnachfolge lange Zeit ein Tabuthema war?

Ich bin gespannt und offen für das, was mir Friedrich erzählen wird. Der Schlüssel meiner Arbeit liegt darin, durch eine unvoreingenommene Haltung, mit Respekt und einer hohen Empathie den inhabenden Personen zu begegnen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Umbruchphasen im Leben ganz bewusst gestaltet werden müssen. Dafür braucht es Zeit und Raum für vertrauensvolle Gespräche.

Nun sitze ich hier. Schwere braune Möbel ummauern das grosszügige Sitzungszimmer. Rostfarbene Teppiche aus allen Herrenländern zieren den Boden, und beigefarbene Ledersessel aus den 70er-Jahren laden zum Verweilen ein.

Materielle Themen im Zentrum

Als Friedrich, ein 79jähriger gestandener Unternehmer, den Raum mit einem zurückhaltenden Lächeln betritt, gewinnt das Erdrückende im Raum etwas an Leichtigkeit. Ich wage zu schmunzeln, und wir begrüssen uns. Seine Lebens- und Unternehmergeschichte sind Ausgangspunkt für die Klärung der aktuellen Situation im Nachfolgeprozess. Es ist für mich ganz wichtig zu erkennen, wo Friedrich im Nachfolgeprozess persönlich steht. Ich stelle immer wieder fest, dass hauptsächlich die materiellen Themen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und von den persönlichen (emotionalen) Bedürfnissen ablenken. Erst beim Erzählen der eigenen Lebensgeschichte wird erkennbar, welche Werte und Bedürfnisse im weiteren Prozessverlauf vertieft an- und ausgesprochen werden sollten. Wir Menschen hören und erzählen aber auch gerne Geschichten.

«Unternehmensnachfolge ist kein Tabu, keine Krankheit, und man braucht auch keine Angst vor 
diesem Prozess zu haben.»

Gerade erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer sind reich an Erfahrung und Erlebtem. Die Erzählungen ermöglichen, die unausgesprochenen Bedürfnisse und Wertvorstellungen der Unternehmer zu erahnen und zu konkretisieren. Es gilt, eine Verbindung zu schaffen zwischen der Unternehmensgeschichte und der persönlichen wie auch der unternehmerischen Zukunft. Unternehmensnachfolge ist kein Tabu, keine Krankheit, und man braucht auch keine Angst vor diesem Prozess zu haben. Es gilt einfach, mit Wertschätzung, Vertrauen, und einer guten Beziehung die Chance des «letzten Zwicks» zu nutzen – und das hat Friedrich jetzt vor.

Jörg Sennrich, Geschäftsführer

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KMU Next setzt sich für die Förderung eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Unternehmertums in der Schweiz ein und macht sich stark für einen effizienten Wirtschaftsstandort Schweiz. KMU Next verfolgt das Ziel, als schweizweites Netzwerk Lösungsressourcen für die KMU-Nachfolgethematik bereitzustellen. Zu den Dienstleistungen ­gehören:

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