Publiziert am: 18.09.2020

Der Wind hat gedreht

AEROSUISSE – Die Corona-Pandemie zwingt die Schweizer Luftfahrt immer noch zu einem Blindflug. Der

Verband setzt sich deshalb vehement für die Planungssicherheit und die Wiederherstellung der internationalen

Anbindung der Schweiz ein. Aktuell sind in der Branche Zehntausende Arbeitsstellen gefährdet.

Mit insgesamt über 58,5 Millionen abgefertigten Passagieren haben die drei Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel 2019 erneut einen Rekord verzeichnet. Das Wachstum hat sich allerdings von fünf auf zwei Prozent verlangsamt. Diese Zahlen sind allerdings wegen Corona bereits Schnee von gestern. «Hat in den vergangenen Jahren ein kräftiger Rückenwind der Schweizer Luftfahrt ein stabiles Wachstum beschert, so ist seit 2019 die gesamte Aviatik – abgesehen von der Raumfahrt, in der die Schweiz an der Spitze mitmischt – einem stetig stärker werdenden Gegenwind ausgesetzt», so Philip Kristensen, Geschäftsführer von Aerosuisse. Gründe dafür sind die Klimadebatten mit Forderungen nach einem Verbot von innereuropäischen Flügen, Flugticketabgaben sowie auf Covid-19 zurückzuführen. «Die Situation ist dramatisch. Das Verkehrsaufkommen in der Schweiz ist um mehr als 90 Prozent eingebrochen, die Passagierzahlen sind auf Niveau der 1950er-Jahre», stellt Kristensen fest. In der Folge sind die Umsätze aller Systempartner – Airlines, Flughäfen, Flugsicherung, Bodenfertigungsanbieter etc. – eingebrochen. «Erschwerend kommt hinzu, dass gewisse Quarantänemassnahmen des BAG den Schweizer Luftverkehr in eine Sackgasse manövrieren. Denn die BAG-Massnahmen sind weder mit unseren Nachbarstaaten noch international abgestimmt», so Kristensen. Je länger die Krise andauert, desto schlechter die Ertragslage. Dennoch versucht er optimistisch zu bleiben: «Der Fokus der Schweizer Luftfahrtpolitik muss sich jetzt auf die Wiederherstellung der internationalen Anbindung an die Schweiz richten. Wir brauchen zwingend Planungssicherheit.»

Umso wichtiger ist es, nun die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Raum- und Luftfahrt zu stärken. «Der Wettbewerb darf nicht durch die Doppelbelastung Corsia-EU-ETS verzerrt werden, und der Mehraufwand durch Gebühren und Steuern oder administrativen Aufwand muss vermieden werden», fordert Kristensen. Auf politischer Ebene macht sich der Verband stark für eine massvolle Einführung von Umweltangaben sowie faire Risikoallokation. Ebenso befürwortet der Verband die Anschaffung der neuen Kampfflugzeuge, worüber am 27. September abgestimmt wird.

Obschon der Wind gedreht hat, wird die Bedeutung der Luftfahrt für die Schweiz weiter ansteigen. Gemäss Kristensen ist das Potenzial der Branche gross: technologischer Fortschritt, nachhaltige Treibstoffe, neue Triebwerktechnologien und leisere Flugzeuge. «Die Schweizer Luftfahrt war vor der Corona-Krise äusserst gesund. Sie wird deshalb in der Lage sein, erfolgreich neu zu starten – inklusive Rückzahlung der Überbrückungshilfe des Bundes.»

Corinne Remund

www.aerosuisse.ch

DAS MACHT AEROSUISSE

190 000 Beschäftigte und 33,5 Milliarden Umsatz

Aerosuisse – der Dachverband der Schweizerischen Luft- und Raumfahrt – wurde 1968 auf Initiative des Aero-Clubs Schweiz, unter Mitwirkung von AOPA Switzerland, Swissair und anderen Firmen und Vereinen gegründet. Damit wollte die gesamte Branche stärker in der Öffentlichkeit auftreten und die geplante Grossoffensive der Lärmliga auf die Schweizer Luftfahrt abwehren. Heute ist die Hauptaufgabe von Aerosuisse, die Interessen der Schweizer Luft- und Raumfahrt zu wahren, die Bedürfnisse der einzelnen Akteure gegen aussen zu vertreten und die Existenzgrundlagen zu sichern. Der Verband betätigt sich auch auf politischer Ebene und nimmt unter anderem Einfluss auf die Gestaltung der gesetzlichen Grundlagen im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Der Aerosuisse gehören heute rund 140 Firmen und Organisationen an. Die Schweizer Raum- und Luftfahrt beschäftigt rund 190 000 Personen. Die gesamte Branche erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund 33,5 Milliarden Franken.CR

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